Online-Katalog / Ivette Löcker :

Was uns bindet
AT / 2017
102 min.

Was einen – im Guten wie im Schlechten – tatsächlich noch an die Herkunftsfamilie bindet, das merkt man erst, wenn es an die Substanz geht: das Erbe. Die in Berlin lebende Filmemacherin Ivette Löcker besucht ihre Eltern in den Salzburger Bergen – der Vater hat ihr und der Schwester ein baufälliges Bauernhaus überschrieben, die dritte Schwester bekommt das Elternhaus. Das Erbe soll begutachtet werden. Ein Vorgang, der in der einen oder anderen Weise wohl jede Familie betrifft. Der Filmemacherin raubt er zunächst schier die Luft, sie leidet unter Atemnot und Verspannungen. Die Anfangssequenz zeigt ihr Gesicht eingezwängt in das Kopfteil einer Massageliege. Und während die Geschwister, von denen eine nur per Skype anwesend ist, sich noch darüber klarzuwerden versuchen, wie dieses Erbe in ihre eigenen, konträren Lebensentwürfe passen soll, wird offenbar, dass die Eltern seit Jahren getrennt leben: Der Vater hat sich im Keller eine karge Bleibe eingerichtet, die Mutter lebt in den Wohnräumen. In einer bezeichnenden Szene steigt der Vater nach oben und bittet seine Frau förmlich, ihm ein paar Würstel zu kochen. Stichelnd, vorwurfsvoll reden die beiden mit- und übereinander – und strahlen doch eine seltsame Verbundenheit aus.

Behutsam und taktvoll nimmt Ivette Löcker das Beziehungsgefüge ihrer Familie auseinander – und erzählt nebenbei von einer ganzen Generation gut ausgebildeter Landkinder, die es einmal besser haben sollten als die Eltern und nun in zwei oft unvereinbaren Welten leben. Es ist bedrückend, wenn sich in den Gesprächen die Reue über vertane Chancen, die Trauer über nicht erfüllte Erwartungen Bahn bricht. Zugleich machen kleine, vertraute Szenen immer wieder schmunzeln, etwa, wenn die Weltsichten der beiden Generationen aufeinanderprallen. Am Ende ist es befreiend und fast beglückend zu sehen, was diese Familie tatsächlich bindet: Das neu erwachende Interesse aneinander und der Versuch, einander trotz aller Unterschiedlichkeit zu verstehen. (Andrea Heinz)


Gerade als ich geglaubt habe, endlich mit meinen Gefühlen für meine Eltern und meine Herkunft im Reinen zu sein, vererbt mir mein Vater zur Hälfte sein altes, baufälliges Bauernhaus. Seither lastet das Erbe wie ein Felsbrocken auf mir. Ich leide unter Atemnot. Ich merke: Die Auseinandersetzung mit meiner Familie beginnt erst jetzt. (Ivette Löcker)

Ein Film von:
- Ivette Löcker

Kategorie:
- Dokumentarfilm

Orig.Spr.:
- Deutsch

Available Prints:
- DCP 2K

Bestellen

Verleihbedingungen

more on Austrian Independent Film & Video Database:
- Credits
- Festival placements
- Texte und Bilder
- Biographie: Ivette Löcker