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Mutter von Mutter
AT / 2016
20 min.

Mutter von Mutter erzählt von meiner Mutter und der ihren, die ich kaum gekannt habe. Von bruchstückhaften Erinnerungen und brüchigen Beziehungen dreier Generationen, die von Abwesenheiten und Trennungen bestimmt sind – dementsprechend fragmentarisch die Erinnerungsbilder, bewusst ohne biografische Sensationen. Die Erzählung sucht das Verbindende und das Trennende zwischen Generationen, untersucht von Zwiespältigkeiten geprägte Frauen- und Mutterrollen, deren Weitergabe und Reflexion. (Amina Handke)


In Amina Handkes Film Mutter von Mutter werden drei Generationen von Frauen zusammengeführt. Im Zentrum steht Handkes Mutter, die Schauspielerin Libgart Schwarz, die sich wiederum an ihre Mutter erinnert. Schwarz fungiert als Verbindung zwischen den Zeiten, sie hält als Tochter und als Mutter eine Doppelfunktion in der weiblichen Familienlinie. Aus dem Off spricht oder liest sie eigens für den Film verfasste Notizen oder Briefe ihrer Mutter. Sie geht durch die Stadt, durch den Wald, sie steht in ihrer Wohnung – vor dem Spiegel, am Balkon, im halbdunklen Gang. Sie schreibt oder schickt sich an zu schreiben. Amina Handke leiht ihr auch ihre eigene Stimme, um Fragen zu stellen und den Erzählfluss in Gang zu bringen. Libgart Schwarz´ Erinnerungserzählung beginnt in ihrer Kindheit und beim Körper der Mutter, ihren schönen Händen, den dankbaren Haaren, der jammervoll anzusehenden Figur und macht dann Sprünge durch die Chronologie, die sich hin und wieder zu Bögen verbinden. Die Beobachtungen, Einschätzungen und Erklärungen in Mutter von Mutter sind sehr persönlich, ja intim. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen benennen sie unweigerlich die unterschiedlichen Ambivalenzen und Konflikte dreier Frauengenerationen seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Tatsache, dass wir Libgart Schwarz fast ausschließlich von hinten sehen, verstärkt diesen Aspekt: Sie ist eine anonyme Frau. Sie ist jede Frau.

Die Erinnerungsarbeit vollzieht sich nicht nur schreibend, sondern wesentlich auch nähend. Teppiche, Tücher, Gestricktes und Gesticktes sind im Bild so etwas wie der stoffliche Zusammenhalt des aus dem Off Gesprochenen. Die Erinnerung wird ganz wörtlich als Gewebe ins Bild gebracht. Gewebe geben Strukturen vor, bilden Oberflächen. Indem sie mit der Handschrift der Großmutter oder dem Außen überblendet werden, gewinnen sie Tiefe und werden langsam durchlässig. Ihr Fluchtpunkt ist das Gefühl der Freiheit, Libgart Schwarz nennt es: sich mit sich identisch fühlen. Ein Privileg, das immer schon erkämpft werden musste. (Sylvia Szely)

Ein Film von:
- Amina Handke

Kategorie:
- Essay

Orig.Spr.:
- Deutsch

Available Prints:
- DCP 2K

Preis: 80,00 EUR

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