13 Lessons in Performance Art


 

19. - 28. 11.2009

topkino
Rahlgasse 1
1060 Wien


 

Programm Überblick
Credits

 

 

 


 


Als künstlerische Ausdrucksform hat Performance-Art derzeit Hochkonjunktur. Die Kunstgattung vereint nicht nur sämtliche Disziplinen von Theater, Tanz, Aktionismus, Malerei bis Popkultur, sie ermöglicht zudem die Zusammenführung von subjektiven Erfahrungen und gesellschaftspolitischen Themen. Trotz zahlreicher Unterschiede zwischen den gegenwärtigen und historischen Aufführungen, die durchaus auch die sich verändernden gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen spiegeln, ist der Performance-Raum bis heute jener Ort, an dem Genderfragen verhandelt, irritiert und neu formuliert werden können. War es in den 1960er-Jahren die erstarkte feministische Bewegung und die damit einhergehenden bewusste Abkehr von den von Männern dominierten Kunstformen und Institutionen, die auf den Bühnen für eine unverhältnismässig starke Präsenz von Frauen sorgte, sind es heute nicht zuletzt die damals aufgeworfenen Themen, die die jüngeren Performerinnen reflektieren und unter neuen Blickwinkeln weiterdenken. In der Reihe 13 Lessons in Performance Art liegt der Fokus der Auswahl auf jenen feministischen Arbeiten ab Mitte der 1960er Jahre, die speziell für das Medium Film und Video kreiert wurden, und die wir nun auch im Kinokontext zeigen, um der inhärenten Transdisziplinarität der Kunstform unter geänderten Rezeptionsbedingungen Rechnung zu tragen. Ein Blick zurück bzw. die Gegenüberstellung historischer und aktueller Positionen erschien uns daher als notwendige Voraussetzung, um Entwicklungslinien der Performance Art sichtbar zu machen, die bekanntlich eng mit dem Medium Video verknüpft ist. Mit Aufkommen von Video in den 1960er Jahren gab es endlich auch ein kostengünstiges Medium, in dem eine grosse Anzahl von Künstlerinnen die Kontrolle über die technischen Mittel und die Dramaturgie behalten konnten: Sie konnten gleichzeitig vor und hinter der Kamera stehen und zugunsten einer Inszenierung des Selbst und/oder einer bewussten Transformation von Rollenbildern den Unterschied zwischen Subjekt und Objekt bzw. Bild und Abbild aufheben, selbst definieren. Von Beginn an galt es nicht nur, den weiblichen Körper als ein Feld der Unterdrückung darzustellen, über den der breitere Umfang von Dominanz sichtbar wird. Auch die Analyse der Medien, ihrer Manipulationsmacht und ihrer Apparatur waren und sind wichtige Themen, um die Prozesse der Wahrnehmung und die Konstruktion von Wirklichkeit zu veranschaulichen. In der Zusammenstellung der dreizehn Programme ging es uns um ein Herauskristallisieren von Schwerpunktthemen, die für die Performance Art bis heute wesentlich sind: Die laufende Reflexion des Mediums, aber auch die Subversion von Geschlechternormen oder die sinnliche Selbstinszenierung, mit denen die Künstlerinnen zwischen Fremd- und Selbstbild vermitteln und unterschiedliche Modelle von Subjektivität befragen. Die Spannbreite der ausgewählten Arbeiten reicht von Meilensteinen der feministischen Performancegeschichte und -gegenwart, experimentellen Sound-Performances bis hin zum dokumentarischen Porträt. (Christa Benzer, Brigitta Burger-Utzer, Dietmar Schwärzler)

 

 

 

 

 

 


     

Kartenreservierung

topkino
Rahlgasse 1
1060 Wien

Tel.: 208 30 00


19.11.

19.00
01

Perform. Perform. Perform.

(69 min)

21.00
01

Perform. Perform. Perform.
(69 min)


20.11.
19.00
02

Frau + Mann + Sex

(63 min)


21.00
03

Subversion der Geschlechternormen

(79 min)

 
21.11.
19.00
04

I am gorgeous, that is nothing new

(79 min)


21.00
05

Home of the Brave

(90 min)

 
22.11.

19.00
06

The Experience of Place

(83 min)

21.00
07

Modes of Perception

(64 min)

 
26.11.

19.00
08

Schonungslos

(69 min)

21.00
09

et´s play (and work)
(65 min)

 
27.11.

19.00
10

Mother, dear Mother

(70 min)

21.00
11

Bodies of Society

(62 min)

 
28.11.

19.00
12

Herstory

(83 min)

21.00
13

The Art Star and the Sudanese Twins

(98 min)



     
       

 

 

 
Programm Überblick

01

 


19.11. 19.00
19.11. 21.00

next
     

 

 

Perform. Perform. Perform.

 

 

     

Dègueulasse

Jede Performance ist ein Ereignis. Sei sie im ursprünglichen Sinne live oder in mediatisierter Form für die Kamera, die das Publikum simuliert, inszeniert. Eine weitere Regel der Performancekunst stellt die Reflexion der Darstellung bzw. im weiteren Sinne der eigenen Gattung dar, was in den in diesem Programm versammelten Videos besonders deutlich zu Tage tritt.
In einer dreifachen, formal minimalistisch gesetzten Rahmung aus Licht und Schatten paraphrasiert Carola Dertnig – im Zentrum des Bildes, einer Markthalle in Wien, stehend – Charakteristika eines performativen Setups. Abwechselnd gibt sie Instruktionen, Fragen oder Merksätze von sich: „Ideas are one thing, and what happens to them is another thing.“ Oder: „If you do one thing for two minutes and you find it boring, do it for four minutes“. Der abschließende, wie ein Kommentar gesetzte Titel Dégueulasse mischt den Inhalt des Videos nochmals neu durcheinander. Sprache als Medium ist auch zentrales Element in VALIE EXPORTS jüngster Videoarbeit, in dem sie ein Laryngoskop in ihren Kehlkopf „verpflanzt“ und somit das Innere wortwörtlich, als gesprochenes Bild, nach Außen stülpt. Die Produktion von Bedeutung durch den hier geradezu qualvollen Einsatz von Sprache und Stimme wird leibhaftig sichtbar gemacht. Fraser wiederum widmet sich eindrucksvoll, unter Einsatz eines bestechenden Darstellungsrepertoires, unterschiedlichen Varianten von tatsächlich gehaltenen Eröffnungsreden, und destilliert pointiert, gezielt gesetzte Affekte, Ideologien und Machtstrukturen des Kunstbetriebes bzw. einzelner Proponenten. Auch Martha Wilson nimmt in ihren konzeptuellen Performances das „Schauspiel“ aufs Korn, und rückt konträr dazu die „Darstellung“ im Verhältnis zur Repräsentation durch videografische Aufzeichnung ins Zentrum ihrer Auseinandersetzung mit Selbst- und Körperbildern. In Accumulation restaged die Tanz-Koryphäe Trisha Brown1996 die gleichnamige Performance, die sie erstmals 1971 an der New York University vorführte. Die herkömmliche Rezeption von Tanz als visuelles Spektakel tritt Brown ganz nüchtern, dafür extrem effektiv entgegen. Kleine, fast beiläufig wirkende, aber exakt gesetzte Bewegungsabläufe verschmelzen zu einem geschmeidigen Gefüge purer Ausdrucksfreude. (Dietmar Schwärzler)

 

Carola Dertnig
A 2009,10 min

   
 

Premiere

 

Martha Wilson
CAN 1972, 1:25 min

   
 

Routine Performance

Martha Wilson
CAN 1972, 2 min

   

Art Sucks

Martha Wilson
CAN 1972, 1:25 min

 

   
 

Appearance as Value

 

Martha Wilson
CAN 1972, 2 min

   
 

Method Art

 

Martha Wilson
CAN 1974, 6 min

   

I Turn Over the Pictures of my Voice in my Head

 

VALIE EXPORT
A 2009, 12 min

   

Official Welcome

 

Andrea Fraser
USA/D 2001/2003, 30 min

   
 

Accumulation

 

Trisha Brown
USA 1971/1996, 6 min

     

 

 
Programm Überblick

02

 



20.11. 19.00

next
     

 

 

Frau + Mann + Sex

 

 

 

     
 

 

Monument

Begehrensstrukturen und Geschlechterkampf; zwei Stichworte oder zwei Seiten einer Medaille, die auch in der Performancekunst ganz markante Spuren hinterlassen haben. In Monument tastet Ivekovic den Körper eines Mannes noch aus einer gewissen emotionalen Distanz in einer Kreisbewegung ab, während es danach intimer und expliziter zugeht. Als Paar realisierten Marina Abramovic und Ulay von 1976 bis zum Jahr ihrer Trennung 1989 zahlreiche Arbeiten miteinander, die die partnerschaftlichen Rollenaufteilungen bis zu Grenzerfahrungen untersuchten. Das intensive Setting von Light/Dark zeigt beide Gesicht an Gesicht kniend, lediglich von zwei Lampen beleuchtet und sich gegenseitig solange Watschen verteilend, bis eine körperliche Erschöpfung einsetzt. Der zur Zeit der Veröffentlichung kontroversiell diskutierte Film Fuses zählt zu den Meilensteinen der feministischen Kunstgeschichte. Carolee Schneemann perfektioniert in ihrer strukturell angelegten Materialanalyse den Umgang mit Sexualität und Körperbildern abseits einer Objektivierung und Fetischisierung, wie sie in der traditionellen Pornografie häufig zum Vorschein kommt. Balkan Erotic Epic, in dem sich Abramovic auf osteuropäische Fruchtbarkeitsrituale konzentriert, entstand als Teil der Kompilation Destricted, zu der sieben Kunstschaffende eingeladen wurden, sich mit der Repräsentation von Sexualität und Pornografie im Kunstfeld zu beschäftigten. Why I Didn´t Become A Dancer und Der Spiegel führen etablierte Rollenbilder der Frau auf ganz unterschiedliche Weise vor, um sie gleichzeitig zu destabilisieren: Während Tracey Emin einer Verhöhnung ihrer Person mit einer erfrischenden Abrechnung begegnet, nützt Karen Cytter theatralisch anmutende Versformen, um eine Replik auf Schönheits- und Jugendlichkeits-Wahn zu formulieren. Ein deutlicher Kommentar zu einem zunehmend erkennbaren konservativen Backlash der Gegenwart liefert das Video Just Say No To Family Values. Deren Macher John Giorno und Antonello Faretta feiern in emphatischer Liebenswürdigkeit ganz ungeniert den Hedonismus und nehmen wertekonservative Haltungen in einem lyrischen Sprechakt auf die Schippe. (Dietmar Schwärzler)

 

Sanja Ivekovic
YU 1976, 5 min

   

 

Light/Dark

 

Marina Abramovic/ Ulay
YU/NL 1978, 7 min

   

Fuses

 

Carolee Schneemann
USA 1964-67, 22 min

   
 

 

Why I Didn’t Become a Dancer

 

Tracey Emin
GB 1995, 6 min

   

 

Balkan Erotic Epic

 

Marina Abramovic
SCG/USA 2006, 13 min

   

 

Der Spiegel

 

Karen Cytter
ISR/D 2007, 5 min

   

 

Just say No to Family Values

 

John Giorno / Antonello Faretta
I 2005, 5 min

     

 

 
Programm Überblick

03

 



20.11. 21.00

next
     
   

Subversion der Geschlechternormen

 

     

Just a Meaning that You Attribute to It

Vielleicht formuliert Judith Butler am besten die Utopie der in diesem Programm vertretenen Künstlerinnen: „Wenn wir jedoch den kulturell bedingten Status der Geschlechtsidentität als radikal unabhängig vom anatomischen Geschlecht denken, wird die Geschlechtsidentität selbst zu einem freischwebenden Artefakt.“
Bernadette Anzengruber findet in ihrer Performance eine Form, um sich mit ihren körperlichen Gegebenheiten auszusöhnen. Dabei wird klar, wie erschöpfend ein solcher Prozess sein kann, aber auch wie lächerlich seine Ursachen. Die tägliche Perfektionierung des Aussehens ritualisiert Sanja Ivekovic in Make-Up / Make-Down, sie verweigert jedoch den Blick auf ihr Gesicht und somit das Ergebnis. Wertfrei nennt sie es selbst eine „diskrete, intime Aktivität“. Mit 16mm-Film arbeitet die Kubelka-Schülerin Anja Czioska und verdichtet im Zeitraffer eine Live-Performance zur komischen und lustvollen Präsentation des ewigen Kampfs mit der Auswahl der Kleidung. Martha Rosler Reads the Vogue ist eine harte Abrechnung mit der Modewelt und ihrer ausbeuterischen Industrie: „it’s photography, desire, mystification, identification, voyeurism, it’s the new, new......“ Davon weit entfernt befragt Maria Petschnig die Repräsentation des Körpers radikal. Sie zwängt ihn in abenteuerliche Kleidungskonstruktionen, um eine Verwirrung um den abgebildeten Körperteil zu erzeugen und eine formale Abstraktion zu erreichen.
Alles ist Pose im Video von Grzinic und Smid, keine/r entkommt den Stereotypien, obwohl die Geschlechter in deren Darstellung kühn durcheinandergebracht werden. Warhol und von Praunheim waren Bezugspunkte, Punk und Kommunismus im ehemaligen Jugoslawien der gesellschaftliche Hintergrund.
Ihre Ängste vor unschönem Aussehen versucht Martha Wilson durch die Betonung ihrer Mängel im Gesicht zu bannen. Dafür wählt sie eine unvorteilhafte Kameraperspektive und trägt Anti-Make-Up auf. In I Change, I am the Same unterlaufen Ann Severson und ihr Mann mit einfachsten filmischen Mitteln oberflächliche Geschlechterzuordnungen. (Brigitta Burger-Utzer)

 

Bernadette Anzengruber

A 2008, 10 min

   
 

Make Up / Make Down

 

Sanja Ivekovic

YU 1979, 9 min

   

One Pussy Show

 

Anja Czioska

D/F 1998, 6 min

   
 

Martha Rosler Reads the Vogue

 

Martha Rosler

USA 1982, 26 min

   

KIP MASKER

 

Maria Petschnig

A 2007, 3 min

   

Icons of Glamour, Echoes of Death

 

Marina Grzinic, Aina Smid

YU 1982, 12 min

   

Deformity

 

Martha Wilson

CAN 1974, 12 min

   
 

I Change, I Am the Same

 

Ann Severson

USA 1969, 1 min

     

 

Programm Überblick

04

 




21.11. 19.00

next
     

 

 

I am gorgeous, that is nothing new

 

 

 

     

Danke, es hat mich sehr gefreut

Selbstbewusste Grenzüberschreitung. Darstellerische Übertreibung. Groteske Diven, deren Gesichter und Körper sich den klassischen Repräsentationsmustern entziehen, und die ihre Brüchigkeit nicht verbergen müssen. Der Titel des Programms ist eine Zeile jenes Songs, der die Musik zum lasziven Geschehen in ARIA DE MUSTANG bildet. Katrina Daschner gibt in der Verkleidung als Reiterin eine Show als lesbische Revuetänzerin, deren Darbietung von einem Frauenchor eingerahmt und überwacht wird.

Die Kamerasprünge entfernen die masturbierende Mimi Minus in Danke, es hat mich sehr gefreut von den voyeuristischen Zuschauern, ein Klassiker über die Freuden im Privaten. Auch Susan Mogul erzählt frank und frei über die tägliche Verwendung ihres Vibrators und hat mit Take Off eine humorvolle Anleitung zum lustvollen Sex mit sich selbst geliefert. Mit Anleihen vom Film Noir und seinen Stereotypien von Gangsterpaaren beschreibt Sadie Benning ihre Liebesgeschichte mit „the most glamorous girl, I’ve ever met“, indem sie zu eingängigen Popsongs die Rollen beider Geschlechter verkörpert. Patrycja German – verführerisch geschminkt und in Netzstrümpfen – lädt die Männer in einem Lokal zum Wettbewerb des Schenkeldrücken und formuliert damit erotische Wirkung neu. Die großartige Performancekünstlerin und Dragqueen Vaginal Davis schlüpft in die Rolle der naiven Klatschtante, die ihre Bekanntschaften mit celebrities ausbreitet. Dabei übersteigert sie das Genre der Intimbekenntnisse durch ihre Überdrehtheit und Aufmachung und bürstet auch die Inhalte politically incorrect gegen den Strich. Chantal Michel agiert trotzig ihre Autoaggression mit einer Portion Slapstick aus, während die High Heel Sisters den Rückzug in den Bergen suchen, um ihrer Wut und Sehnsucht Ausdruck verleihen zu können. Zum Abschluss berichtet Cathy Begien mit verbundenen Augen von einer durchzechten Nacht, während ihr Freunde ununterbrochen Drinks und Zigaretten geben bis zum Zusammenbruch. (Brigitta Burger-Utzer)

 

Mara Mattuschka

A 1987, 2 min

   
 

It Wasn't Love

 

Sadie Benning

USA 1992, 15 min

   

Schenkeldrücken

 

Patrycja German

PL/D 2005, 9 minn

   
 

... und ich will

 

Chantal Michel

CH 1988, 5 min

   
 

Take Off

 

Susan Mogul

USA 1974, 10 min

   
 

Blacky Gossip

 

Christophe Chemin /
Vaginal Davis

DE/US 2007, 9 min

   

Scream

 

High Heel Sisters

S 2007, 2 min

   

ARIA DE MUSTANG

 

Katrina Daschner

A 2009, 18 min

   
 

Blackout

 

Cathy Begien

USA 2004, 5 min

     

 

 
Programm Überblick

05

 



21.11. 21.00

next
     

 

 

Home of the Brave

 

 

 

     

Home of the Brave

Laurie Anderson zählt wohl zu den Pionierinnen der Multimedia-Performance und einer von innovativer Technologie geprägten Musik. Weltberühmt wurde sie 1981 mit ihrem Hit „Oh Superman“ und für ihre Alben arbeitete sie mit Kollegen wie Peter Gabriel, Brian Eno oder Lebensgefährte Lou Reed zusammen. Die Motivation für den Film war der Wunsch, endlich eine komplette Aufnahme einer Performance zu haben, denn die meisten ihrer Darbietungen existierten nur in Form von Platten und Fotos. Die „High-Tech Opera" (Anderson) vereint viele ihrer Erfindungen an Instrumenten, wie etwa die Neon-Violine, den Neon-Bogen, die digitale Violine, ein Mini-Synthesizer in Krawattenform und das Drum-Suit, welches ein furioses Schlagzeug-Solo gibt, wenn sie sich an Brust und Schenkel schlägt. Sogar ihr Kopf wird zum tonalen Resonanzraum, der für Percussion geeignet ist. „Die Strategie dieses Films“, sagt sie, „ist es, Technik so einzusetzen, dass sie sich selbst kritisiert.“ Um dies zu unterstreichen, beginnt Home of the Brave mit dem Auftritt der DarstellerInnen in Kopfmasken, die ähnlich einem einfachen Piktogramm die Gesichter auf Zeichen reduzieren. Derartig entindividualisiert erzählt Laurie Anderson mit einer vom Vocoder verzerrten Männerstimme von den sie in letzter Zeit bedrängenden Zahlen „Zero and One“ und meint dabei humorvoll, dass man sich endlich von der nationalen Obsession, die Nummer 1 sein zu wollen, befreien soll.
Die meisten Akte spielt sie als androgyne Person in einem weißen Anzug, nur für die wunderbare Geschichte aus „Langue d’amour“ kleidet sie sich in einem silbernen Abendkleid und Turnschuhen.
Einer der schönsten Szenen ist jene, wo sie mit dem alten Underground-Poeten William S. Burroughs einen Tango tanzt. Von ihm stammt auch der Satz für die bekannte Performance „Language is a Virus“ (from Outer Space), die von Projektionen des Alphabets von „A – Frame“ bis „ZZZZ“ begleitet wird. Als langjähriger Fan behaupte ich: Kaum eine/r verbindet optische Effekte, Trickfilme, rhythmischen Minimalrock mit ausgezeichneten MusikerInnen und subtile Gesellschaftskritik unterhaltsamer. (Brigitta Burger-Utzer)

 

 

Regie & Musik: Laurie Anderson. Kamera: John Lindley. Schnitt: Lisa Day. Produktion: Paula Mazur. PerformerInnen: Laurie Anderson, Joy Askew, Adrian Belew, William S. Burroughs, Dolette McDonald, Janice Pendarvis, David Van Tieghem, San Won Park, u. a.

USA 1986, 90 min

 

 
Programm Überblick

06

 



22.11. 19.00

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The Experience of Place

 

 

     


Ein Jahr bevor Martha Rosler 1975 mit Semiotics of the Kitchen eines der zentralen Werke feministischer Performancekunst vorlegte, fertigte sie kleine, dem Home Movie angelehnte Super-8-Filme an; Backyard Economy II ist einer davon. Bereits diese Arbeit erzählt auf ganz leichtfüßige Art von Rosler´s humorvoller Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifisch kodierter Haus- und Gartenarbeit. Auch das Frühwerk Strassenbilder, mit dem Scheirl beim 1. Österreichischen Jugendpreis gleich zwei Preise gewann, ist auf Super-8 gedreht und zeigt eine charmante, facettenreiche Aneignung des heimischen, ländlichen Raumes. In Song Delay hingegen fungiert New York als theatrales Setting für die Interaktion des performativen Körpers im urbanen Raum, wobei die Topografie des Raumes durch spielerische, vorwiegend asynchrone Sound-Aktionen erprobt und vorgeführt wird. White House, Genesis Burried in Mud und Swamp zeigen Verwandtschaften der Performancekunst zur Land-Art, wobei spezifisch in politische, ökologische und radikal subjektive Wahrnehmungsräume sortiert.
Mit The Experience of Place II, 550 Jamaica Avenue und Singspiel dringen wir in den Innenraum vor. In einer schlichten, ganz exakten Choreografie schruppt Helena Almeida den Fußboden ihres Ateliers, der sich unter minimalen Einsatz von Requisiten zu einem eindringlichen Erfahrungsraum mühsamer Körperarbeit verwandelt. Auch Klara Lidén äußert in einem schrägen, in die Kakophonie kippenden Sprechgesang eine Form von Gesellschaftskritik. Ihr mit Büchern, Möbeln und etlichen anderen Dingen vollgestopftes, illegal bewohntes Apartement in New York dient dabei als passender Schauplatz. Bei Brandenburg fungiert die berühmte Le Corbusier Villa Savoy als Aufführungsstätte: Eine einzige Kamerafahrt gleitet durch die Räume des Vorzeigewohnhauses der Moderne, die sukzessive mit theatralen Performances, Posen und einer Variation des Minnegesangs gleichzeitig belebt und verschleiert werden. (Dietmar Schwärzler)

 

Backyard Economy II

 

Martha Rosler

USA 1974, 7 min

   

Song Delay

 

Joan Jonas

USA 1973, 18 min

   
 

Strassenbilder

 

Hans Scheirl

A 1979, 9 min

   

White House

 

Lida Abdul

AF 2005, 5 min

   
 

Swamp

 

Nancy Holt / Robert Smithson

USA 1971, 6 min

   

Genesis Burried in Mud

 

Ana Mendieta

CU/USA, 1975, 3 min

   

The Experience of Place II

 

Helena Almeida

P 2004, 13 min

   
 

550 Jamaica Avenue

 

Klara Lidén

S 2004, 3 min

   
 

Singspiel

 

Ulla von Brandenburg

D/F 2009, 19 min

     

 

 
Programm Überblick

07

 



22.11. 21.00

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Modes of Perception

 

 

 

     
 

Totems

„Die Frau auf dem Bild, ist keine Frau, sondern ein Bild“, schrieb Ruth Noack in einem ihrer Aufsätze zu feministischer Kunsttheorie und rückte damit die medialen Repräsentations- und Visualisierungskonzepte ins Zentrum, die den traditionellen Bildstatus von Frauen mitgeprägt haben. In den versammelten Selbst-Inszenierungen wird dieser zugewiesene Bildstatus reflektiert, indem über die Auseinandersetzung mit der bildproduzierenden Apparatur dessen Konstruiertheit ausgestellt wird.
Eröffnet wird das Programm mit einer einminütigen Arbeit von Lida Abdul, die sich in Totems als zurückblickendes Subjekt inszeniert und sich einen Filter für die Wahrnehmung der Wirklichkeit schafft. Dass der Bildschirm zwei Realitäten – nämlich die der Performerin und die der BetrachterInnen – voneinander trennt, greift Sanja Ivekovic in dem Video Meeting Point auf, in dem sie auf ebenso spielerische wie medienkritische Weise genau jenen Moment einzufangen versucht, in dem die beiden medial geschaffenen Realitäten plötzlich zusammenfallen. Mit den Strukturen, die der filmischen Illusion zugrunde liegen, arbeitet Dora Maurer, die in Idomeres parallel zum materiellen Zusammenfalten einer weißen Leinwand den Bildschirm in mehrere Teile aufspaltet. Joan Jonas hingegen irritiert die medial vorgegebenen Wahrnehmungsmuster, indem sie in Vertical Roll das Videobild als ein störanfälliges ausweist und so den Blick auf ihren Körper fragmentiert. Allen Künstlerinnen geht es um neue Blickwinkel und Perspektiven, die sich im Falle von Steinas Somersault etwa einer rotierenden Kamera verdanken und bei Ulrike Rosenbach einem an der Decke montierten Spiegel, der ihren Tanz für eine Frau reflektiert. Lynda Benglis thematisiert in Now die Schwierigkeit gleichzeitig Subjekt und abgebildetes Objekt zu sein und richtet die Frage „Do you wish to direct me?“ oder den Befehl „Stop recording now“ an zuvor aufgenommene Selbstbilder während Anja Czioska in Me Shower, San Francisco fast 30 Jahre später für ein selbst bestimmtes ins Bild setzen des eigenen nackten Körpers plädiert. (Christa Benzer)

 

 

Lida Abdul

AF 1999-2001, 1 min

   

Meeting Point

 

Sanja Ivekovic
HR 1978, 6 min

   
 

Idomeres

 

Dora Maurer
H 1973/1980, 10 min

   

Vertical Roll

 

Joan Jonas
USA 1972, 20 min

   

Somersault (part of SUMMER SALT)

 

Steina
IS 1982, 5 min

   
 

Tanz für eine Frau

 

Ulrike Rosenbach
D 1977, 7 min

   
 

Now

 

Lynda Benglis
USA 1973, 12 min

   

Me Shower, San Francisco

 

Anja Czioska
D/F/USA 1994, 3 min

     

 

 
Programm Überblick

08

 



26.11. 19.00

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Schonungslos

 

 

 

     

Underwater

Der (weibliche) Körper als Gegenstand gesellschaftlicher und kultureller Einschreibungen steht im Zentrum des Programms, das die ZuschauerInnen nicht nur mit den physischen und psychischen Schmerzen der Performerinnen konfrontiert, sondern auch die Befragung der eigenen sadistisch-voyeuristischen Schaulust in den Mittelpunkt rückt. Den Auftakt bilden die Arbeiten von drei Künstlerinnen, die die Grenzen der physischen Belastbarkeit unter Einsatz ihrer nackten Körper erproben. In Underwater setzt sich Anja Czioska in ihrer eigenen Badewanne einer Belastungsprobe aus, während VALIE EXPORT in ihrer berühmten Arbeit Hyperbulie einen Korridor aus elektronisch geladenen Drähten zu überwinden versucht, um die gesellschaftlichen Disziplinierungsmaßnahmen des Körpers zu exemplifizieren. Ähnlich beunruhigende Bilder liefert auch die israelische Künstlerin Sigalit Landau, auf deren Körper in Barbed Hula ein Hulahup-Reifen aus Stacheldrahtzaun gut sichtbare politische Spuren hinterlässt, oder auch Ana Mendieta, die in Untitled (Blood Sign #2 / Body Tracks) mit blutigen Händen ein symbolisch aufgeladenes, machtvolles Bild entwirft.
Auf Extremerfahrungen in Raum und Zeit basieren bekanntlich auch die Performances von Abramovic/Ulay, die sich in AAA-AAA einen nerven- und stimmen-aufreibenden Beziehungskampf liefern. Roberta Lima macht in der Reihe insofern noch einmal einen anderen Blickwinkel auf, als dass sie sich in 6teen Stitches die Kleider wortwörtlich auf den Leib schneidern lässt. Einer eher umgekehrten, und dennoch verwandten Logik folgt die Arbeit von Viktoria Tremmel, die in Allerleihrauh den fatalen Zusammenhang zwischen Selbstverletzung und Subjektverlust thematisiert, und im Video Heal Me von Hester Scheuerwater geht es zumindest indirekt ebenfalls darum, sich selbst trotz aller Verletzlichkeiten und Ängste doch noch zu spüren. Abschließend wird das Video Apologies von Anne Charlotte Robertson präsentiert, die die ihr auferlegten Schuldgefühle nach außen trägt und das Publikum zu Teilhabern ihrer intensiven, aber nicht ganz humorfreien Katharsis werden lässt. (Christa Benzer)

 

Anja Czioska

F/D1994, 3 min

   

Hyperbulie

 

VALIE EXPORT
A 1973, 7 min

   

Barbed Hula

 

Sigalit Landau
IL 2000, 2 min

   
 

Untitled (Blood Sign #2 / Body Tracks)

 

Ana Mendieta
CU / USA, 1974, 1 min

   

AAA-AAA

 

Marina Abramovic /Ulay
YU 1978, 10 min

   

6teen Stitches

 

Roberta Lima
A / BRA 2008, 12 min

   

Allerleirauh

 

Viktoria Tremmel
A 2007, 13 min

   
 

Heal Me

 

Hester Scheurwater
NL 2000, 4 min

   
 

Apologies

 

Anne Charlotte Robertson
US 1983-1990, 17 min

     

 

 
Programm Überblick

09

 



26.11. 21.00

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Let´s play (and work)

 

 

 

     

Water Walk

„I consider laughter preferable to tears“ – so kommentierte John Cage die Frage des TV-Moderators, der in der Einführung zur Performance Water Walk von ihm wissen wollte, wie er damit umgeht, wenn das Publikum während seiner avantgardistischen musikalischen Darbietung lacht. Gleich zu Beginn seines Auftrittes wird Cage als kontroversiell diskutierter Künstler mit Hang zum Freakigen präsentiert, weil er für seine musikalischen Kompositionen vollkommen unkonventionelle Mittel verwendet. Als die Liste der „Instrumente“ über den Bildschirm läuft, bricht das Publikum erwartungsgemäß in Gelächter aus: ein Kochtopf, eine Weinflasche, ein Mixer, Eiswürfel oder auch fünf Radios, die er in seine extrem charmante Musik-Performance unplugged integriert. John Cage lacht mit dem Publikum mit und hat mit der alternativen Verwendung von Alltagsgegenständen nicht nur dieses beeindruckt, sondern auch Martha Rosler zu einem zentralen Werk der feministischen Videokunst inspiriert: In ihre berühmten Arbeit Semiotics of the Kitchen bringt auch sie die BetrachterInnen zum Lachen, wenn sie Küchengeräten durch verschiedene Gesten emanzipatorische Qualitäten entlockt. Laurie Anderson verwendet in Songs for Lines / Songs for Waves zwar keine Küchengeräte; die Instrumente, mit denen sie die insgesamt zehn Songs performt, sind aber nicht weniger experimentell: So bedient sie sich in dem Song „a man, a woman, a house and a tree“ einer eigens entwickelten Technologie, um Bilder zu rhythmisieren, oder sie führt ihre „Tape Bow Violin“ vor, die anstelle von Rosshaaren ein Kassettentape eingespannt hat. Ähnlich wie Anderson, die sich zudem ihrer Stimme bedient und auf der Bühne laufend mit den unterschiedlichsten Medien, Gegenständen und Projektionen interagiert, arbeitet auch Sabine Marte, die die BetrachterInnen ihres Videos Ich arbeite ebenfalls in gleichermaßen (medien-)reflexive, humorvolle und poetische Welten entführt. (Christa Benzer)

 

John Cage

USA 1960, 10 min

   

Semiotics of the Kitchen

 

Martha Rosler
USA 1975, 6 min

   

Songs For Lines / Songs For Waves

 

Laurie Anderson
USA1977, 39 min

   

Ich arbeite

 

Sabine Marte
A 1996-1998, 20 min

   
   
     

 

 
Programm Überblick

10

 



27.11. 19.00

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Mother, dear Mother

 

 

 

     

Der Schöne,
die Biest

Die Bedeutsamkeit und Macht der ersten Beziehung thematisiert dieses Programm mit seinen changierenden Gefühlen zwischen Abhängigkeit und Liebe.
Mara Mattuschkas erster Sohn ist der Schöne und sie gibt das Biest, das seinen spielerischen Selbstdarstellungsdrang zum Erstaunen des Babys auslebt. Die Kameralinse verzerrt die groteske Mutter und ihren nährenden Busen zur Übergröße. Gleichzeitig wird mit vielen kleinen Details der Reichtum des Universums “Mutter und Kind“ phantasievoll dargestellt.
In einer einzigen Einstellung leistet Lisa Steele Erinnerungsarbeit, indem sie jenen Tag schildert, an dem sie im Alter von nur 15 Jahren ihre Mutter tot auffindet. Man merkt der Erzählung an, dass sie in einem spontanen Selbstversuch entstanden ist. Das ist die Stärke der Darbietung: Wir werden Zeuge von Nervosität, Gelassenheit, Verdrängung und Selbsterkenntnis.
Ulrike Rosenbach umwickelt sich selbst und ihre Tochter Julia mit Binden. Der Akt visualisiert ihre Rolle als Performerin und Mutter: Die enge Beziehung zwischen Mutter und Kind kann gleichermaßen Geborgenheit als auch Fesselung sein.
Der Krieg im Libanon verhindert die Rückkehr Mona Hatoums aus dem Exil. In Measures of Distance liest sie Briefe ihrer Mutter vor, die voller Sehnsucht sind, aber auch voller Freude darüber, dass sie beim letzten Besuch über Sexualität gesprochen haben. Dabei sind die Fotos vom nackten Körper der Mutter entstanden, die nun im Video von den arabischen Schriftzeichen der Briefe überlagert sind. Die neue Nähe muss aufgrund der politischen Verhältnisse distanziert bleiben.
In Delirium lässt Mindy Faber ihre langjährig depressive Mutter über ihre Krankheit sprechen und stellt diese persönliche Geschichte in den größeren Zusammenhang von Frauen und Wahnsinn. In einer Mischung aus dokumentarischen Bildern, Archivmaterial und Performances von Mutter und Tochter vertritt sie die These, dass im besonderen die weibliche Hysterie ihre Ursache in gesellschaftlichen Erwartungen hat. (Brigitta Burger-Utzer)

 

Mara Mattuschka

A 1993, 10 min

   
 

A Very Personal Story

 

Lisa Steele
CAN 1974, 17 min

   

Entwicklung mit Julia

 

Ulrike Rosenbach
D 1973, 5 min

   

Measures of Distance

 

Mona Hatoum
GB 1988, 15 min

   
 

Delirium

 

Mindy Faber
USA 1993, 23 min

     

 

 
Programm Überblick

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27.11. 21.00

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Bodies of Society

 

 

 

     

Bodies of Society

Der sozialen Konstruiertheit von Gesten, Posen und Gebärden innerhalb unterschiedlicher politischer und kultureller Kontexte spüren die insistierenden Performance-Arbeiten in diesem Programm nach. In Bodies of Society schlägt Lidén, in energetisch unterschiedlich aufgeladenen Phasen, auf ein Fahrrad ein und setzt mit dieser recht simplen Aktion Assoziationen zu bestehenden Macht- und Geschlechter-Verhältnissen frei. Während die Schizophrenie religiöser Identitäten bei Double Bubble aus einer dezidiert männlichen Perspektive geäußert und von Bajevic deutlich kritisiert werden, kreiert Güres in Undressing ein wertfreies Bild zum Thema Verschleierung. Die Essenz einer viermonatig dauernden Performance-Arbeit ist in After Desaster zu sehen: Abdul taucht ihr Gesicht wiederholt in die mit Asche gefüllte Encyclopedia Britannica, die für sich „The Sum of Human Konwledge“ proklamiert, und kommentiert ironisch den darin dominierenden, angloamerikanischen Wissenskanon. Über das Element der Wiederholung exerziert Abramovic das Ideal vom familiären Glück solange durch, bis dieses gesellschaftliche Konstrukt in sich selbst zerbricht. In Transit führt uns an den Stadtrand von Kabul, wo die Landschaft von Trümmern aus mehr als zwanzig Jahren Krieg übersät und von der fortgesetzten Zerstörung durch Bombardierungen gezeichnet ist. Trotz der tristen Lage gelingt es Abdul ein poetisches und alternatives (Medien)Bild zu entwerfen, das Hoffnung und Freiheitsgefühl in sich birgt. Fragen zu Repräsentation und Stereotypologien zählen auch zu den zentralen Aspekten im Werk von Akerman. In Saute ma ville, mit dem die damals 18 Jährige, inspiriert von Godard, gleich zu Beginn ihrer Karriere ein Schlüsselwerk ihres filmischen Schaffens vorlegte, sprengt sie herkömmliche Rollenbilder wortwörtlich in die Luft. (Dietmar Schwärzler)

 

Klara Lidén

S 2006, 5 min

   

Double Bubble

 

Maja Bajevic
BIH 2001, 5 min

   
 

After Desaster

 

Lida Abdul
AF 1999-2001, 1:30 min

   

Image of Happiness

 

Marina Abramovic
SCG/NL 1996, 24 min

   

In Transit

 

Lida Abdul
AF/ A 2008, 5 min

   

Undressing

 

Nilbar Güres
TK/A 2006, 6 min

   

Saute ma ville

 

Chantal Akerman
B 1968, 15 min

     

 

 
Programm Überblick

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28.11. 19.00

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Herstory

 

 

 

     

A Portrait of the Artist as a Worker (RMX.)

Vom Leben in der Kunst und ihrer männlich dominierten Geschichte erzählen die Arbeiten im Programm „Herstory“, das Ina Wudtkes A Portrait of the Artist eröffnet: Sie bedient sich dabei mit der Maskerade einer bewährten feministischen Technik und schlüpft in die unterschiedlichsten Rollen, mit denen sie sich ihre Existenz als Künstlerin absichern muss. Wudtke benutzt dafür Techniken aus der DJ- und MC-Welt und setzt sich als DJ, Geschäftsfrau und immer wieder als Clown ins Bild, um auf die Verrücktheit der von KünstlerInnen abverlangten Flexibilität zu verweisen. Von der Gegenwart zurück in die Vergangenheit führt dann eine Arbeit der US-amerikanischen Künstlerin Hermine Freed, die das Medium Video anfänglich vor allem für sehr klassische Künstlerporträts benutzte. In der Videocollage Art Herstory montierte sich die Künstlerin dann aber selbst in berühmte Bilder der Kunstgeschichte hinein, um ihre Abhängigkeit von der Geschichte der Frauenbilder quasi von innen heraus zu reflektieren und später mittels der Videotechnik aus dem vorgegebenen historischen Rahmen und Bildstatus wieder heraustreten zu können. Die beiden letzten Arbeiten des Programms kreisen mit den Werken von Francesca Woodman und jenen des baskischen Bildhauers Chillida zunächst um zwei grundlegend verschiedene Dinge: Denn während sich Elisabeth Subrin in The Fancy in einer experimentellen biografischen Annäherung an das Leben und Werk von Woodman versucht, die sich in ihrem feingliedrigen Werk mit Fragen der weiblichen Identität befasste, sind es bei Falke Pisano die monumentalen Skulpturen von Chillida, die sie in dem Zweikanal-Video Chillida (Forms & Feelings) erfassen will. Gemeinsam ist den beiden Arbeiten allerdings, dass sie über das Sprechen und Herzeigen der jeweiligen Kunstwerke ihre eigenen Gefühle und emotionalen Reaktionen auf eine Art und Weise beschreiben, die auch die BetrachterInnen nicht unberührt lässt. (Christa Benzer)

 

Ina Wudtke

D 2006, 11 min

   
 

Art Herstory

 

Hermine Freed
USA 1974, 22 min

   
 

Chillida

 

Falke Pisano
NL 2006, 14 min

   

The Fancy

 

Elisabeth Subrin
USA 2000, 36 min

     

 

 
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28.11. 21.00

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The Art Star and the Sudanese Twins

 

 

 

     

The Art Star and the Sudanese Twins

Die Performancekünstlerin und Malerin Vanessa Beecroft ist eine streitbare Figur. Bekannt wurde die 1969 in Genua geborene Künstlerin durch ihre meist aus (halb)nackten Frauen bestehenden Tableaux Vivants, in denen sie selbst nur in Ausnahmefällen auftritt, sondern im Hintergrund als Regisseurin agiert. Gelten ihre Performance-Arbeiten für die einen als oberflächlich, ausbeuterisch und sexistisch, ist sie für andere wiederum eine bedeutende Vertreterin eines jüngeren und offenen Feminismus, der den meist sexualisierten und malträtierten Körper neu befragt. Pietra Brettkellys Portrait kombiniert beide Aspekte und zeigt die Person und die Künstlerin Beecroft, wobei die Grenze, ganz nach einem klassischen avantgardistischen Prinzip, hier durchaus fließend verläuft. Dabei wendet Brettkelly einen dem Beecroft´schen Ouevre inne wohnenden Voyeurismus auf die Künstlerin selbst an und lässt u.a. Ehemann, Galeristen, Mutter und Vater mit durchaus ambivalenten Äußerungen, intimen Erfahrungs- und Familienberichten zu Wort kommen. Beecroft wiederum präsentiert und inszeniert sich in einer Mischung aus brutaler Offenheit, Naivität, Leidenschaft, Manie und Selbstbewusstsein. Sie scheut weder Bemerkungen zu ihren Depressionen, der Tablettensucht, schwierigen Kindheitserfahrungen, westlichen Kapitalismusfantasien, noch Be- und Hinterfragungen ihres Werkes oder ihrer eigenen Handlungsweisen.

Ausgangspunkt für den Film lieferte ein zufälliges Aufeinandertreffen beider Frauen im Süden Sudans im Februar 2006, als der Darfour Konflikt brodelte: Brettkelly arbeitete zu diesem Zeitpunkt an einem Film über Landminen, Beecroft bereitete ein Ausstellungsprojekt vor und versuchte im Alleingang die zwei Babys Madit und Mongor Akot Makoi zu adoptieren; wohlgemerkt in einem Land, das bis dahin kein Adoptionsrecht kannte. Über die Zusammenführung dieser für Beecroft zu diesem Zeitpunkt elementar wichtigen Lebensaspekte werden sowohl Fragen zu künstlerischen Entstehungsprozessen und Abläufen, historischen Bezugsquellen, politischem Handeln und dem darin virulent zu Tage tretenden Postkolonialismus gestellt. Über ein Resultat ihrer Reise und ihrer Auseinandersetzungen konnte man sich auf der Venedig Biennale 2007 ein Bild machen, wo sie ihre kontroversiell diskutierte Performance VB61, Still Death! Darfur Still Deaf?, die den Film rahmt, vorführte und die sie dem Sudan widmete. (Dietmar Schwärzler)

 

 

Regie, Produktion: Pietra Brettkelly
Kamera: Jacob Bryant
Schnitt: Irena Doll
Musik: Anika Moa

NZ 2008, 98 min

     

 

 

 
 

 

 

Konzept: Brigitta Burger-Utzer
Programmauswahl und Texte: Christa Benzer, Brigitta Burger-Utzer, Dietmar Schwärzler
Kopienbeschaffung: Eva Kuntschner

Finanzielle Unterstützung: Bundeskanzleramt / Bundesministerin für Frauen und Öffentlicher Dienst, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (AbteilungFilm), Projektförderung für Kinos des Kulturamtes der Stadt Wien, VDFS (Verwertungs-gesellschaft der Filmschaffenden), Frauenabteilung der Stadt Wien (MA 57).

Für Ihre Hilfe bei der Recherche und Kopienbeschaffung danken wir:Isabelle Alfonsi, Vanessa Clairet (Galerie Michel Rein); Joke Ballintijn, Theus Zwakhals(Netherlands Media Art Institute); Kathrin Becker (Neuer Berliner Kunstverein); Mirna Belina; Cinédoc; Rebecca Cleman, John Thomson, Josh Kline (Electronic Arts Intermix); Collectif Jeune Cinéma; Katrina Daschner; Carola Dertnig; Patrizia Diskus (Warner Bros.); Rike Frank; Martin Gostanian, Amy Handler (The Paley Center for Media); Michaela Grill;Elly Hawley (White Cube); Nanna Heidenreich, Angelika Ramlow (Arsenal Experimental);Jacqueline Holt (LUX); Vanja Hraste (Croatian Filmclubs’ Association); Aliocha Imhoff (Le peuple qui manque); Andrew Lampert (Anthology Film Archives); Doris Leutgeb,Michael Punzengruber (Generali Foundation); Anna Linder, Mats Lundell (Filmform) ;Brent Klinkum (Transat Vidéo); Michael Loebenstein; Lindsay H. Macdonald (Galerie Lelong); Ralph McKay; Abina Manning (Video Data Bank); Maria Morata; Denise Moser (Galerie Nagel); Ulrike Müller; Claartje Opdam (Filmbank); Maria Pallier (tve-Madrid);Daniel Pies; Eyal Segal; Berta Sichel (Museum Reina Sofia); Polina Stroganova (Produzentengalerie Hamburg); Sylvia Szely; Wanda vanderStoop (Vtape).

Den Künstlerinnen und Künstlern.Special thanks to Johannes Wegenstein und Bruno Batinic (Top-Kino).

 

 

 
 

sixpackfilm
Neubaugasse 45/13, A-1070 Wien Tel: +43 1 526 09 90 0 Fax: +43 1 526 09 92

Top-Kino
Rahlgasse 1, 1060 Wien Reservierungen: 208 30 00
Einzelkarte: €7.– (ermäßigt €6.–) Pass für die gesamte Reihe: €30.–