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What The Wind Took Away
AT / TR / 2017
75 min.

Obwohl sie durch ihre Flucht alles verloren haben, kämpfen die Jesidinnen Hedil und Naam um ein menschenwürdiges Leben für ihre Familien. Aufgrund des Massakers an ihrem Volk durch die Terrororganisation "Islamischer Staat" aus ihrer Heimat vertrieben, haben sie schließlich in einem Flüchtlingscamp Unterschlupf gefunden. Ihre Lage scheint hoffnungslos, eingekerkert zwischen der Diktatur des IS und dem Ziel ihrer Träume: Europa. What the wind took away erzählt einfühlsam die Geschichte der beiden Jesidinnen und deren Weg mit ihrem Schicksal umzugehen. (Produktionsnotiz)

What the wind took away zeigt in elaborierten Bildern das Leben in einem Flüchtlingscamp der kurdischen Volksgruppe der Jesiden in der Südosttürkei (Fidanlik), im Jahr 2015. Zwei Frauen, Hedil und Naam, tragen die Erzählung, die ausschließlich darauf fokussiert, was den Alltag der Frauen und ihrer Familien bestimmt: kochen, essen, waschen, ein Küchenzelt bauen, ein Petersilienbeet bepflanzen. Dem Film geht es nicht vordergründig um die Tragik des Schicksals der Flüchtenden; im Zentrum steht die detailreiche, in langen Bögen gestaltete Beschreibung dessen was täglich getan werden muss – und wie es in der Raum-Zeit-Situation des Zeltlagers als Heterotopie (Michel Foucault) getan werden muss.

Wir lernen das Zelt als einen Zwischenort kennen, der durch seine Normabweichung am Rand der Gesellschaft situiert und durch Ritualisierungen gekennzeichnet ist, die das tägliche Handeln ersetzen. Die Zeltstadt des Flüchtlingslagers funktioniert als solcher "anderer Raum", dessen Zeit auch eine andere ist (die Heterochronie). What the wind took away stellt dar wie die kleinen Handlungen des Alltags sich zu einem Raum-Zeit-Erleben zusammenfügen, wie die Erzählungen über Flucht, über Normalität und Sehnsucht – aber auch über Trauma und Schmerz den emotionalen Rahmen bilden für das was Tag für Tag erledigt werden muss. Und der Film lässt darüber nachdenken, wo und wann der Anfang und das Ende einer Existenz im Flüchtlingscamp liegen mögen: denn wie kann man sich entscheiden den zumindest zeitweilige Sicherheit bietenden Zwischenort zu verlassen und sich auf den Weg in eine unbestimmte Zukunft zu machen. (Andrea B. Braidt)

Ein Film von:
- Martin Klingenböck
- Helin Celik

Kategorie:
- Dokumentarfilm

Orig.Spr.:
- Verschiedene

Available Prints:
- DCP 2K

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Verleihbedingungen

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