Remade: Hans Scheugls „Wien 17, Schumanngasse“

Mehr als ein halbes Jahrhundert liegt zwischen den beiden Filmen. Im Januar 1967 realisierte Hans Scheugl mit Wien 17, Schumanngasse seine erste unabhängige Arbeit: ein knapp dreiminütiger Phantom Ride, wobei Anfang und Ende der Straße auch Anfang und Ende des Films sind. Im Januar 2020 stellte Karl Wratschko ein „Remake“ her: die gleiche Straße, die gleiche Dauer und das gleiche Format, 16mm, Schwarzweiß, kein Ton. Remade: Hans Scheugls „Wien 17, Schumanngasse“ ist weniger künstlerische Appropriation als vielmehr Hommage: ein Rückgriff auf einen Klassiker der Wiener Avantgarde, der diesen – anders als im kommerziellen Film üblich – weder ausstechen noch gar auslöschen soll, sondern ihn quasi verlebendigen und vermehrt zurück auf die Leinwand bringen wird.

Filmgeschichte ist also keine Einbahnstraße; die Schumanngasse, die seltsamerweise 1894, zwei Jahre vor Robert Schumanns Tod, zu Ehren des deutschen Komponisten so benannt wurde, inzwischen schon. Das ist eine der auffälligsten Veränderungen, wenn man die beiden Filme hintereinander oder, noch besser, parallel als Doppelprojektion sieht. Die meisten Brachflächen entlang der Fahrt, die am Währinger Gürtel beginnt und vor einem Fußgängersteg zur Gersthofer Straße endet, sind jetzt zugebaut; parkende Autos dominieren das Straßenbild, es sind noch weniger Leute unterwegs als damals.

Die unspektakuläre Hässlichkeit der Schumanngasse tritt gegenüber dem forcierten Tempo, mit der es die anderthalb Kilometer lange Strecke stadtauswärts geht, in den Hintergrund. Es gibt keine Ampeln, dafür elf Querstraßen: Das macht den Film, den neuen wie den alten, zum nervenaufreibenden Actionfilm. – Fahrzeit, Aufnahmezeit, Vorführzeit, alles gleich. Erst mit dem letzten Bild, der Signatur des Films, nimmt Remade: Hans Scheugls „Wien 17, Schumanngasse“ gewitzt eine Abzweigung vom Original: Er endet mit einem Straßenschild vom Anfang der Einbahn – „Wien 18, Schumanngasse“. (Michael Omasta)

Orig. Titel
Remade: Hans Scheugls „Wien 17, Schumanngasse“
Jahr
2021
Land
Österreich
Länge
3 min
Kategorie
Experimental
Orig. Sprache
kein Dialog
Downloads
RHSW17_01 (Bild)
RHSW17_02 (Bild)
RHSW17_03 (Bild)
Credits
Regie
Karl Wratschko
Kamera
Karl Wratschko
Produktion
Karl Wratschko, God's Entertainment
Mit Unterstützung von
Wien Kultur MA 7, SHIFT
Verfügbare Formate
16 mm (Distributionskopie)
Bildformat
4:3
Tonformat
Stumm
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
s/w
DCP 2K flat (Distributionskopie)
Bildformat
4:3
Tonformat
Stumm
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
s/w
Digital File (prores, h264)