Volver la Vista - Der umgekehrte Blick

„Das sind nicht dieselben Äpfel“, hört man die Stimme einer alten Frau. Sie spricht Spanisch. Dann wechselt sie ins Wienerische: „Die sind säuerlicher in Wien. Und auch viel größer, wenn man sie kauft.“
Eine Vielzahl ortsverpflanzter Frauen und Männer hat Fridolin Schönwiese für seinen Dokumentarfilm Volver la Vista -– Der umgekehrte Blick interviewt. Österreicher, die heute in Mexiko leben, aus beruflichen Gründen, weil sie der Liebe gefolgt sind oder auch, weil sie damals im Dritten Reich, ihr Land verlassen mussten. Und Mexikaner, die sich in Österreich als Gastwirte, Künstler oder Musiker eine neue Existenz aufgebaut haben. Schönwiese lässt sie in ihrer neuen Sprache über die alte Heimat erzählen, einen Ort, den viele schon jahrelang nicht mehr gesehen haben und der sich in der Erinnerung zu einem ganz selektiven Konglomerat von Bildern, Tönen, Eindrücken verdichtet hat. Dabei sind die Sprechenden nie in der Interviewsituation zu sehen. Der Film belässt ihre Stimmen im Off, wo sie sich, weit gehend aus der Individualität gelöst, zur großen gemeinsamen Erzählung über das Fremdsein, über Verlust und Rekonstruktion der Identität, über kulturelle Vorurteile und Klischees und den imaginären Ort, zu dem das ehemals so konkrete Herkunftsland geworden ist, verweben.
Volver la Vista ist ein Langzeitprojekt, in dem fünf Jahre Arbeit stecken. Gedreht wurde mit zwei Kameramännern, dem Österreicher Johannes Hammel und dem Mexikaner Rafael Ortega, die, parallel zu den „umgekehrten“ Sprachen auf der Tonebene, ihren Blick auf das jeweils andere Land richteten. Die so entstandenen Aufnahmen kommunizieren auf ganz unerwartete Art, finden Österreich in Mexiko und umgekehrt, laufen sich zuwider oder ergänzen sich mit viel Humor, wenn etwa ein Zug über eine hitzeflirrende mexikanische Hochebene in einen Tunnel fährt, um in den winterlichen Alpen daraus wieder aufzutauchen.
(Maya McKechneay)

DVD zu erwerben unter: www.volverlavista.com oder bei sixpackfilm

Orig. Titel
Volver la Vista - Der umgekehrte Blick
Jahr
2005
Länder
Österreich, Mexiko
Länge
90 min
Kategorie
Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Spanisch, Deutsch
Untertitel
Englisch, Spanisch, Deutsch
Credits
Regie
Fridolin Schönwiese
Konzept
Fridolin Schönwiese
Drehbuch
Fridolin Schönwiese
Kamera
Johannes Hammel, Rafael Ortega
Musik
Michael Palm, Antonio Fernandez Roz
Ton
Rogelio Villanueva
Schnitt
Karina Ressler
Produktion
Amour Fou Filmproduktion, Producciones Sincronía (MEX)
Produzent*in
Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Gabriele Kranzelbinder
Produktionsleitung
Zepp Berensmeier
Co-Produzent*in
Fridolin Schönwiese, Rafael Ortega
Verfügbare Formate
Festivals (Auswahl)
2005
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films (AAC Preis für die beste Kamera)
Locarno - Festival Int. de film
Mexico City - EU Filmfestival
Morelia - Int. Film Festival (Mexiko)
Firenze - Festival dei Popoli
2006
Saarbrücken - Filmfestival Max Ophüls Preis