KRAI

Früher sei Film noch eine Kunst gewesen, die sich ganz dem Leben verpflichtet hat, heißt es einmal in KRAI. Nun hingegen sei diese Form wie so vieles andere von der Profitgier korrumpiert.
Aleksey Lapin stimmt dieser Klage in seinem Film nur augenzwinkernd zu: Sein Porträt eines Dorfes an der russisch-ukrainischen Grenze sitzt mit seiner rhapsodischen, poetischen Form keinem Trend auf. Und außerdem ironisiert Lapin die Aussage gleich selbst: Die zwei im Müßiggang vor sich hin plaudernden Burschen werden von ihrem Filmteam wachgerüttelt - „Drehen wir heute noch was?“

Damit ist schon Einiges über das Selbstverständnis dieses Schwarzweißfilms gesagt. Lapin fingiert darin den Castingprozess zu einer Arbeit über seinen Heimatort. Hybrid ist der Film schon deshalb, weil er aus dieser Tarnung heraus seine Begegnungen sucht: Indem der Regisseur seine Absicht offenlegt, lockt er die Dorfbewohner heran, die sich der Kamera gegenüber großzügig zeigen, ihre Sehnsüchte offenbaren. Beobachtete Szenen wie in einer orthodoxen Kirche wechseln mit Gesprächen, etwa mit einer ehemaligen Lehrerin. Und dann scheint sich der Film wieder von der Arbeit weg zu bewegen, wandert zu einem Mann mit Pferd an ein Flussufer oder in die Felder zu den Bauern.

KRAI folgt bei alldem eher der satirischen Tradition eines Jonathan Swift; die wunderlichen Seiten der Realität werden ein wenig deutlicher hervorgestrichen. Seltsame Gerüchte über Elektromagnetismus sind im Umlauf, Autos krepieren mitten auf der Straße. Lapins Blick auf die Dorfbewohner ist liebevoll, aber nicht ungebrochen: Niemals würde er jemanden auflaufen lassen; doch er sucht das Archetypische in den Charakteren. Sei es ein Eigenbrötler, der seinen Vogel befreien will, oder eine Frau, die ein Kinderzimmer mit neuen Tapeten überzieht - KRAI zeigt ein Dorf, dessen versteckte Geschichten man mit etwas Magie heraufbeschwören muss. (Dominik Kamalzadeh)

Orig. Titel
KRAI
Jahr
2021
Land
Österreich
Länge
123 min
Kategorie
Hybrid
Orig. Sprache
Russisch, Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel
Englisch
Downloads
KRAI_01 (Bild)
KRAI_02 (Bild)
KRAI_03 (Bild)
Credits
Regie
Aleksey Lapin
Kamera
Adrian Campean
Kameraassistenz
Fjodor Guerlein
Ton
Jaroslaw Redkin, Yuriy Todorov
Schnitt
Sebastian Schreiner
Sound Design
Lenja Gathmann
Darsteller*in
Elena Nozhenko, Raisa Nozhenko, Vsevolod Nikonov, Arianna Han, Svetlana Gonstein
Produktion
Horse&Fruits
Produzent*in
Thomas Herberth, Florian Brüning
Mitwirkende/r
Bewohner*innen von Jutanovka, Volokonovka und Umgebung / The local village people of Jutanovka, Volokonovka and surroundings
Regieassistenz
Claudia Joldes
Mit Unterstützung von
ORF Film/Fernseh-Abkommen, BKA - innovative film
Projektentwicklung
ÖFI - Österreichisches Filminstitut
Verfügbare Formate
DCP 2K flat (Distributionskopie)
Bildformat
1:1,37
Tonformat
Dolby Digital
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
s/w
Digital File (prores, h264)