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DIESER FILM IST EIN GESCHENK
AT / 2019
72 min.

Daniel Spoerri macht Kunstwerke aus gefundenen Objekten, die ihre eigentliche Funktion verlieren, sobald er sie in seinen Bildern in neue Figurationen überführt. Anja Salomonowitz dreht Filme, die sich in der Regel der Vergegenwärtigung verschütteter Zeiten und Konflikte widmen. Ein Kreuzungspunkt der beiden ist DIESER FILM IST EIN GESCHENK, eine Arbeit, die ihre Werke auf äußerst persönliche Weise verschränkt.

Der Titel des Films suggeriert bereits, dass es mehr um eine Gabe als um eine Darstellung geht: Salomonowitz bedankt sich bei Spoerri mit diesem Porträt. Er hat ihr seinerseits eine seiner Assemblagen geschenkt, in der ein Porzellanherz, das mit ihrem verstorbenen Vater in Verbindung steht, einen privilegierten Platz einnimmt. Die Begegnung mit dem Künstler in seinem Atelier, einem Museum der weggeworfenen Dinge, wird zur Gelegenheit, seine Arbeit mit diesen Objekten, die "Fallenbilder", an seine Biografie zurückzubinden.
Spoerri, geborener Feinstein, stammt ursprünglich aus Rumänien, sein jüdischer Vater wurde verschleppt und ermordet. Die Schweiz bedeutete für den späteren Miterfinder des Nouveau Réalisme einen Neubeginn. Doch die Erinnerungen an die traumatische Vergangenheit bahnen sich eigene Wege: Spoerris künstlerische Praxis wird bei Salomonowitz auch als Versuch ersichtlich, sich mit dem verlorenen Anteil seiner Familiengeschichte zu konfrontieren.

Dennoch blickt der Film eher entschieden nach vorne als zurück. Er verortet Erinnerung in der Gegenwart. Salomonowitz´ Sohn Oskar fungiert als Stand-in und Gegenüber Spoerris. Er wiederholt manchen Gedankengang des Künstlers und fügt ihm allein durch seine andere sprachliche Nuancierung neue semantische Schwingungen hinzu. Der Künstler spricht nicht mehr über sich selbst, seine Leben und sein Tun hallen im Kopf eines anderen wider. Nichts geht verloren, alles setzt sich immer wieder auf überraschende Weise neu zusammen. (Dominik Kamalzadeh)


DIESER FILM IST EIN GESCHENK ist ein Film über den Künstler Daniel Spoerri. Eigentlich ist es ein Film über einen Gedanken von Daniel Spoerri: ein Film fast ohne Daniel Spoerri, eigentlich wird er meistens von einem Kind nachgespielt – um nicht weniger zu sagen, als dass alles immer irgendwie weitergeht im Leben, auch wenn man dazwischen mal stirbt. (Produktionsnotiz)

Ein Film von:
- Anja Salomonowitz

Kategorie:
- Dokumentarfilm

Orig.Spr.:
- Deutsch

Available Prints:
- DCP 2K

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