Online-Katalog / Josef Dabernig :

Heavy Metal Detox
AT / 2019
12 min.

Josef Dabernigs Filme sind immer höchst ausgeklügelt, basieren auf akribisch ins Detail gehenden Drehbüchern. In einer selbstreflexiven Bewegung gilt seine Aufmerksamkeit aber auch der mechanischen Seite des Lebens mit seinen absurd definierten Elementen. In den Filmen legen dann Verkehrsregeln und Spielautomaten, Putzroutinen oder monotone Fitnessübungen den zutiefst komischen Charakter unserer Existenz offen – in ironischer Übereinstimmung mit Henri Bergsons Theorie des Mechanischen als Ursprung des Komischen. In Heavy Metal Detox sind die Zahnarztbohrmaschine und eine hoch präzise Abfolge medizinischer Prozeduren solche komischen Elemente, allerdings mit einer wichtigen Wendung: Der Künstler selbst unterzieht sich der Behandlung, was auch bedeutet, dass er die Kontrolle abgeben muss. Nicht komplett (der Film ist sorgfältig montiert), aber doch genug um jene Demut zu evozieren, welche Menschen befällt, wenn sie sich mit einer höheren Macht konfrontiert sehen, die hier der (all-)mächtige Zahnarzt ist. Dessen Perspektive (Normalsterblichen unbekannt, außer sie sind selbst Dentisten) ist es primär, aus der wir den Film sehen.

Die Behandlung wiederum hängt mit Dabernigs damaligem Gesundheitszustand zusammen, der es im betreffenden Jahr notwendig machte, alle Amalgamfüllungen auszuwechseln. Der menschliche Körper erhält also neue Ersatzteile, er wird repariert wie eine Maschine, upgedated wie eine Software. Und zugleich wird der Körper von Krankheitsrückständen befreit. Herzstück vieler Dabernig-Filme ist ja genau die Moderne Dialektik des "Gereinigten" und des "Unreinen" (das wir auch das Reale nennen könnten). Nie jedoch gibt er dabei die Ungelenkheit des Realen zugunsten einer künstlerischen Perfektion des Reinen auf – in seinen Filmen streiten und strampeln sich diese beiden vielmehr auf wahnsinnig komische Weise ab. Wie etwa im vorliegenden Film, wo die Orgelmusik von Christoph Herndler die Handlung "überhöht", sich aber subtil mit original Baustellengeräusch, wie Kompressoren und Bohrern vermischt. (Ekaterina Degot)

Übersetzung aus dem Englischen: Isabella Reicher

Ein Film von:
- Josef Dabernig

Kategorie:
- Experimental

Orig.Spr.:
- Kein Dialog

Available Prints:
- DCP 2K
- 35 mm

Preis: 48,00 EUR

Bestellen

Verleihbedingungen

more on Austrian Independent Film & Video Database:
- Credits
- Festival placements
- Texte und Bilder
- Biographie: Josef Dabernig