Online-Katalog / Johann Lurf :

AT / 2017
99 min.

Ein Film ohne Antworten, aber mit so vielen Fragen wie Sterne am Himmel stehen: Der österreichische Strukturalist Johann Lurf hat sich für sein Langfilmdebüt ein gewagtes, unendlich expandierendes Sujet ausgesucht: die stars des Kinos. Allerdings sind es keine Filmstars, sondern die Sterne am Nachthimmel, lichte Nadelstiche in der Dunkelheit, die er aus Filmen exzerpiert hat – beginnend mit Anbruch des Kinos bis herauf in unsere Gegenwart –, im Rahmen eines Projekts, das auch selbst jährlich erweitert werden soll. Diese Sternbeispiele, die ihrem filmischen Zusammenhang mit unversehrtem Ton entnommen wurden – ob Ambient-Summen, mächtige Orchester-Scores, penible Erklärungen oder träumerische Spekulationen – sind Magiefelder einer mit Möglichkeiten gesprenkelten Dunkelheit. Lurfs jazzige Montage gleicht ruhige Konzentriertheit und nervöse Bildschwankungen aus, sie basiert auf dem methodischen Zugang, Dauer, Bild- und Tonspur jedes Ausschnitts zu übernehmen. Das Publikum wird so auf eine Reise durch jene Tonalitäten von Bedrohung und Verheißung geschickt, die der Kosmos aussendet. Weil es sich um ein Sujet handelt, welches sich schwierig bis unmöglich akkurat filmisch aufzeichnen lässt, begegnen wir dabei wieder und wieder den verschiedenen Interpretationen der Sternennacht durch matte artists (Kulissenmaler) und Spezialeffektzauberer, mal ganz ruhig, mal in rasender Bewegung durch den Raum oder in ihn hinein, auf weißglühende Nebel, ferne zwinkernde Punkte und dazwischen die schwarze Leere starrend.
Indem wir eine Geschichte des Kinos in seiner Fixierung auf den und Flucht in den Weltraum durchmessen, stellen wir fest, was Zuschauer_innen zu ihrer Zeit da oben sahen. Zugleich spiegelt sich darin unsere eigene Verwunderung: Ehrfurcht, Schrecken, Hoffnung, arrogantes Selbstvertrauen, melancholisches Sehnen und blanke, ehrfürchtige Stille. Dies sind die raren Momente, in denen ein Kinopublikum mit dem Rücken zum Projektor tatsächlich Licht gegenübersitzt, das auf es zurück fällt: Unsere Augen sind die Leinwände für das Kino der stars. (Daniel Kasman)

Das Lurf’sche Kino: Blickirritationen, optische und akustische Verfremdungen, faszinierende, seltene Filme. Bisher. Doch mittlerweile scheint der Planet Erde zu klein für des Filmemachers Sehnsucht und er greift nach den Sternen. Acht Jahre arbeitete Lurf an diesem Werk, dem Panorama des Himmels, gesehen aus der Perspektive eines Filmliebhabers. Filmausschnitte, Sprachfetzen, Sternenballett, choreografiert von einer Göttin, die niemand kennt. Alles chronologisch, von der Stummfilmzeit bis heute. Nicht weniger als 90 Minuten träumen, 13 Sprachen lernen, sich fürchten und freuen – ein ganz außergewöhnlicher Abenteuerfilm, allein schön, zu zweit noch schöner. (Viennale 2017 Katalog)

Ein Film von:
- Johann Lurf

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Verschiedene

Available Prints:
- DCP 4K

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