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Ralfs Farben
AT / DE / 2019
74 min.

Lanzarote. Ein experimentelles Porträt eines schizophrenen Mannes. Landschaft und Kino amalgamieren in diesem Film, sind Denk- und Empfindungsräume eines Innen und doch eben auch projizierte Bilder eines Außen. Ein Stillstehen in Bewegung,
ein Verharren im Fortlaufen, ein Gemälde in der Zeit. Das Denken des Mannes im Zentrum des Films verläuft nicht entlang gerader Linien, sondern in Kreisen, Spiralen und Möbiusschleifen und bestimmt die filmische Struktur. (Lukas Marxt)


"Wir können nicht das selbe Licht verwenden, sondern völlig neue Schlüssel mit völlig neuem Licht und selbst diese sind bedingt auffindbar", sagt Ralf einmal. Die Sätze des schizophrenen Mannes begleiten einen guten Teil des experimentellen Porträts von Lukas Marxt, legen sich über die Bilder von Lanzarote, wo der Protagonist zurückgezogen lebt. Landschaft und Kino amalgamieren in diesem Film, sind Denk- und Empfindungsräume eines Innen und doch eben auch projizierte Bilder eines Außen. Das Denken des Mannes im Zentrum des Films verläuft nicht entlang gerader Linien, sondern in Kreisen, Spiralen und Möbiusschleifen und bestimmt die filmische Struktur in ihrer Gesamtheit: Man verliert sich in diesem Raum, in der Zeit, in den Distanzen, sucht vergeblich nach einem Standort im eigentlichen, physischen Sinne und findet ihn stattdessen (und als Ergebnis dieser Unsicherheit) in einer Haltung, einer gewissen Formation des Denkens, die – paradoxerweise – in dauerhafter Bewegung verweilt, in einer "Sukzession der sich wandelnden Zustände" (Deleuze).
Ein Stillstehen in Bewegung, ein Verharren im Fortlaufen, ein Gemälde in der Zeit, Rousseau und Tarkovsky, ein Gedanke, der sich im Prozess des Denkens vollzieht. Dokumentarfilm, Science-Fiction, Mindfuck? – Man kommt ins Strudeln im Versuch zu beschreiben, was man sieht und hört, weil die Realität vor der Kamera auch eine vollkommen erdachte Zukunft sein könnte, oder Bilder aus einer Zeit vor dem Kino. Sprache, Schrift, Bilder, Musik sind in diesem Film zugleich zurückgenommen und überbordend, entleert und zu voll, um Sinn im eigentlichen Sinn zu erzeugen. Somnambul und doch wacher denn je blicken wir auf die Welt, Ralfs Welt, in der "Kinder gebaut" und "Leben geschrieben" werden, eine "Halbphantasy" und ein "neues Leben", in denen das "Wetter neu gerechnet wird", wie im Kino. Kinematografischer Wahnsinn und präzises Porträt eines Menschen, tanzen im Wind von Lanzarote, in der Nacht, im stroboskopischen Flackern einer Straßenlaterne, in völlig neuem Licht. (Alejandro Bachmann)

Ein Film von:
- Lukas Marxt

Kategorie:
- Experimental

Orig.Spr.:
- Deutsch

Available Prints:
- DCP 2K

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