5x2
Dokumentar-
filmtage

 


     

 

7. – 11. Oktober 2014

Top-Kino
Rahlgasse 1, 1060 Wien


 

Programm Überblick

 

Andreas Horvath
Earth's Golden Playground
Dienstag, 7. 10. – 19:00
+ Gespräch mit Anna Katharina Laggner

Donnerstag, 9. 10. – 21:30

5 Tage, jeweils 2 Termine. Diese einfache mathematische Rechnung prägt den Titel der bereits zum dritten Mal stattfindenden Dokumentarfilmtage von sixpackfilm, die das Ziel hegt, heimische dokumentarische Formen abseits des Mainstream zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Dabei fungiert die Ökonomie, formal, inhaltlich als auch wirtschaftlich gedacht, als ein zentrales Bindeglied der ausgewählten Arbeiten. Sie bringt die Geschichten zum Laufen, auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Während die rastlose Suche nach Geld in Earth‘s Golden Playground und Spieler via Goldgraben und Glücksspiel als zentrales Motiv verhandelt wird, manifestieren sich in den Kurzfilmen Homeless New York 1990 , Yo no veo crisis und Lettre à Mohamed insistierende Forderungen nach sozialpolitischer Veränderung, ohne Fragen nach dem Versagen der Politik aber auch der Zivilgesellschaft zu vernachlässigen.

Tough Cookies, Mara Mattuschka_Different Voices of an Anti Diva und DMD KIU LIDT zeigen die dokumentarische Bandbreite im Zugang zum Portrait: Von drei Boxerinnen aus den USA, die hartnäckig im Schatten des Scheinwerferlichts ihrem Sport frönen, über die unverwechselbare Filmemacherin, Malerin und Performancekünstlerin Mara Mattuschka bis zur Musikgruppe Ja, Panik, die Zugang zu ihrem Bandleben gewährt. Jeder einzelne Film nähert sich dabei auch formal in der Wahl seiner filmischen Mitteln ganz spezifisch seinen Protagonistinnen und Protagonisten an und alle zeigen sie, wie trotz geringer finanzieller Produktionsmittel formal stringente und ganz eigensinnige Arbeiten im besten Sinne realisiert werden können. So stehen hier im Zentrum einmal profane, aber kräfteraubende Trainings- und Arbeitsabläufe, ein anderes Mal ausufernde und aberwitzige Gespräche, die den Einblick in das Werk der portraitierten Künstlerin anreichern. Oder es sind die präzise arrangierten Inszenierun- gen von Gesten, Phrasen und Posen einer Band, die sich mit der titelgebenden Songzeile in das Hirn einbrennen: „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“.

Wir wünschen viel Vergnügen.
(Dietmar Schwärzler, Gerald Weber / sixpackfilm)

 

 

 

Ruth Kaaserer
Tough Cookies
Mittwoch 8. 10. — 21:30 + Gespräch mit Andrea Braidt

Donnerstag 9. 10. — 19:00

 

Elisabeth M. Klocker
Mara Mattuschka_Different Voices of an Anti Diva
Freitag 10. 10. — 19:00 + Gespräch mit Dietmar Schwärzler

 

Katharina Copony
Spieler
Samstag 11. 10. — 19:00 + Gespräch mit Gerald Weber

 

Georg Tiller
DMD KIU LIDT
Dienstag 7. 10. — 21:30 + Gespräch mit Isabella Reicher

Freitag 10. 10. — 21.30

 

 

Hans Scheugl
Homeless, New York 1990
Christine Moderbacher
Lettre á Mohamed David Krems
Yo no veo crisis (I don‘t see no crisis)
Mittwoch 8. 10. — 19.00 + Gespräch mit Georg Wasner

Samstag 11. 10. — 19:00 + Gespräch mit Gerald Weber


 

 

 

Programm Überblick

 

Di. 7. Okt. 19:00
Do. 9. Okt. 21:30

 

 

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Earth's Golden Playground

Der Klondike in Kanadas Norden war schon immer ein Sinnbild für die Suche nach irdischem Glück. Und wie das Glück auf dieser Welt, so ist auch das Gold im Klondike sehr ungleichmäßig verteilt. (Andreas Horvath)

Der Realismus lebt bekanntlich vom Detail. Weil es in Earth‘s Golden Playground unter anderem darum geht, einen realistischen Blick auf das Zentrum des legendären Goldrauschs von 1896 zu werfen – auf das Gebiet rund um Dawson City am Zusammenfluss von Klondike und Yukon im Norden Kanadas –, ist der Film voll von solchen Details. Sie erlauben es Horvath, an den Goldgräbermythos von Abenteuer und Landnahme, von der Selbstbehauptung des Menschen gegenüber der erhabenen Natur, von Unternehmertum und vom Streben nach Glück in der Form von Bodenschätzen anzuschließen, ohne diesem Mythos auf den Leim zu gehen. (Vrääth Öhner)

 

Andreas Horvath
AT 2013, 106 min


 

Dienstag:
Andreas Horvath im Gespräch mit Anna Katharina Laggner

 

Programm Überblick

 

Di. 7. Okt. 21:30
Fr. 10. Okt. 21:30

 


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DMD KIU LIDT

Der Titel DMD KIU LIDT klingt rätselhaft, aber er ist ein eindeutiger Hinweis. 2011 veröffentlichte die Band Ja, Panik das gleichnamige Album. Den Film kann man als ein Stimmungsbild sehen, ein Portrait der Band, aber kein naturalistisches: Es setzt sich vielmehr aus Schwarzweißaufnahmen zusammen, aus langen, präzise arrangierten und ruhig montierten Einstellungen, aus beobachteten und gestellten Momentaufnahmen, kleinen Szenen, ein paar Gesprächen. DMD KIU LIDT erzählt ein bisschen etwas über die Dynamik innerhalb der Band. Seine Zeit ist das Dazwischen: nach dem Proben, vor dem Konzert, on the road. Seine Orte sind einerseits funktional, prototypisch (der Proberaum, der Backstagebereich, das Auto, das Hotel). Man kann DMD KIU LITD auch als ein ungewöhnliches Musikvideo sehen. Das bisher Beschriebene wäre dann eine Art Vorgeschichte zu dem und Einstimmung auf das, was ganz am Ende kommt: der Song DMD KIU LIDT aus dem Off, über Schwarz. (Isabella Reicher)

 

Georg Tiller
AT 2014, 54 min

 

Dienstag:
Georg Tiller im Gespräch mit Isabella Reicher

Programm Überblick

 

Mi 8. Okt. 19:00
Sa 11. Okt. 21:30

 


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Homeless, New York, 1990

New York 1990: Obdachlosigkeit, Drogen, Kriminalität.
In Black/White hat der Filmemacher Hans Scheugl das öffentliche Sichtbarwerden von Armut auf 16mm Film gebannt. Der digitale Recut des Materials, Homeless New York 1990, verweist auf dessen anhaltende Dringlichkeit: Gerade weil einstige "problem districts" wie Harlem heute im vermeintlichen Schein der Gentrifizierung glänzen, bedarf es der Sprache, um das Ausgeschlossensein der Armut, das sie im Bewusstsein der Öffentlichkeit bis zur Nicht­ existenz reduziert, aufzuheben. (Hans Scheugl)

 

Hans Scheugl, AT 2013
18 min

 

 

Lettre à Mohamed

Lettre à Mohamed ist ein filmischer Brief an einen Freund in Belgien, an Mohamed, der Tunesien verließ. „Flüchten“ und „sich verbrennen“ haben im Arabischen dieselbe Wortwurzel – das Feuer. So verbindet Christine Moderbacher ihren Brief an Mohamed mit dem Namen, mit dem die tunesische Revolution begann: mit Mohamed Bouazizi, der sich selbst verbrannte. Dieser Film steht im Zeichen einer Ernüchterung, doch die Bilder tragen die Spur eines Feuers in sich, das jederzeit neu entfacht werden kann.
(Bert Rebhandl)

 

Christine Moderbacher
AT 2013, 35 min

 

Yo no veo crisis (I don't see no crisis)

Ein Reisefilm. Die Protagonistin – vor fünf Jahren verzogen – kehrt in Begleitung nach Spanien zurück. Mit umfassendem Blick beobachtet sie die Veränderungen, die das ökonomisch aus den Fugen geratene Land seit dem Weggang erfahren hat. Die visuellen Aufzeichnungen zeigen klassische Urlaubsbilder. Vertraute Klischees, die allerdings nicht unbeschwert ins Gemüt einsickern wollen. Zu düster sind die vorbeiziehenden und statischen Landschaften, in denen unfertige Hotelanlagen wie rezente Ruinen stehen. (Melanie Letschnig)

 

David Krems, AT 2014, 16 min

 

Mittwoch:
Hans Scheugl und David Krems im Gespräch mit Georg Wasner

Samstag:
Christine Moderbacher im Gespräch mit Gerald Weber

 

Programm Überblick

 

Mi. 8. Okt. 21:30
Do. 9. Okt. 19:00

 

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Tough Cookies

Drei US­amerikanische Frauen stehen hier im Mittelpunkt, die sich in einer Männerdomäne bewähren und in ihren jeweiligen Sparten mit Ausdauer und Disziplin operieren. Die Afroamerikanerin Tiffanie ist Amateurboxerin, die sich mit ihrem Trainer für die Olympischen Spiele qualifizieren will; Jaci hat sich für ein professionelle Laufbahn entschieden und kämpft dabei zu einem gewissen Grad auch gegen private Erfordernisse an; Tree wiederum hat ihre Karriere bereits beendet und arbeitet mittlerweile als Stuntfrau.
Kaaserer nähert sich ihren Protagonistinnen fast ausschließlich auf der Ebene von Arbeitsabläufen an: Sie begleitet die Sparring­Trainings, die Motivationsgespräche mit den Coaches und die Übungseinheiten mit der Stuntfrau; sie steigt mit ihren Boxerinnen aber auch in den Ring, wo abseits der glamourösen Star­Duelle von Las Vegas eine vergleichsweise profane Welt des Boxsports anschaulich wird. Die Unbeirrbarkeit und Erdgebundenheit, mit der sich Kaaserer den kleinen Erfolgen, aber auch den dazwischen aufflackernden Zweifeln und Nöten ihrer Kämpfernaturen widmet, verleihen dem Film Glaubwürdigkeit. (Dominik Kamalzadeh)

 

Ruth Kaaserer
AT 2014, 80 min

 

Donnerstag:
Ruth Kaaserer im Gespräch mit Andrea Braidt

 

Programm Überblick

 

Fr. 10. Okt. 19:00

 

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Mara Mattuschka_
Different Faces of an Anti Diva

Wer ohnehin schon verdammt ist, braucht die Verdammnis nicht zu fürchten. Einer ihrer bulgarischen Urahnen sei für seine gotteslästerlichen Reden bis ins neunte Glied verflucht worden, erzählt die Künstlerin Mara Mattuschka in Elisabeth M. Klockers Film Different Faces of an Antidiva, und so wie sie es erzählt, klingt es sogar irgendwie ganz lustig – die Furchtlosigkeit hat sie jedenfalls mit Lust gelebt. Vor Klockers Kamera ziehen die Stationen ihrer Karriere vorbei, von den ersten Erfolgen mit ihren experimentellen Kurzfilmen Mitte der Achziger bis zu ihren jüngeren Spielfilmen Perfect Garden (2013, Co­Regie: Chris Haring) und Stimmen (2014). Über acht Jahre hinweg hat Klocker, ebenfalls ein Multitalent, immer wieder mit Mattuschka zusammen gearbeitet, hat gedreht und Weggefährten befragt. Irgendwann wird die Regisseurin, wie auch schon in ihren vorherigen Filmen, Teil des Spiels, fließen Filmemacherin, Film und Porträtierte als Gesamtkunstwerk zusammen. Das ist vielleicht die einzige Methode, einer Künstlerin beizukommen, die sonst in ihrem eklektischen Spieltrieb nicht zu fassen ist. (Susan Vahabzadeh)

 

Elisabeth M. Klocker
AT 2013, 90 min

 

Elisabeth M. Klocker im Gespräch mit Dietmar Schwärzler

 

Programm Überblick

 

Sa. 11. Okt. 19:00

 

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Spieler

Rustem ist Spieler, sein Job und seine Passion Poker. Zwei Stunden genügen dem 25­Jährigen, um online bis zu 300 Turniere zu absolvieren. In jeder Sekunde und mit jedem Click fällt dann eine Entscheidung: 60 mal Risiko pro Minute. Mit Glück habe das Spiel wenig zu tun, heißt es. Was zählt seien Selbstvertrauen, Zahlentalent und eben Disziplin. Im verdunkelten Wohnraum folgt die Kamera Rustems eigenwillig isoliertem Handwerk. Nur der Schein des Laptops trotzt dem Schwarz – gleich einem Sinnbild für die vermeintliche Anonymität des Internets. Zwischen momenthaftem Glamour und Klischee, schnell erspielten Geldsummen, Mikrowellenburger und Feierabend­Longdrink artikuliert sich aber auch Rustems Sehnsucht nach Öffentlichkeit, nach direkter Konfrontation. Mit dem Protagonisten dringt der Kamerablick also zunehmend in die reale Pokerwelt vor – in verrauchte Hinterzimmer und artifiziell dekorierte (Provinz­) Casinos. (Sebastian Höglinger)

Ab Sonntag, 12. 10. dann täglich im Topkino

 

Katharina Copony
AT 2014, 70 min

 

Katharina Copony im Gespräch mit Gerald Weber

 

Top-Kino
Rahlgasse 1, 1060 Wien


Tel.: 01 208 30 00

www.topkino.at