In Person
Joost Rekveld

 

Mittwoch 29. und Donnerstag 30. September 2010
jeweils um 21 Uhr im Österreichischen Filmmuseum

Augustinerstraße 1, 1010 Wien
Karten: 01 - 533 70 54



 

Filmprogramme  1 2

 

 





#3
#37
Joost Rekveld

 

 


In den abstrakten Filmen von Joost Rekveld tritt die Klarheit und Logik der Konstruktion an die Stelle des emotionalen Gestus. Dass seine konzeptuell ausgereiften Arbeiten auch visuell faszinierend sein müssen, wird er in seiner Lecture zur Poesie des Lichts und seiner Arbeitsweise erläutern. Die Farben und Formen in den Werken von Filmemachern wie Paul Sharits, Jordan Belson und im besonderen James Whitney haben ihn angeregt, selbst mit dem Filmemachen zu beginnen. Wie seine Vorbilder schafft er "ultrachromatische" Erlebnisse, die nach genauen Partituren entstehen und die mathematischen Prinzipien folgen. So sind auch sämtliche seiner Filme nach Primzahlen benannt. Sein Studium von Videodesign bereicherte der 1970 geborene Joost Rekveld mit Studien in Komposition elektronischer Musik und Philosophie. Zur Zeit ist er Dozent für Medientechnologie an der Universität Leiden sowie Leiter der Art Science Interfaculty an der Royal Academy of Art in Den Haag. Er realisiert kinetische Installationen, entwirft Projektionen und Lichtkonzepte fr Theater- und Tanzproduktionen und arbeitet auch als Kurator.
Technologisch entwickelt sich Rekveld mit jedem seiner Filme weiter: die meisten seiner frühen Arbeiten wurden mit mechanischen und optischen Maschinen und der direkten Wirkung des Lichts und der Farbfilter auf das Zelluloid hergestellt. Er konstruierte Maschinen ohne Linsen, in denen das Licht durch feine Schlitze und Blenden gelenkt werden konnte. Sein neuester Film #37 entstand mithilfe selbst geschriebener Software am Computer und orientiert sich an den geologischen Mustern von Steinen und Kristallen. Rekveld schreibt selbst: "I'm primarily interested in honesty with regard to the technologies I use. What I am really looking for is elegance in the resources. This is directed by the visible result and, in that, I am searching for a form of beauty." Dem Publikum bleibt beim Betrachten der abstrakt pulsierenden, künstlichen Farben- und Formenräusche die eigene Vorstellungswelt, die reine Empfindung der audiovisuellen Wahrnehmung. (Brigitta Burger-Utzer).

Eine gemeinsame Veranstaltung von sixpackfilm und dem Österreichischen Filmmuseum.

 


 

Mittwoch, 29. September, 21 Uhr

 

LIGHT MATTERS

 

 

Vortrag mit Laptop von Joost Rekveld


 
 

#3


NL 1994, 16mm, 4 min, stumm

#3 ist ein Film aus purem Licht, in welchem die Bilder mittels der Bewegungen einer kleinen Lichtquelle mit extrem langen Belichtungszeiten hergestellt wurden, die Spuren auf der Emulsion hinterlassen. Das Licht ist Teil eines einfachen mechanischen Systems (ein Doppelpendel), das ein chaotisches Verhalten bei einer bestimmten Reihe von Geschwindigkeiten an den Tag legt.

 
 

VRFLM


 

 

NL 1994, 16mm, 2 min, stumm


VRFLM ist eine kurze Studie für den optischen Printer, basierend auf Found Footage von einem Zoom auf Feuer, coloriertem Licht aus dem Printer und auf teilweise zerstrtem Film. VRFLM besteht aus elf Kapitel, deren Lnge und Inhalt vorher festgelegt waren. Diese Struktur fllte ich mit Improvisationen. (J. R.)


 
 

#37

 

NL 2009, 35mm cinemaScope, 31 min
Musik: Yannis Kyriakides


Viele Theorien vor der Moderne betrachteten Kristalle als eine Form zwischen den Mineralen, den Pflanzen und dem Tierreich, eine Idee, die widerhallt angesichts zeitgenössischer Entwicklungen in den Feldern der Chemie und des künstlichen Lebens. Die Inspiration für #37 kam von der Art, in der Kristallografen Röntgenstrahlen verwenden, um die innere Struktur von Kristallen zu erforschen. Diese Struktur kann abgeleitet werden von den Interferenzbildern, die die Röntgenwellen nach dem Sickern durch die symmetrischen Anordnungen der Moleküle im Kristall erzeugen. 1984 machte die Beugung der Röntgenstrahlen die Entdeckung der sogenannten "Scheinkristalle" möglich; der Ausgangspunkt von #37 waren die Computersimulationen, die Wissenschafter zum Verständnis dieser quasiperiodischen Strukturen produzierten.
(J. R.)


 

image weiss

 

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Donnerstag, 30. September, 21 Uhr

 

#7


NL 1996, 16mm, 32 min, stumm


#7 ist ein Film, der durch das Pressen von Farbe auf transparenten Filmstreifen entstand, das Resultat wurde als Negativ verwendet. Die Farben modulieren von Schwarz über die elementaren Lichtfarben und über die elementaren Malfarben zum Weiss. Ich verwendete das Farbmodell von Harald Küppers, um eine langsame Entwicklung von Schwarz zu Weiss zu strukturieren. (J. R.)


 
 

#23.2, Book of Mirrors

 

NL 2002, 35mm, 12 min,
Musik: Rozalie Hirs, Asko Ensemble


#23 entwickelt sich, um einen Zyklus von fünf abstrakten Filmen ber Licht zu bilden, inspiriert von Konzepten zu Optiken, die sich im Mittelalter und der Renaissance finden. Die Filme sind mit einer Apparatur gemacht, die antike und elementare optische Prinzipien verwendet, um Bilder zu erzeugen. Diese Bilder entstehen durch das gegenseitige Spiel des Lichts, das direkt auf die Emulsion fällt. Es wird nicht - wie üblich - durch Linsen eine Szene reproduziert, die ausserhalb der Kamera stattfindet. Auf diesem Weg versuche ich, alternative Formen von Räumlichkeit zu entdecken, die nichts mit der traditionellen Bildperspektive zu tun haben. Der Film #23.2, Book of Mirrors beschäftigt sich mit der Vervielfachung der Lichtstrahlen durch Spiegel und Kaleidoskope ähnlich der Camera obscura. Die Struktur des Films ist in enger Kooperation mit der Komponistin Rozalie Hirs entwickelt worden. (J. R.)


 
 

#11, Marey <-> Moiré

 

NL 1999, 35mm cinemaScope, 21 min,
Sound: Edwin van der Heide


#11, Marey <-> Moiré ist ein Film, in dem alle Bilder durch das periodische Aufzeichnen der Bewegung einer Linie generiert worden sind. Es ist ein Film ber die Diskontinuität, die im Herzen des Filmmediums liegt. Für mich ist der französische Wissenschaftler Etienne-Jules Marey ein Exponent einer Entwicklung, die bei weitem bedeutsamer ist als die Erfindung des Kinofilms. Seine Arbeit markiert einen definitiven Wendepunkt in den Strategien mit Abläufen, Bewegung und stetigem Wechsel umzugehen. Marey hat viele Wege gefunden, natürliche Bewegung sich selbst aufzeichnen zu lassen und das Aufgenommene zu analysieren, im Gegensatz zu dem Zwang, zu beobachten und Prozesse in Echtzeit zu interpretieren. Besonders sein Gebrauch der Chronophotographie zeigt sehr deutlich die Kraft der trennenden Bewegung in aufeinander folgenden Phasen.


 
 

Publikumsgespräch mit Joost Rekveld



Eine gemeinsame Veranstaltung von sixpackfilm
und dem Österreichischen Filmmuseum.

Programm und Moderation: Brigitta Burger-Utzer