VISION ary


Innovativer Film aus Österreich

Filmschau
Bundesländertournee
Vermittlungsprogramm für Schulen

 

1. - 7. Mai 2009
im Stadtkino Wien


 

Programm Überblick
CreditsPresse

 

 

 


 


VISIONary versteht sich als Vermittler innovativer Positionen der österreichischen audiovisuellen Gegenwartskunst, konkret des Kurz-, Experimental-, und Dokumentarfilms, sowie des Musikvideos, die außerhalb der Wiener Programmkinos und Festivals in den Bundesländern selten gezeigt werden. Die Kinos sind aufgrund ökonomischer Zwänge oft nicht mehr in der Lage, ein Kurzfilmprogramm in ihren Spielplan zu nehmen. Dank der Finanzierung im Rahmen des Sonderbudgets für Filmvermittlung des bm:ukk wurde mit VISIONary eine wiederkehrende Filmschau und Tournee ins Leben gerufen, die neben der Aufführung der Werke durch Materialien für Lehrer, über lebendig eingeführte Schulvorstellungen und KünstlerInnengespräche, sowie eine Sondernummer der Zeitschrift kolik.film mit umfangreichem Österreichschwerpunkt dieses Defizit mildert. Mit dem biennalen Zyklus von VISIONary soll eine Kontinuität der Präsentation des unabhängigen und innovativen filmischen Schaffens und eine Nachhaltigkeit in der Wahrnehmung des österreichischen Publikums für diesen Bereich der Filmkunst entstehen.
Anfang der 1950er Jahre begann in Österreich eine neue Entwicklung der Kinematografie, die sich schrittweise und bisweilen radikal von der kommerziell orientierten Filmproduktion abgrenzte und den vorwiegend poetischen und formalen Ausdruck suchte. Seit den 1960er-Jahren hat der innovative Film eine reiche Geschichte und ist wohl einer der wichtigsten Beiträge Österreichs zum Weltkino. Die Arbeiten von – um nur wenige zu nennen – Peter Kubelka, VALIE EXPORT, Gustav Deutsch, Kurt Kren, Mara Mattuschka, Peter Tscherkassky, sowie nachfolgender Generationen gehören längst zum Kanon der Film&Videogeschichte, sind in den wichtigsten Sammlungen der Kinematheken und Museen vertreten und touren extensiv auf den internationalen Festivals. Auch der Nachwuchs der heimischen Filmkunst führt diese internationalen Erfolge im Ausland weiter, wie die jährlichen Bilanzen von sixpackfilm als Festivalvertrieb und Verleih bestätigen. Endlich gehen sie auch hierzulande wieder auf Tournee!
Die erste Ausgabe von VISIONary wurde von Michael Loebenstein (Veranstalter, Autor, Mediengestalter) und Norbert Pfaffenbichler (Filmkünstler und Kurator) programmiert, wobei sich die Auswahl hauptsächlich auf die Produktion der Jahre 2007 und 2008 beschränkte. Die großen heimischen Kinofilme, die ohnehin regulär in Österreichs Kinos anlaufen, wurden für die Auswahl nicht berücksichtigt. In der Zusammenstellung des Programms war uns quer durch die einzelnen Formate Originalität im Erzählen von Geschichten, gesellschaftspolitische Relevanz und formale Innovation besonders wichtig. Aufgrund der Vielfalt an spannenden Arbeiten wurden für die einwöchige Filmschau die sieben Programme mit zwei Late-Night-Specials angereichert.
Die Bundesländertour und die Vermittlungsprogramme erstrecken sich über einen Zeitraum von 10 Monaten und gewährleisten eine Drittauswertung der Programme in Form einer Doppel-DVD gegen Ende 2009. Die DVD kommt bei dem Label INDEX heraus, präsentiert die VISIONary-Auswahl noch einmal in konzentrierter Form und erreicht sowohl ein allgemeines Publikum als auch RezipientInnen im Bildungsbereich (Referenzmaterial für Lehrende und Studierende, für Schulen, Unversitäten und Fachhochschulen).
Ambitionierte, aufregende, herausragende Filme und Videos aus Österreich können nun im Rahmen von VISIONary in ganz Österreich entdeckt werden. Watch out, wann und wo in einem Kino in ihrer Nähe! (Brigitta Burger-Utzer)

 

 

 

 

 

 


     

Kartenreservierung

Stadtkino
Schwarzenbergplatz 7-8
1030 Wien

Tel.: 712 62 76


01.05.

18.00
05

SOMEWHERE ELSE

(85 min)

19.30
02

NATASHA

(84 min)

Publikumsgespräch mit
Ulli Gladik und
Norbert Pfaffenbichler

21.30
03

TAKE YOUR TIME -
TAKE MY TIME

(80 min)

Publikumsgespräch mit den FilmemacherInnen und
Norbert Pfaffenbichler


02.05.
18.00
06

HISTOR(IES)

(64 min)

Einführung
Michael Loebenstein

19.30
04

METAFILM

(76
min)

Einführung
Norbert Pfaffenbichler

21.30
01

NIGHT STILL
(9 min)
BELLAVISTA (117 min)

Publikumsgespräch mit Elke Groen, Peter Schreiner und Brigitta Burger-Utzer

 
03.05.
18.00
07

SEX !

(62 min)



19.30
05

SOMEWHERE ELSE

(85 min)

Einführung Joachim Schätz

21.30
08

A SOUND ODYSSEY

(60 min)

Publikumsgespräch mit den VideomacherInnen und Norbert Pfaffenbichler


 
04.05.

18.00
02

NATASHA

(84 min)

19.30
04

METAFILM

(76
min)

Publikumsgespräch mit den Film&VideomacherInnen und Brigitta Burger-Utzer

21.30
09

A TRIBUTE TO MARA MATTUSCHKA

(70
min)

Publikumsgespräch mit
Mara Mattuschka und
Barbara Liebhart


 
05.05.

18.00
08

A SOUND ODYSSEY

(60 min)

––
kolik.film – Präsentation Diskussion: Innovativer Film / Was heißt das heute?

Podium: Michael Loebenstein (kolik.film; Moderation), Elisabeth Büttner (Filmwissenschafterin), Michael Palm (Filmemacher), Stefan Grissemann (profil)

21.30
01

NIGHT STILL
(9 min)
BELLAVISTA (117 min)

 
06.05.

18.00
03

TAKE YOUR TIME -
TAKE MY TIME

(80 min)

19.30
06

HISTOR(IES)

(64 min)

Publikumsgespräch mit den Film&VideomacherInnen und Michael Loebenstein

21.30
01

NIGHT STILL
(9 min)
BELLAVISTA (117 min)

Einführung Michael Loebenstein

 
07.05.

18.00
09

A TRIBUTE TO MARA MATTUSCHKA

(70
min)

19.30
02

NATASHA

(84 min)

21.30
07

SEX !

(62 min)

Gespräch mit den Film&VideomacherInnen und Norbert Pfaffenbichler



       
         

 

Programm Überblick

01

 


02.05. 21.30
05.05. 21.30
06.05. 21.30

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NightStill

Nightstill von Elke Groen ist eine knapp neunminütige filmische Vermessung der Dachsteinregion in den österreichischen Alpen. Von brüchigen Sounds begleitet ziehen eilige Wolkenschwärme über die Kuppen des Dachsteingebirges. Hinter Fenstern einsamer Bergstationen blinken Lichter wie Morsezeichen. Gondeln zischen als fremde Flugobjekte vorüber. Dicke Nebeldecken packen Felsen ein. Ein Windrad dreht durch. Hie und da erscheinen Menschen Phantomen gleich im Schneeweiß. Der Mond steigt, glüht, stürzt, verschwindet und geht doch immer wieder auf. (Isabella Reicher)

 

Elke Groen
2007, F, 9 min.

     

 

Bellavista

Das norditalienische Sappada (Pladen, Plodn) ist einer der letzten Orte, in denen der Osttiroler Dialekt Plodarisch noch gesprochen wird. Ein abgelegenes Dorf in den Karnischen Alpen, geprägt von bäuerlicher Lebensweise, Katholizismus, Tourismus, der Kultur einer sprachlichen
Minderheit. Hier steht das Hotel Bellavista und hier traf Peter Schreiner
auf seine Protagonistinnen Giuliana, Bernardina und Erminja. Bellavista ist also so etwas wie ein Porträt: das eines Ortes, das dreier Frauen, das einer Kultur, die im Verschwinden begriffen ist.
Schreiner setzt die Umgebung mit minimalstem technischen Aufwand ins Bild. Kamera, Ton und Schnitt erledigte er selber. Er filmte auf Video und in Schwarzweiß. Seine Aufnahmen sind ruhig, nicht nur weil die Kamera statisch bleibt. In seiner sorgfältigen Kadrierung verweigert er sich der Totalen, dem beliebtesten Modus der Landschaftsdarstellung, und den grandiosen Ausblicken, die der Titel verspricht. So entsteht ein Bild voller Lücken, keine Behauptung,sondern eine Sammlung von Eindrücken eines Ortes, eines Raums. Von hier ist Giuliana, die jüngste der drei Frauen, geflohen (und Jahre später ist sie wieder hierher zurückgekehrt), von hier gingen Bernadina und Erminja, die beiden Alten, nie fort. So wie Schreiner die Landschaft und das Dorf meist nur in Fragmenten zeigt, so setzt er auch die Frauen ins Bild.
Bellavista ist ein Plädoyer für ein Kino, das Eindrücke sammelt, das seinen Protagonistinnen Zeit gibt zu erzählen, zu schweigen – und uns die Zeit zuzuhören, zu beobachten, zu assoziieren. Schreiners Kino schafft einen Raum der aufmerksamen Wahrnehmung, befreit von „der Notwendigkeit, zu reden, Erklärungen zu liefern“, denn Film, so sagt er, das ist „Schweigen mit Bildern. Die Bilder fangen dann ohnehin von selbst zu sprechen an.“ (Barbara Pichler)

 

 

Peter Schreiner

2006, sw, OmeUT, 117’

Buch: Peter Schreiner, Giuliana Pachner. Kamera, Schnitt, Ton: Peter Schreiner. Produktion: echt.zeit.film, Peter Schreiner.
Mit
: Giuliana Pachner, Bernardina Piller-Puicher, Ermina Colle-Tiz, Barbara Pachner, Diana Pachner, Gino Sacco Comis, Luigi Kratter, Marina Casanova Borca, Kaur Jasvir u.a.

 

echtzeitfilm.at

     

 

 
Programm Überblick

02

 


01.05. 19.30
04.05. 18.00
07.05. 19.30

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Natasha

Ulli Gladik hat Natasha beim Betteln in Graz kennen gelernt und sie nach vielen Gesprächen in ihre Heimatstadt Bresnik, einen ehemaligen Industriestandort in der Nähe von Sofia, begleitet. Über einen Zeitraum von fast zwei Jahren besucht sie, Kamerafrau und Regisseurin in Personalunion, Natasha in Bulgarien und Österreich und zeichnet das Leben der jungen Frau auf: ihre Reisen und ReisegefährtInnen, ihre Arbeit als Bettlerin, das Grazer Quartier, ihr Umgang mit der (nicht nur physisch spürbaren) Kälte, ihr Familienleben und ihren Alltag in Bulgarien.

Klischees, die wir über BettlerInnen aus dem ehemaligen Ostblock im Hinterkopf haben, lösen sich Bild für Bild auf. Natasha ist auch nicht anders als wir, manchmal fröhlich, manchmal traurig, mal verliebt oder deprimiert. Der Abschied von ihrem 10-jährigen Sohn Vasko ist routiniert und doch voll Schmerz. Natashas Eltern, Geschwister und ihr Sohn leben mehr recht als schlecht von Natashas „Handwerk". Arbeitsplätze gibt es kaum. Die ehemaligen staatlichen Fabriken und Kolchosen dienen nun den AltmetallsammlerInnen, die mühsam Drahtreste und Metallabfälle zusammen suchen und um ein paar Cent verkaufen. Nach dem Ende des Realsozialismus ist Natashas Familie an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Zu jung um in Pension zu gehen, ohne Aussicht auf einen Arbeitsplatz und praktisch ohne Perspektiven versucht die Familie, mit Natashas erbettelten Geld das Leben in ihrem Haus, das seit Jahrzehnten im Rohbau ist, erträglich zu gestalten.Die von Hand geführte Kamera erzeugt große Nähe, verliert nie den Respekt vor dem Menschen und lässt sich nicht auf billigen Voyeurismus ein. Keinesfalls will das Gefühl vermittelt werden, Mitleid mit Natasha haben zu müssen, denn sie ist stark und selbstbewusst, lacht und kämpft, weiß Feste zu feiern und sich zu helfen. Gegen Ende des Films wird klar, wie sehr Natashas Hoffnung, dass ihr Sohn Vasko es dank des Geldes schaffen möge, über ihre eigene Hoffnungslosigkeit hinaus zu wachsen, Motor für ihre Bettelfahrten ist. (Ursula Sova)

 

Ulli Gladik
2008, F, OmdtUT, 84’

Regie, Kamera & Produktion:
Ulli Gladik.
Schnitt: Ulli Gladik, Karin Hammer. Regieassistenz: Jutta Sommerbauer, Ursula Sova. Sounddesign: Oliver Werbach.
Requisite: Katerina Georgieva. Sound: Hans Labler.

     

 

 
Programm Überblick

03

 



01.05. 21.30
06.05. 18.00

next
     

 

 

TAKE YOUR TIME - TAKE MY TIME

 

 

     

 

Sag es mir Dienstag

Die in diesem Programm versammelten, sehr unterschiedlichen und eigenwilligen Werke vereint die Tatsache, dass sich die AutorInnen jeweils viel Zeit dabei lassen, detaillierte Beobachtungen anzustellen. Das Medium Film wird sowohl eingesetzt, um die Zeit rein subjektiv, als auch objektiv/mathematisch zu vermessen. Alles Menschliche hat ein Ende.


Der Dichter Franz Kafka verbrachte 1920 einige Tage mit seiner Geliebten Milena Jesenská in Wien. Auszüge aus dem Briefverkehr rund um dieses Treffen bilden zusammen mit Musik von Anton von Webern die Tonspur zu Astrid Ofners fragilem Super-8-Film Sag es mir Dienstag. Der Weg führt dabei von Wien aus ins nahe gelegene Kierling wo Kafka 1924 in einem Sanatorium an einer Lungenkrankheit verstarb.
In Tim Sharps minimalistischer Dokumentarstudie The Green Bag übernimmt das titelgebende Plastiksackerl die Hauptrolle. Von einer Hotelterrasse in Gondor, Äthiopien aus filmt Sharp das Spiel des Windes und der Passanten mit einer herumwirbelnden, grünen Tasche. Es entspinnt sich eine faszinierende Choreografie des Zufalls.
In Aquarena baden ein Mann und eine Frau an unterschiedlichen Orten. Ihr Schwimmen unterlegt einen Exkurs in kulturelle, biologische und technische Welten des Wassers. Das Schwimmbad mitten am Dorfplatz und die Patina einer Kuranstalt verschmelzen mit Klängen des Violoncello und historischem Textmaterial zur Reinhaltung der Gewässer zu einem so elegischen wie komischen Film. 
Night Sweat von Siegfried A. Fruhauf  macht sich die Mängel analogen Hi-8-Videomaterials als Qualitäten nutzbar. Zu einem Soundtrack, der zwischen minimalistischen Beats und druckvollem Noise mäandert rückt er den Mond in strukturalistischer Manier ins Bild. „Es birgt einen großen Reiz, sich damit zu beschäftigen, wie ein Medium, dessen innerstes Wesen das Licht ist, versucht die Nacht auf die Leinwand zu bringen." (Siegfried A. Fruhauf) 
Ein komplexes Spiel aus filmhistorischen Verweisen konstruiert Ben Pointeker in seinem wahrlich "dunkeln" Filmdrama mit dem wohl ungewöhnlichsten Titel der Schau: . ..... .:.:...:::ccccoCCoooo::. In dem elliptisch erzählten, atmosphärisch dichten "Lichtspiel-Drama" wird  eine düstere Stimmung etabliert, wobei das Publikum mehr erahnen und erinnern muss, als es faktisch sehen und hören kann. Mehr wird nicht verraten!
Auf das Dunkel der Nacht folgt helllichter Tag. Für die strukturelle Zeitstudie 24/7 richtete Michael Aschauer auf einer griechischen Insel seine fix montierte Kamera eine Woche lang für 24 Stunden täglich auf den Horizont. In geraffter Form führt das Naturschauspiel zu einem gleichmäßig verlaufenden Bilderstrom, in dem ein beständiger, monorhythmischer Farb- und Helligkeitswechsel erfolgt.

 

Astrid Ofner
(2007, F & sw, 26 min)

   

The Green Bag

 

Tim Sharp
(2007, F, 7 min)

   

Aquarena

Josef Dabernig,
Isabella Hollauf

(2007, F, 19 min)

   

Night Sweat

Siegfried A. Fruhauf
(2007, sw, 10 min)

   

. ..... .:.:...:
::ccccoCCoooo::

 

Ben Pointeker
(2007, F,9 min)

   

24/7
(Into the Direction of Light)

 

Michael Aschauer
(2008, F,9 min)

     

 

 
Programm Überblick

04

 



02.05. 19.30
04.05. 19.30

next
     

 

 

META FILM

 

 

 

     

 

la petite illusion

Die Arbeiten, die in diesem Programm zusammengefasst sind, beziehen sich allesamt auf andere, historische Filme. Die Strategien der einzelnen AutorInnen im Umgang mit dem filmischen Erbe sind dabei höchst unterschiedlich und reichen von klassischen Found Footage- Positionen bis hin zu komplexen, digitalen Dekonstruktionen.


Keine Angst vor großen Namen beweist Michaela Schwentner in der Collage-Minitatur la petite illusion, in der sie Meisterwerke des französischen Kinos zu einem lyrisch-abstrakten Bilderreigen verdichtet. 
In Borgate (ital.: Vorstadt) nähert sich Lotte Schreiber filmisch dem römischen Stadtviertel „Don Bosco“ an. In diesem – unter Mussolini geplanten und in der Nachkriegszeit gebauten Wohnviertel – wurden unter anderem Filmklassiker wie Mamma Roma (Pasolini, 1962) oder La Dolce Vita (Fellini, 1960) gedreht.
In der Studie Paths of G analysiert Dietmar Offenhuber eine Szene aus Kubricks Erster-Weltkriegs-Drama Paths of Glory (1957). Diese hochkomplexe filmische Analyse – die mithilfe eines Computerprogramms zur Überwachung von öffentlichen Plätzen erstellt wurde – erscheint im schlichten Gewand einer geometrisch-abstrakten Schwarzweiß-Animation.
cityscapes entstand auf Basis einer Live-Mehrfachprojektion mit Musik. Historische Wien-Aufnahmen geraten in der digitalen Bearbeitung von Michaela Grill zu einem pulsierenden und grieselnden flow aus Schemen von Menschen und Architektur, zu flächigen Strukturen und Bewegungsvektoren, bis am Höhepunkt das Riesenrad zu Siewerts wall of sound zu tanzen beginnt.
Johann Lurfs fulminanter VERTIGO RUSH greift auf den von Hitchcock für den gleichnamigen Spielfilm entwickelten „Vertigo“-Effekt zurück. Während die Kamera nach vorne fährt, wird das Zoom synchron in die entgegengesetzte Richtung geöffnet. Er konstruierte eine computergesteuerte, auf Schienen montierte Kamera um systematisch die visuellen Veränderungen dieses Effekts bei stetig ansteigender Geschwindigkeit zu erproben.
In Mosaik Mécanique von Norbert Pfaffenbichler sind sämtliche 96 Einstellungen eines Chaplin-Films simultan im Loopmodus auf der Leinwand zu sehen. Analog zu diesem Verfahren hat der Komponist Bernhard Lang den Soundtrack gestaltet, in dem er eine historische Aufnahme eines mechanischen Klaviers zerschnitt und übereinander schichtete.
Ella Gallienis Horse Camp ist ein Film über Zwischenräume, Wartezeiten, über Vordergrund und Hintergrund. Menschen schlafwandeln gleich Gespenstern durch die Korridore eines Filmstudios, dazwischen erotische, beiläufige und aggressive Begegnungen. Nicht einmal die Narration bietet mehr einen Halt, wenn am Ende, in einem ausführlichen Godard-Zitat Bild, Tonspur, Übersetzung und die Gesichter der DarstellerInnen in mehrfacher Hinsicht asynchron zueinander sind.

 

Michaela Schwentner
(2006, F, 4 min)

   

 

Borgate

 

Lotte Schreiber
(2008, F, 15 min)

   

Paths of G

 

Dietmar Offenhuber
(2006, F, 1:30 min)

   

 

cityscapes

 

Michaela Grill & Martin Siewert
(2007, sw, 16 min)

   

 

VERTIGO
RUSH

 

Johann Lurf
(2007, F, 19 min)

   

 

Mosaik Mécanique

 

Norbert Pfaffenbichler
(2007, sw, 9 min)

   

 

Horse Camp

 

Ella Gallieni
(2008, sw, 11 min)

     

 

 
Programm Überblick

05

 



01.05. 18.00
03.05. 19.30

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SOMEWHERE ELSE

 

     

Marina und
Sascha, Kohleschiffer

„Somewhere Else” … „anderswo“. Das Programm gibt Einblick in die formale wie inhaltliche Vielfalt des zeitgenössischen Kurzdokumentarfilms. Es stellt Orte, Menschen, Arbeits- und Lebensweisen vor, die zugleich von der Geschichte der jeweiligen Region, als auch von der Gegenwart einer post-industriellen Ökonomie geprägt sind. Die Geschichten, die diese drei Arbeiten erzählen, sind manchmal bestürzend, bisweilen skurril und eigenwillig; die Art, wie sie ihre ProtagonistInnen vorstellen niemals exotisierend.


Die titelgebenden Akteure fahren in Ivette Löckers Marina und Sascha, Kohleschiffer ab, um am aufgetauten Baikalsee ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Und mit derselben Routine, die das eingespielte Paar beim Manövrieren seines Frachtkahns an den Tag legt – der hagere Sasha als Kapitän, die runde Marina als Motoristin –, wird Ivette Löckers Halbstünder die beiden für eine Fahrt begleiten. Die Passage zum Kohleverladehafen in Kutuk, dann weiter nach Barguzin, wo die Ladung gelöscht wird, gibt dem Video seine Stationendramaturgie vor. Das Leben am Schiff setzt derweilen den wiegenden Rhythmus fest: zwischen Arbeitsalltag im Maschinenraum und Müßiggang vor dem Fernseher, versonnenem Bestaunen der Naturkulisse und nüchternen Einblicken in eine Profession mit ungewisser Zukunft. (Joachim Schätz)
Zerdehnte Einfamilienhausreihen, schäbige Wohnwagensiedlungen und endlose Flachlandschaften ziehen in Minot, North Dakota monoton an der Kamera vorbei, während Wortspenden der Einwohner auf der Tonspur ebenfalls von einem Leben im Stillstand berichten. In Minot und Umgebung ist der Kalte Krieg auf Dauer gestellt: Wichtigster Wirtschaftsfaktor der Region ist die nahe Airforce-Basis samt strategisch im Umland verteilten, streng bewachten Atomraketen-Abschussrampen. Normalitätsdruck und Xenophobie des ruralen Mittelwestens sind durch die geballte Militärpräsenz und die intensiven Sicherheitsmaßnahmen potenziert. (Joachim Schätz)
Schauplatz des halbstündigen Dokumentarfilms Frauentag von Johannes Holzhausen ist Stadlern, eine Ortschaft in Bayern, deren Einwohner am 15. August eines jeden Jahres den titelgebenden „Frauentag“ begehen, um der Vertreibung aus dem, was früher einmal Sudetenland hieß, zu gedenken. Wenzel, einer, der als Kind in Tschechien aufwuchs, lebt immer noch in der Vergangenheit. Was den Hass des alten Mannes bis heute nährt, ist in Wahrheit etwas anderes: verschmähte Liebe. Emma, eine Deutsche, verliebte sich nach Kriegsende in Jan, den Förster von drüben. Frauentag ist ein Film über Unrecht, das nie vergehen, selbst nach 58 Jahren nicht in Vergessenheit geraten will, aber vor allem ein Film darüber, was „Grenzen“ im Leben von Menschen anrichten können. (Michael Omasta)

 

Ivette Löcker

A/RUS 2007, F,
OmdtUT, 32 min

Kamera: Joerg Burger

   

Minot, North Dakota

 

Angelika Brudniak,
Cynthia Madansky

A/USA 2008, F,
OmdtUT, 18 min

   

Frauentag

 

Johannes Holzhausen

2008, F, 35 min

Kamera: Joerg Burger, Helmut Wimmer. Schnitt: Michael Palm, Dieter Pichler. Produktion: Johannes Holzhausen, Navigator Film.

     

 

 
Programm Überblick

06

 



02.05. 18.00
06.05. 19.30

next
     

 

 

(HI)STORIES

 

 

 

     

Eines Tages, nachts...

„(Hi)stories“ präsentiert vier sehr unterschiedliche, dokumentarische Verfahren dessen, was man „persönliche Weltbeschreibungen“ nennen könnte. In den Filmen und Videos dieses Programms treffen individuelles Erleben und das „größere Weltgeschehen“ aufeinander, Mikro-Geschichten und Makrohistorie vermengen sich.


Seit dem ersten Kongokrieg sind zehn, seit dem Beginn der UNO Mission sechs Jahre vergangen. Vergewaltigungen werden nach wie vor als Waffe eingesetzt. In Eines Tages, nachts … kommen alle zu Wort: die Opfer und die Täter und diejenigen, die dazwischen stehen. Rollen werden verteilt, Haltungen eingenommen. Der sprichwörtliche Mann auf der Straße, ein Richter, ein wegen Vergewaltigung Inhaftierter geben Statements ab. Betroffene Frauen und Mädchen sprechen in Berichten, die aus dem Off oder von MitarbeiterInnen des von Ärzte ohne Grenzen geführten Krankenhauses gelesen werden. Über allem dröhnen die Hubschrauber der schweigsamen, allgegenwärtigen UN-Truppen und kreisen immerzu über der Stadt. (Sylvia Szely)
home.movie ist ein hochmobiler Film. Die Kamera schweift, tastet, holpert, saust quer durch Martin Bruchs Wohnung, nie steht sie still, jede Einstellung ist ein Schwenk oder eine Fahrt. Es ist noch gar nicht lange her, da warf sich Martin Bruch mit seinem Handbike selbst in den brausenden Stadtverkehr von Istanbul, Paris und New York. Mittlerweile lässt die Multiple Sklerose des Filmemachers solche wilden Ausfahrten nicht mehr zu, die Unternehmungslust ist ihm jedoch geblieben. Wenn er und Co-Regisseurin Reinhilde Condin eine Tour durch Bruchs Wohnung geben, wird diese zum hochpersönlichen Erlebnispark. (Maya McKechneay) 
2006 fand der Filmemacher Christoph Weihrich am Flohmarkt eine
Rolle anonymes Amateurmaterial, welches im Österreichischen Filmmuseum restauriert wurde und von ihm im Sinne der appropriation art ungeschnitten als 14. März 1938 – ein Nachmittag veröffentlicht wurde. Auf den Einmarsch der Nazitruppen und Hitlers Fahrt über die Stadtgrenze folgen nahtlos Gartenarbeit, Kaffee und Kuchen.
Phaidon – Verlage im Exil von Klub 2 setzt die Auseinandersetzung der Künstlerinnen mit dem jüdischen Exil der späten 1930er Jahre fort. „Der Film widmet sich zunächst der Geschichte des Phaidon- Verlags, der 1923 von Béla Horovitz in Wien gegründet wurde. Phaidon steht exemplarisch für die durch den Nationalsozialismus verursachten nicht „wiedergutzumachenden“ Verluste an Menschen und kulturellen Ressourcen, die Leerstellen in Österreich und Deutschland, die es gilt, offensichtlich zu machen. Ein weiteres Interesse des Films liegt auf der Multiperspektivität von Geschichtsschreibung, die durch die Gegenüberstellung unterschiedlicher Sprecherinnen – Tochter und Enkelin des Verlaggründers, Leiterin der Österreichischen Exilbibliothek, Künstlerinnen – veranschaulicht wird.“ (Karin Gludovatz)

 

Maria Arlamovsky

2008, F, 21’

Kamera: timtom.
Produktion: Nikolaus Geyrhalter Film

   

home.movie

 

Martin Bruch, Reinhilde Condin

2008, F, 10 min

   

14. März 1938 – ein Nachmittag

 

Christoph Weihrich

2008, sw, 10 min

   

Phaidon –
Verlag im Exil

 

Klub 2

2007, F, 23’

     

 

 
Programm Überblick

07

 



03.05. 18.00
07.05. 21.30

next
     

 

 

SEX !

 

 

 

     

Lonely
at the Top

Die Videos in diesem Programm kreisen allesamt um das unerschöpfliche Thema der Geschlechtlichkeit. Die FilmemacherInnen gehen dabei völlig unterschiedliche Wege, die Palette reicht von der ironischen Aneignung pornografischen Materials über die respektvolle Annäherung an das „Andere“ bis hin zu autobiografischen, dokumentarischen Formaten.


In dem formal sensibel gestalteten Porträtfilm Lonely at the Top nimmt Wolfgang Muhr die ZuseherInnen mit in das eher bescheidene, ländliche Domizil eines „Transvestiten-Stars”. Aus respektvoller Distanz und zu Erzählungen aus dem Off porträtiert die Kamera vor allem Alltags-Räume und gewährt so intime wie unprätentiöse Einblicke in das Privatleben des Sängers und Performers.
Pareidolia von Maria Petschnig ist ein Videomitschnitt einer sowohl provokanten wie witzigen Performance mit dem Titel Belly Faces, die die Künstlerin in einer leerstehenden Wohnung in New York veranstaltet hat. In einem Fenster konnten Passanten von der Straße aus den nackten, hell beleuchteten Oberkörper der Performerin sehen. Mit Schnüren gestaltete sie ihren Torso zu verschiedenen, grotesken Fratzen um.
Der Linzer Künstler Dietmar Brehm bleibt seinen über Jahrzehnten
gehegten Obsessionen treu und zeigt in klassischer Found-Footage-Manier optisch verfremdete Ausschnitte aus historischen Porno- Filmen. Verdrehte Augen ist dabei kein „Best of“ spektakulärer Sexszenen, sondern eine irritierende Montage mit impliziter Lust aufgeladener Blicke und Gesten.
Hito Steyerl begibt sich in ihrem autobiografischen Video Lovely Andrea auf die Suche nach erotischen Fotografien, für die sie vor Jahren als junge Studentin in Tokyo Modell stand. Sie nimmt die ZuseherInnen dabei mit auf eine Reise durch die fremdartige Welt der japanischen Bondage-(Sub)kultur.
Das Ausgangsmaterial von Nana Swiczinskys Lezzieflick sind Spielkarten mit pseudo-lesbischen Darstellungen sowie Fotografien typischer “Frauen am Arbeitsplatz” aus dem Bestellkatalog einer kommerziellen Bildagentur. Mittels eines Morphing-Programms wurden diese mitunter unfreiwillig komischen Fotos animiert; das Verfahren macht sowohl die sexuelle Aufladung der „Alltagsphotos“ wie die billige, kommerzielle Inszenierung der Pornoaufnahmen sichtbar. „Penetriert“ wird in diesem Fall vor allem das Grundmaterial, also das bedruckte Papier, sodass das Video beständig zwischen „fleischlicher“ Darstellung und Abstraktion/Auflösung hin und her pendelt.
Albert Sackls filmischer Selbstversuch Steifheit 1 + 2 stellt den Anti-Porno par excellence dar. Der pornografische Blick wird in dieser sinnlichen Zeitstudie um 180 Grad gedreht; gezeigt wird im Zeitraffer ein einsamer nackter Männerkörper beim onanieren auf schwarzem Grund. Selbst auf einen finalen Orgasmus wartet man(n) vergebens.

 

Wolfgang Rupert Muhr

2006, F, 12 min

   

Pareidolia

 

Maria Petschnig

2008, F, 4 min

   

Verdrehte Augen

 

Dietmar Brehm

Videofassung, (2008, F, 11 min

   

Lovely Andrea

 

Hito Steyerl

A/D 2007, F, OmenglUT, 30 min

   

Lezzieflick

 

Nana Swiczinsky

2008, F, 7 min

   

Steifheit 1+ 2

 

Albert Sackl

2007, F, 6 min

     

 

 
Programm Überblick

08

 



03.05. 21.30
05.05. 18.00

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A SOUND ODYSSEY
SPECIAL LATE NIGHT SCREENING

 

 

     

Die Visualisierung von Klängen steht im Zentrum dieses Programms. Zumeist mithilfe digitaler Medien wird das Zusammenspiel der (Zeit-) Phänomene Klang und Bewegungs-Bild experimentell erprobt.


Didi Bruckmayr entführt in der schwarz-weißen 3D-Animation Flexible Cities die ZuseherInnen zu Ligeti-Klängen auf eine digitale „Space Odyssey“ in die unendlichen Weiten des Cyberspace, der in diesem Fall von geometrischen Körpern und Schwärmen von spermienartigen Kreaturen bevölkert wird.
Barbara Doser beschäftigt sich seit Jahren mit dem Phänomen des Video-Feedbacks, also jenem optischen Effekt, der sich einstellt, wenn eine Videokamera auf jenen Monitor gerichtet wird, der das Live-Bild eben dieser Kamera wiedergibt. In evolverevolve 01 erzeugt sie einen hynotisch-psychedelischen Farbenrausch in den Schock farben rosa, lila und orange.
Mit Hilfe einer Architektursoftware lässt Manuel Knapp in visibility of interim~ geometrische Muster und Formen entstehen, weiß vor pechschwarzem Grund, sodass es wirkt, als würden sie aus sich selbst heraus leuchten. Allmählich verschieben sie ihre Position zueinander, dehnen sich, konstruieren immer neue, komplexere Räume. (Maya McKechneay)
Das Video In the Mix, ursprünglich eine Liveperformance von Jan Machacek, gestaltet ein eigenartig reziprok-verkehrtes Verhältnis zwischen Performer, Kamera und Schauenden und erschafft – indem es ein Schauen erwirkt ohne jedoch Zuschauen zuzulassen – ein Stück gemeinsames, körperliches Hier und Jetzt zwischen ihnen. (Radostina Patulova)
dextros 43 ist eine jener algorithmischen Kompositionen, die der Künstler abseits jeglichen Verwertungskontextes autark produziert und auf seiner Website dextro.org veröffentlicht. Musik und Bildscheinen wie „aus einem Guss” zu sein, zwei Materialisationen ein und desselben Gedankens. (Norbert Pfaffenbichler)
In monochromen Farbschattierungen, von grün bis rot, formt not still von Billy Roisz eine abstrakte visuelle Landschaft, in der das Aufflackern von Found-Footage auf Celluloid wie Zitate aus einer jenseitigen Welt erscheinen. Verfremdete klassische Filmscores heulen in der minimalen Techno-Soundkulisse auf und verschränken sich mit dem Hauptmotiv Vinyl in all seinen unterschiedlichen Bildstrukturen. (Petra Erdmann)
o68 von lia wurde unter Einfluss von Laurie Anderson’s „O Superman“ hergestellt, und bedient sich sowohl eines Textes als auch den Stimmaufnahmen von Laurie Anderson. Das Video ist weniger Illustration oder „Coverversion“ des berühmten Songs, sondern eher eine Hommage an den Minimalismus des 20. Jahrhunderts. Karø Goldts été ist auch ein Spiel von Stillstand und Bewegung, beschreibt in seiner scheinbaren Statik und minimalen Variation der Farbstreifen eine ständige Veränderung. Nicht der Moment lässt sich einfangen, sondern der Prozess einer fließenden Veränderung. (Andrea Pollach)

Flexible Cities

 

Didi Bruckmayr

Musik: György Ligeti

2008, sw, 8 min

   

evolverevolve 01

 

Barbara Doser

sound:Barbara Doser

2008, F, 10 min

   

visibility of interim~

 

Manuel Knapp

sound:Manuel Knapp

2007, sw, 14 min

   

In the Mix

 

Jan Machacek

2008, sw, 4 min

   
 

43

 

dextro

sound: martijn tellinga

2008, sw, 5 min

   

not still

 

billy roisz

sound:dieb 13, billy roisz

2008, F, 10 min

   

o68

 

lia

sound: @c (Miguel Carvalhais)

2008, F, 6 min

   

été
(summer/has been)

 

Karø Goldt

Musik:Jürgen Grözinger

2007, F, 3 min

     

 

 
Programm Überblick

09

 



04.05. 21.30
07.05. 18.00

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A TRIBUTE TO MARA MATTUSCHKA

 

 

 

     

Burning Palace

Die Filmemacherin, Darstellerin, Malerin und Sängerin Mara Mattuschka ist wohl die bedeutsamste Performance-Filmkünstlerin Österreichs. Dieses Tribute-Programm präsentiert die jüngste Kooperation zwischen ihr und dem Choreographen Chris Haring (Burning Palace) und stellt einige von Mattuschkas „klassischen“ Kurzfilmen und Videos dazu in Kontext. In allen Filmen, von den 1980er Jahren bis ins 21. Jahrhundert bedeutsam: der Körper als Handlungsträger, Verzerrung, Umdeutung, Schock und (komische) Groteske als fortwährende Herausforderung an gesellschaftliche und industrielle (Geschlechter-)Normen; Bewegung, Mimik, Gestik und Stimme als Ereignis.


Burning Palace funktioniert wie ein düsterer, erotischer Traum: die Gänge und Zimmer eines schwülstig-abgewohnten (Stunden-) Hotels schaffen den Raum für eine fließende Choreografie zwischenmenschlicher Begegnungen. Kugelkopf bezieht sich auf das gleichnamige Teil analoger Schreibmaschinen; in der Filmperformance wird der bandagierte Kopf Mattuschkas zum Schreibgerät. Les Miserables ist eine animierte Miniatur zur Geschlechterdifferenz; Der Untergang der Titania zeigt Mattuschkas Alter Ego Mimi Minus in der Badewanne, über die Liebe sinnierend. ID, das erste Video Mattuschkas nach einer langen Serie von 16mm-Arbeiten, verfremdet lustvoll Elemente des Horrorgenres, wenn Mimi Minus sich quasi zum „Comeback“ in der digitalen Ära in ein Latex-Monster verwandelt. Es hat mich sehr gefreut spielt virtuos mit dem (männlichen) voyeuristischen Blick auf weibliche Sexualität: die Kontrolle über die eigene Lust geht mit der Kontrolle über das Filmmaterial und den Ton Hand in Hand. Kaiser Schnitt zeigt die Geburt der Sprache buchstäblich aus der „Ur-Suppe“, inklusive Korkenzieher, Messer und Gabel als Operationsbesteck. Zuletzt S.O.S. Extraterrestria, ein Höhepunkt des österreichischen, experimentellen Science-Fiction-Films: „E.T. torkelt durch die Nacht & die City, sieht aus wie Mimi Minus und fängt kleine
projizierte Menschen in der Hand, so ähnlich wie der große verliebte Affe des Horrorfilms. Und das Kriegs- und Katastrophenkino schaut zu, mit offenem Maul, bis am Ende eine Spielzeugstadt, die gerne eine richtige wäre, lakonisch einstürzt.“ (Stefan Grissemann)

 

Mara Mattuschka &
Chris Haring

2009, F, 32 min

   

Kugelkopf

 

Mara Mattuschka,
1985, sw, 6 min

   

Les Miserables

 

Mara Mattuschka,
1987, sw, 2 min

   

Der Untergang der Titania

 

Mara Mattuschka,
1985, sw, 4 min

   

ID

 

Mara Mattuschka,
2003, F, 10 min

   

Danke, es hat mich sehr gefreut

 

Mara Mattuschka,
1987, sw, 2 min

   

Kaiser Schnitt

 

Mara Mattuschka,
1987, sw, 4 min

   

S.O.S. Extraterrestria

 

Mara Mattuschka,
1993, sw, 10 min

     

 

 

 

 
 

Presseunterlagen

Fotos, Biografien und weitere Texte zum Herunterladen unter www.filmvideo.at
Presse: Andrea Pollach | Mahnaz Tischeh
T +43-699-1944 8451 (A.P.)
T +43-699-1190 2257 (M.T.)
office@apomat.at
www.apomat.at

 


 

 

   

 

Eine Veranstaltung von sixpackfilm


Konzept und Projektleitung: Brigitta Burger-Utzer
Filmauswahl und Programmtexte: Michael Loebenstein, Norbert Pfaffenbichler
Organisation: Brigitta Burger-Utzer, Michaela Grill
Vermittlungsprogramm für Schulen: filmABC (Leitung: Gerhardt Ordnung)
Materialien für Schulen und VermittlerInnen:
Lisa von Hilgers, Markus Prasse, Claudia Trinker
Pressearbeit: apomat* (Andrea Pollach, Mahnaz Tischeh)
DVD-Produktion: Dariusz Kowalski (medienwerkstatt wien), Dieter Pichler
DVD-Vertrieb (ab Dez. 2009): Isabelle Piechaczyk (INDEX)
Grafik: Karl Ulbl
Trailer: Peter Tscherkassky

In Zusammenarbeit mit: Diagonale – Festival des österreichischen Films,
filmABC, kolik.film, KulturKontakt Austria

Finanzierung: Sonderförderung für Filmvermittlung 2008 des
Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur

   
 

 

 

Für Ihre Hilfe bei der Realisierung von Veranstaltung und DVD danken wir:
bm:ukk (Bundesministerin Claudia Schmied; Sektionschefin Andrea Ecker;
Abteilung Film: Barbara Fränzen, Carlo Hufnagl, Irmgard Hannemann-Klinger,
Brigitte Winkler-Komar; Medienabteilung: Walter Olensky)
Ulli Arnold (REMAprint); Ulrike Gießner-Bogner, Ursula Hilmar (KulturKontakt Austria);
Gustav Ernst, Karin Fleischanderl (HerausgeberInnen kolik.film); Roland Jancic,
Daniela Praher (Produktion Diagonale); Franz Jud (Presse Diagonale);
Johann Lurf; Brigitte Matula (CSM Production); Claus Philipp (Stadtkino Wien);
Barbara Pichler (Festivalleitung Diagonale); Dieter Pichler;
Michael Stejskal (filmladen).

Den Abspielstätten und Kinos.
Den Filmemacherinnen und Filmemachern.
Den RedakteurInnen und AutorInnen von kolik.film.