Anubumin

In ihrem vierten gemeinsamen Film fokussieren Zanny Begg und Oliver Ressler auf Nauru, eine winzige abgelegene Insel im Pazifik mit 10.000 EinwohnerInnen. Der Titel "Anubumin" bedeutet auf Nauruisch "Nacht" und symbolisiert eine bestimmte Finsternis, die die Insel umgibt.

Die Arbeit kombiniert eine eigens für diesen Film verfasste poetische Erzählung mit Gesprächen, die mit Whistleblowern in Australien geführt wurden. Die Narration behandelt verschiedene Leerstellen, die für die Geschichte und die Zukunft der Insel prägend sind. Die größte Leerstelle ist physischer Natur: Die Insel ist ein erhöhtes Riff aus Kalkspat und Phosphat auf vulkanischer Grundlage, das ab 1906 abgebaut und nach Australien exportiert wurde, als Düngemittel für die Farmen der früheren Kolonisatoren. Als der Phosphat-Abbau in den 1980ern eingestellt wurde, war Nauru bankrott und 80 Prozent der Landfläche unbewohnbar und unfruchtbar. Beim Versuch, Einnahmequellen zu erschließen, wurde Nauru in den 1990ern zu einem der wichtigsten Orte für Geldwäscherei. Nach dem Verschwinden von Geld und Bodenschätzen beteiligt sich Nauru heute am "Verschwinden von Personen" und beherbergt ein australisches offshore Anhaltelager für Flüchtlinge.

Als Reaktion auf die Kritik an der furchtbaren Menschenrechtssituation im Internierungslager verschärfte Nauru die Zugangsmöglichkeiten zur Insel drastisch. Vier Whistleblower, die als Ärzte und Krankenschwestern im Internierungslager beschäftigt waren, beschreiben die institutionalisierten Menschenrechtsverletzungen. Sie enthüllen eine Wahrheit, die die australische Regierung zu verbergen versucht, indem sie Leute einschüchtert und zum Schweigen bringt.

Heute bedroht eine neue Leerstelle die Insel: Der steigende Meeresspiegel bedroht den Küstenrand, das einzige Gebiet, das den EinwohnerInnen noch zum Leben geblieben ist. Die Menschen, die die Wirtschafts- und Politflüchtlinge von heute einsperren, sind möglicherweise selbst die Klimaflüchtlinge von morgen. Die Nacht ist immer kurz vor der Dämmerung am Dunkelsten. (Produktionsnotiz)

Bildaufnahmen auf Nauru wurden von anonymen Whistleblowern gemacht.

Orig. Titel
Anubumin
Jahr
2017
Land
Österreich
Länge
18 min
Kategorie
Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Englisch
Untertitel
Deutsch, Englisch
Downloads
Anubumin (Bild)
Anubumin (Bild)
Anubumin (Bild)
Credits
Regie
Oliver Ressler, Zanny Begg
Kamera
William Robertson
Sound Design
James Brown
Tonaufnahmen
Rudi Gottsberger
Gedicht
Matthew Hyland
Whistleblower
Anonymous, Mark Isaacs, David Isaacs
Gedicht
Oliver Ressler
Whistleblower
Hasantha Gunasekera, Alanna Maycock
Farbkorrektur
Rudi Gottsberger
Sprecher*in
Reneé Gadsen
Dank an
Gabby Sutherland
Mit Unterstützung von
Wien Kultur MA 7
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe