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Za Żelazną Bramą (Hinter dem Eisernen Tor)
AT / PL / US / 2009
55 min.

Heidrun Holzfeind porträtiert in ihrem Dokumentarfilm einen Stadtteil im Zentrum Warschaus, der einst zu den Vorzeigevierteln polnisch-kommunistischer Bauplanung zählte. Die neunzehn 15-stöckigen Blocks der Wohnsiedlung Za Żelazną Bramą wurden in den Jahren 1965-72 für insgesamt 25.000 Menschen erbaut. Die Zeit allerdings hat den ehemaligen Modernismus dieser Gebäude längst eingeholt: Waren deren Appartements, wie eine Bewohnerin erzählt, früher beliebt wegen des zentralen Standorts, des Wohnkomforts, sowie aufgrund der außergewöhnlichen Aussicht, die man in den höheren Stockwerken genoss, so sind manche dieser Vorzüge heute durch die jüngste rege Bautätigkeit, im Zuge derer noch höhere Gebäude rundherum errichtet wurden, geschmälert. Holzfeind geht solchen Spuren der Geschichte nach, indem sie das Erbe der funktionalistischen Architektur und ihre heutige Legitimierung im sozialen Gefüge Warschaus nachzeichnet. Verschiedenste BewohnerInnen kommen dabei zu Wort, die das Spektrum der Bevölkerungsstruktur dieses Wohnkomplexes im Sinne eines anonymisierten, reportageartigen Untersuchungsstils vermitteln. Viele Interviews zeugen von einer differenzierten, ethnographischen Sichtweise: So äußern sich einige der heutigen Bewohner kritisch über die jetzigen Wohnbedingungen, andere hingegen erinnern sich an den Luxus eines neuen Appartements mit Küche im kriegsversehrten Nachkriegspolen. Die Künstlerin besucht sie in ihren persönlichen Environments oder spricht mit ihnen auf den Vorplätzen der Siedlung.
Za Żelazną Bramą wurde auf den Ruinen des ehemaligen Ghettos erbaut. Zwischen den Blocks befindet sich auch eine Synagoge, was mit ein Grund sein dürfte, dass in jüngster Zeit wieder einige jüdische Familien dort hingezogen sind. Aber auch andere aktuelle Migrationsbewegungen sind Thema der Dokumentation, wenn beispielsweise vietnamesische Jugendliche über ihre Erfahrungen in den mehrheitlich von PolInnen bewohnten Blocks befragt werden.
Der Film lässt dabei ein zeitgenössisches Bild einer nicht immer sozialen polnischen Alltagsrealität entstehen, indem rassistische und auch antisemitische Äußerungen von BewohnerInnen ebenso dokumentiert werden wie die dreiste Auseinandersetzung eines jugendlichen Rappers mit einem Weltkriegsveteranen.

(Patricia Grzonka)


In ihrem Dokumentarfilm porträtiert Heidrun Holzfeind den Wohnkomplex Za Żelazną Bramą im Warschauer Zentrum. Erbaut auf den Ruinen des ehemaligen Ghettos, galt dieser einst als Vorbild kommunistischer Architektur und war ein luxuriöser und begehrter Wohnort. Die Künstlerin befragt die unterschiedlichen Bewohner der Blockanlage in ihren Wohnungen oder draußen auf dem Vorplatz. Sie selbst bleibt dabei anonym und greift nicht in die Erzählungen ein, agiert hier vielmehr als Journalistin denn als Künstlerin. In der räumlichen Enge treffen Isolation und Nähe, Perspektivlosigkeit und Zukunft, Frustration und Zufriedenheit aufeinander. Die Architektur hat sich von außen her nicht verändert in all den Jahren, aber die Bewohner haben sich mit ihrem Umfeld arrangiert, sind sogar zu einem eigenen sozialen Gefüge zusammengewachsen und haben die Wohnungen ihren Bedürfnissen weitestgehend angepasst. Holzfeind zeichnet ein umfassendes Bild des Alltags von den Bewohnern als Gemeinschaft in diesem Wohnblock, der wie eine eigene kleine Stadt erscheint, die sich zwischen den neuen Hochhäusern Warschaus zu behaupten versucht. Alle Bewohner wollen auch in Zukunft in Za Żelazną Bramą leben, wo für manche ein Balkon das einzige zu sein scheint, was fehlt.

(Annette Block)


Auch in diesem Projekt interessieren mich die persönlichen Geschichten der Bewohner - warum/seit wann sie gerade in dieser Siedlung wohnen, ihre Meinung über die Funktionalität und utopische Ideen der Architektur, Beziehungen zwischen Nachbarn und natürlich ihre individuellen Adaptionen der kleinen Wohnungen.

(Heidrun Holzfeind)

Ein Film von:
- Heidrun Holzfeind

Kategorie:
- Dokumentarfilm

Orig.Spr.:
- Polnisch

Available Prints:
- Digital Betacam PAL

Preis: 160 EUR

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Verleihbedingungen

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- Texte und Bilder
- Biographie: Heidrun Holzfeind

Film/Video Online:
realeyz.tv
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