Online-Katalog / Kurt Kren :

33/77 Keine Donau
AT / 1977
8 min.

Keine Donau ist Krens "Fenster zum Hof". Wir sehen die fast deckungsgleichen Ansichten eines Hinterhofs, die Kren in mehreren Duchläufen des Films übereinanderlagert. Oft lacht die Sonne, während es gleichzeitig bewölkt ist, Schnee liegt auf den Dächern, während man das Bild von sommerlichem Licht durchflutet meint. Ab und zu erscheinen geisterhaft durchschimmernde Menschengestalten, die gleich darauf wieder von der Zeit verschluckt werden. Wie impressionistische Schleier hüllen die einzelnen Bild-Zeiten einander ein, ohne zu verhüllen, und hin und wieder scheint das fragile Gefüge zu zerbrechen, wenn der Film in der Kamera fehlerhaft transportiert wird und das Bild widerspenstig zu zittern beginnt.
Irgendetwas stimmt nicht in diesem vorerst ganz und gar gewöhnlich wirkenden Innenhof, das Bild ist scharf und unscharf zugleich. Durch die Mehrfachbelichtung ein- und desselben Filmstücks und durch das Beharren auf dem unveränderten Bildausschnitt entsteht ein ganzes Schichtwerk möglicher Zeit-Beziehungen, in dem sich die einzelnen Spuren kaum mehr voneinander abheben, geschweige denn auf eine Ursprungswelt zurückführen ließen. Sie sind einander gleichgültig. Und irgendwann wird die Vergangenheit des Geschehens umso deutlicher, als sich der Bildraum immer mehr in ein kubistisches Schichtwerk verwandelt und die einzelnen Zeitschichten nur mehr Indizien dafür sind, daß hier - irgendwann - etwas geschehen ist; etwas, das sich nicht mehr rekonstruieren, sondern bloß erahnen läßt. In diesen sanften Modulationen der Zeit bewegt sich die Wahrnehmung immer zwischen den Stühlen.

(Michael Palm: Which Way?, Drei Pfade durchs Bild-Gebüsch von Kurt Kren, in: Hans Scheugl (Hrsg.), Ex Underground Kurt Kren. Seine Filme, Wien 1996)

Ein Film von:
- Kurt Kren

Kategorie:
- Avantgarde/Kunst

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- 16 mm

Preis: 36 EUR

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