4x2
Dokumentar-
filmtage
IV

 


     

 

7. – 10. Oktober 2015

Top-Kino
Rahlgasse 1, 1060 Wien


 

Programm Überblick

 

Vier Tage, jeweils zwei Termine. Diese einfache Rechnung prägt den Titel der bereits zum vierten Mal stattfindenden Dokumentarfilmtage von sixpackfilm, die das Ziel hegen, heimische dokumentarische Formen abseits des Mainstream zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Die Programmlinie dieses Jahres lässt sich über die Erkundung individueller Erfahrungsräume subsumieren, in welchen sich häufig Geschichte in der Gegenwart zeigt. Den Beginn der Reihe machen zwei ungewöhnliche Porträts, die der Suche nach Identität neue Facetten abgewinnen: Breuer forscht nach seinen javanisch-chinesischen Wurzeln, Scheugl erinnert sich aufgrund von wiedergefundenen Briefen an eine fast vergessene Liebe. Inwiefern Geschichten aus der Vergangenheit in die Gegenwart wirken, wird auch in Wenn es blendet, öffne die Augen, Olya's Love und den Kurzfilmen Ein Prozess, das Protokoll, Zement und O que resta virulent. Während Löcker und Sakharnov restriktive Gesellschaftspolitik anhand von Liebesbeziehungen verhandeln, dringt die Vermengung von Privatem und Öffentlichem bei Rukschcio, Nürnberg/Peuker und Wieczorek über scheinbare Fakten, wenngleich auf ganz unterschiedliche Art und Weise, an die Oberfläche. Porten wiederum hinterfrägt in Binary Reflections binäre Logiken von Geschlechterkonstruktionen.

Eden's Edge und Pawel und Wawel zählen zu den ungewöhnlichsten heimischen Dokumentarfilmen der letzten Jahre, deren Produktionshintergrund in beiden Fällen im Kunstfeld liegt. Beide Filme untersuchen eine Landschaft im Verhältnis zu ihren BewohnerInnen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Bei Treml und Calice ist es die kalifornische Wüste, die sie mit unglaublichen Erzählungen von neun Outlaws kombinieren; Kaczmarek tourt mit einem polnischen Filmprogramm durch Island, zaubert einen Musikfilm mit dadaistischer Note. Von Begehung, Gestaltung und affektiver Aufladung von Raum erzählen auch Sommer, Ich wandere auf einem schmalen Grat und Forms in Relation to Life. Während Roehsler und Kos ein Lebensgefühl anhand einer Jahreszeit bzw. einer Sportart – dem Boxen – skizzieren, dringt Holzfeind ganz unmittelbar in den Raum ein. Der Künstlerin gelingt es, Wohnungen der Wiener Werkbundsiedlung – u.a. der Architekten Franck, Hoffmann, Loos – als Schauräume zu öffnen und mithilfe persönlicher Geschichten ihrer BewohnerInnen in Lebensräume zu verwandeln.

(Dietmar Schwärzler, Gerald Weber / sixpackfilm)

 

   

Ascan Breuer
Riding my Tiger
Hans Scheugl
Dear John
Mittwoch, 7. 10. – 19:00


Gerhard Treml, Leo Calice
Eden's Edge
Mittwoch, 7. 10. – 21:00




Bettina Nürnberg, Dirk Peuker
Zement
Jola Wieczorek
O que resta – Was bleibt
Fiona Rukschcio
Ein Prozess. Das Protokoll
Donnerstag, 8. 10. – 19:00


Ivette Löcker
Wenn es blendet,
öffne die Augen

Donnerstag, 8. 10. – 21:00


Marion Porten
Binary Reflections.
One or two thoughts on incompleteness

Kirill Sakharnov
Olya's Love
Freitag, 9. 10. – 19:00



Krzysztof Kaczmarek
Pawel und Wawel
Freitag, 9. 10. – 21:00




Peter Roehsler in Zusammenarbeit mit
Hanne Lassl
Sommer
Vedran Kos
Ich wandere auf einem schmalen Grat
Samstag 10. 10. — 19:00




Heidrun Holzfeind
Forms in relation to life / Die Wiener Werkbundsiedlung
Samstag 10. 10. — 21:00

 

 

 

 

 


 

 

Programm Überblick

 

Mi 7. Okt. 19:00

 


next

Riding my Tiger

Mit Victor Jaschke an der Kamera als ‚Dokumentarisches Labor’-Duo erzählt Breuer die Geschichte seiner javanisch-chinesischen Familie und verleiht ihr universellen Charakter. Zugleich amüsiert er sich aber auch über das Motiv der Identitätssuche, die eigentlich eine anmaßende Form des Eindringens ist, und die im Genre des ethnografisch dokumentarischen Films eine eigene Geschichte hat. Breuer interessiert hier weniger der Umgang mit dem dokumentarischen Stoff als vielmehr die Praxis eines tradierten mythischen Erzählens, die er in Anlehnung an den sogenannten "magischen Realismus" in der Literatur "magischen Dokumentarfilm" nennt. Dabei entsteht eine hybride und improvisierte Ästhetik. Das lässt die sichtbare Figur des Filmemachers zwielichtig erscheinen, aber als Filmprojekt karikiert es den Kulturkonflikt mit Mitteln der Kultur: mit dem javanischen Schattentheater "Wayang", eine tausende Jahre alte Vorführkunst, die die technische Apparatur des Kinos vorwegnahm. (Marie-Hélène Gutberlet)

 

Ascan Breuer
AT 2014, 40 min

   
   
 
Dear John

Dear John ist die Anrede an einen amerikanischen Freund, mit dem sich vor 50 Jahren die Möglichkeit öffnete, aus meinem damaligen Leben auszusteigen und in Amerika ein anderes, neues Leben zu beginnen. Das entnehme ich mehr als meiner Erinnerung den Briefen, die er mir geschrieben hat und die ich vor einiger Zeit in einer Schachtel gefunden und gelesen habe. Sie zeichnen das Bild einer Konstellation in seinem wie meinem Leben, das mir mit den Jahren fremd geworden ist und mich nicht zuletzt deshalb neugierig machte. Bei den Briefen wäre es geblieben, hätte ich im Internet nicht jenes Haus entdeckt, in dem John jetzt wohnt und mit dem sich unerwarteter Weise die imaginäre, da fast vergessene Person der Vergangenheit in ein reales Bild seines gegenwärtigen Lebens verwandelt. (Hans Scheugl)

 

Hans Scheugl
AT 2015, 42 min

   
   
 

Ascan Breuer und Hans Scheugl im Gespräch mit Brigitta Burger-Utzer

   
   

 

 

Programm Überblick

 

Mi. 7. Okt. 21:00

 

next

Eden's Edge

Ein Büro, angesiedelt in der kalifonischen Wüste. Das selbst gesetzte Ziel, nicht minder „far out“: erzählerische Landschaftsgestaltung. Die Abkürzung dafür lautet „O.N.L.S.D“, oder wie unschwer darin erkennbar ist: Auf-LSD-Sein. Dabei ist Eden's Edge, der neunteilige Episodenfilm des Office for Narrative Landscape Design, zunächst von ausgesprochener inszenatorischer Nüchternheit geprägt. Die visuellen Settings der darin vorgetragenen Lebensgeschichten beruhen auf einem gemeinsamen, stringent durchgehaltenen Masterplan: Aus der Vogelperspektive sehen wir minimalistische Schauplätze, auf grauem Wüstensand penibel arrangiert, meist mit nur wenigen „Props“ versehen. Darin bewegen sich, gerade einmal Insekten-groß und verloren wirkend in ihrem Einzeldasein, Einsiedler, Mavericks und Freaks im besten Sinne. Sie alle haben sich in die Wüste zurückgezogen, um am Rand einer (unerträglich gewordenen) Gesellschaft ihr Leben neu zu entwerfen – in Summe ein dicht geflochtenes Patchwork unkonventioneller Existenzweisen. (...) Selten sind die Grenzen des Paradiesischen so konzise ausgelotet, selten die Rückzugsräume, die den Nonkonformisten bleiben, so punktgenau umrissen worden. (Christian Höller)

 

O.N.L.S.D, Gerhard Treml,
Leo Calice
AT 2014, 61 min

 

 

 

 

Leo Calice und
Gerhard Treml im Gespräch
mit Gerald Weber

 

Programm Überblick

 

Do. 8. Okt. 19:00

 

next

Zement

In Ebensee wurde von den Nationalsozialisten ein Konzentrationslager errichtet. Nürnberg und Peuker fragen sich, welche Rückschlüsse die Topographie auf den Umgang mit Vergangenheit erlaubt. Die Aufnahmen bleiben statisch, nur eine Frauenstimme steuert aus dem Off im nüchternen Tonfall Informationen bei, welche den zeitgeschichtlichen Kontext verdeutlichen. So entpuppt sich ein Ort, der wie ein Waldweg aussieht, als „Löwengang“, auf welchem die KZ-Gefangenen gleich Tieren zu einem auszuhebenden Stollen getrieben wurden. Verwunderung über Mangel an Sensibilität im Umgang mit der Vergangenheit mischt sich in den Off-Kommentar, sobald der Film zur Siedlung wechselt, die an der Stelle des Konzentrationslagers bereits kurz nach Kriegsende begründet wurde. (Dominik Kamalzadeh)


 

Bettina Nürnberg, Dirk Peuker
AT 2014, 13 min

 

 

Ein Prozess.
Das Protokoll

In Ein Prozess. Das Protokoll. wird der Ablauf eines als vermeintlich locker geplanten Abends unter Bekannten nacherzählt, der mit einer Vergewaltigung endete. Abwechselnd reiht Fiona Rukschcio fragmentarische Aussagen der jungen Frau und des Angeklagten aneinander, die nüchtern von Stimmen aus dem Off verlesen werden und die Geschehnisse jener Nacht Stück für Stück rekonstruieren. Die protokollierten Schilderungen klaffen dabei immer weiter auseinander, die Formulierungen des Angeklagten wirken wie einstudiert - und nicht zuletzt über dessen Ungerührtheit transportiert sich auch die emotionale Distanziertheit, die einem juristischen Prozedere innewohnt. (Jana Koch)

 

Fiona Rukschcio
AT 2015, 10 min

   
   

 

 

O que resta – Was bleibt

O que resta besteht aus drei Akten: Im ersten bleibt das Bild zunächst schwarz, während eine Stimme Briefe liest. Ein Sohn schreibt aus dem Feld an die Mutter, voll Furcht, nicht mehr heimzukehren. Die Kamera schwebt, während weitere Briefe folgen, über die polierten Böden einer Lissabonner Altbauwohnung. Die Bewegung ist nach hinten gerichtet, ein Zurückweichen, vielleicht ein Abschiednehmen von diesen, mit all den Kupferstichen und Fotografien ganz erinnerungsschweren Wänden. Im zweiten Akt bereitet sich eine alte Dame auf Besuch vor. Ihre Hangriffe sind routiniert, tausendmal gemacht und müde: Kaffeekessel aufstellen, den Bettbezug gerade streichen. Was wären Bezug und Kessel ohne ihre Hand? Im dritten Akt ist die Zukunft des zweiten Gewissheit: Die Möbelpacker kommen, und hinter fortgerückten Schränken bleiben Flecken an der Wand. Ein junger Bursche schreibt aus England. Die erste Auslandsreise, er ist aufgeregt. Die Mädchen tragen kurze Badeanzüge. (Maya McKechneay)

 

Jola Wieczorek
AT 2015, 39 min

 

 

 

   
 

Bettina Nürnberg und Dirk Peuker im Gespräch mit Maya McKechneay

   
   

 

Programm Überblick

 

Do. 8. Okt. 21:00

 

next

Wenn es blendet, öffne die Augen

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs verfallen große Teile der russischen Jugend den Drogen. 21 Jahre später sind Schanna und Ljoscha noch immer am Leben, zwei einander hassliebende, vor ihrer Zeit gealterte Veteranen der verlorenen „Generation Perestroika“. Den (vorletzten?) Abschnitt ihres gemeinsamen Leidenswegs zeigt Ivette Löcker als dokumentarisches Kammerspiel, in dessen engen gestalterischen Grenzen und beengten räumlichen Verhältnissen – Ljoscha und seine Mutter bewohnen mit Schanna eine Sankt Petersburger Plattenbauwohnung – es nicht um eine Bestandsaufnahme der Dinge geht, die eine vergeudete Existenz ausmachen, sondern um die menschliche Errungenschaft der Sanftheit im Umgang miteinander. (..(...) Löckers Kamera registriert – und ist katalysatorische Kraft, die Ereignisse beeinflusst. Wie soll jemand, der innerhalb einer Welt lebt, die kein Außen hat, Begriffe finden für einen Zustand, der den Ereignishorizont des Körpers und der Sucht nicht überwindet? (Georg Wasner)

 

Ivette Löcker
AT 2014, 75 min

 

 

Michael Palm (Schnitt) im Gespräch mit Isabella Reicher

 

Programm Überblick

 

Fr. 9. Okt. 19:00

 

next

Binary Reflections.
One or two thoughts on incompleteness

Innen ruht die Kamera auf der Figur des „Schlafenden Hermaphroditen.“ Anfangs noch glatte Marmoroberfläche weichen bald rohen Unebenheiten und treten mit einer Trommler/innen-Truppe im Außen in Verbindung. In Binary Reflections prallen gegensätzliche Einstellungen aufeinander und finden zusammen eine eigene Logik des Widerstandes. Das Ergebnis formuliert sich so zur pointierten Kritik an der Konstruktion einer dichotomen Geschlechteridentität. Ein Kommentar gegen das Einfügen in eine binäre Normierung von Geschlecht. “You and me are more than three.“ (Marion Porten)

 

Marion Porten
AT 2015, 11 min

 

 

Olya's Love

Seit zwei Jahren sind Olya und Galiya ein Paar, bekennen sich offen zu ihrer Liebe und nehmen regelmäßig an Protestmärschen und Versammlungen gegen die Gesetze der russischen Justiz gegen Homosexuelle teil. Während sich die aus dem Ural stammende Galiya dabei eher im Hintergrund hält, ist die Moskauerin Olya nicht nur in der Liebesbeziehung die treibende Kraft: Olya ist aktives Mitglied der LGBT-Bewegung, hält Reden, organisiert Veranstaltungen – und möchte ihre Liebe zu Galiya mit einem gemeinsamen Kind unter Beweis stellen. In seiner dokumentarischen Momentaufnahme Olya´s Love begleitet Kirill Sakharnov seine beiden Protagonistinnen in der Folge durch ihren Alltag, der vornehmlich vom Geschehen auf den Straßen Moskaus und von Gesprächen zuhause bestimmt wird. Was diesen Film dabei vor allem auszeichnet, ist seine kluge Verschränkung von Privatem und Öffentlichem vor dem Hintergrund eines restriktiven gesellschaftlichen Systems: Wie weit sind die Freiheiten, für die man täglich kämpft, auch in der eigenen Beziehung möglich? (Michael Pekler)

 

Kirill Sakharnov
AT/RU 2014, 68 min

 

 

 

   
 

Marion Porten und Solei Film im Gespräch mit Marty Huber

   
   

 

Programm Überblick

 

Fr. 9. Okt. 21:00

 

next

Pawel und Wawel

Pawel und Wawel versammelt eigenwillige Bilder und Sounds einer Reise durch Island, die sich zwischen dokumentarischer Geste und performativer Strategie positionieren. Ausgangspunkt und Anker dieses Genre überschreitenden Diary Films, Roadmovies, Dokumentarfilmprojekts ist das von Krzystof Kaczmarek initiierte Filmfestival „What`s the difference between Pawel and Wawel,“ das mehr oder weniger erfolglos mit polnischen Klassikern über die Insel tourt. Verklammert mit einem Soundarrangement aus Operngesang, Heavy-Metal, musizierenden Karmeliternonnen, Beatboxern, dem jaulenden Hund-Mann-Duett des Museums für Knochen, Stöcke und Steine sowie Variationen eines verworrenen Synthie-Leitmotivs montiert Kaczmarek tagebuchartig angeordnete Aufnahmen seiner gesammelten Eindrücke. Der Fokus liegt dabei auf den skurrilen und absurden Aspekten der Begegnungen, andererseits geraten die Konstruktionsverhältnisse von Landschaft und Identität sowie der touristische Blick selbst zum Thema. Präzise formiert sich ein (selbst)ironischer Blickwinkel auf das Inszenierte im Realen. (Kathrin Wojtowicz)

 

Krzysztof Kaczmarek
PL 2015, 63 min

 

 

 

 

Programm Überblick

 

Sa. 10. Okt. 19:00

 

next

Sommer

Magische Momentaufnahmen, festgehalten in ungeschnittenen Einstellungen: In drei Kurzfilmen fängt der Dokumentarfilmer Peter Roehsler den sommerlichen Alltag von Menschen und Orten in ihrer wundersamen Augenblicklichkeit ein. Drei Miniaturen des Lebens, präsentiert als neugierige Beobachtungen von Beiläufigkeiten.
(Toby Ashraf)

 

Peter Roehsler in Zusammenarbeit mit
Hanne Lassl
AT 2015, 12 min

 

 

Ich wandere auf einem schmalen Grat

„Es ist schon wieder die Zeit, die dich fickt, oder?“ Vedran Kos spricht nur selten mit seinem Protagonisten, weil er weiß, dass dieser keine Zeit hat. Es sind nur noch wenige Stunden bis zum Kampf und somit der beste Moment, mit Ich wandere auf einem schmalen Grat zehn Wochen zurückzublicken: Ibo schlägt auf einen Sandsack ein, bekommt vom Trainer die Vereinsphilosophie erklärt („Das ist unsere Arbeit“) und führt mit seiner Freundin ein angespanntes Gespräch am Küchentisch. (...) Ibos Traum ist der Augenblick des Triumphs, für den sich alles Leid gelohnt hat. Von Geld kann hier ohnehin keine Rede sein, der Stolz der Freunde und der Familie muss genügen. Der schmale Grat, von dem der Titel des Films kündet, ist jener zwischen Hoffnung und Resignation, zwischen Glücksgefühl und Schmerz. Am Ende, in einer fast menschenleeren Halle, aber auch zwischen Sieg und Niederlage. (Michael Pekler)

 

Vedran Kos
AT 2015, 55 min

 

 

   
 

Peter Roehsler und Vedran Kos im Gespräch mit Dominik Tschütscher

   
   

 

Programm Überblick

 

Sa. 10. Okt. 21:00

 

next

Forms in relation to life / Die Wiener Werkbundsiedlung

Architektur erzählt immer ein Stück Kulturgeschichte des Menschen im Spiegel seiner Baustile. Wandert der Blick diesbezüglich in einen Wohnraum, wird diese Erzählung notgedrungen persönlich. So ist es nicht nur das Leben, das die Formen herausfordert, sondern dieselben Formen bedingen in weiterer Folge das Leben in und mit ihnen. Die Architektur-Vereinigung Werkbund steht in den 1920er Jahren für eine neue, sachliche Bauweise, schlicht, aber dem Wohnen entgegen kommend. Der Mensch solle das Maß vorgeben, nach dem gebaut wird und so bedeutet die Relation zwischen Formen und Leben immer auch jene zwischen Raum und Bedürfnis. (...) Heidrun Holzfeind findet in ihrer Dokumentation eine Form der architektonischen Vermessung, die sich über die Biographien der hier lebenden und gelebten Menschen erzählt. So liefert der Film schließlich Formen, die Position zum Leben beziehen. (Lena Stölzl)

 

Heidrun Holzfeind
AT 2015, 60 min

 

 

Heidrun Holzfeind im Gespräch mit Dietmar Schwärzler

 

Top-Kino
Rahlgasse 1, 1060 Wien

Tel.: 01 208 30 00
www.topkino.at