gewesen sein wird

Ein poetischer Streifzug durch die Wohnung von Heinz Frank, Wiener Künstler und Architekt, der seine Wohnung zu Lebzeiten in ein Kunstwerk verwandelte. Seine Tochter Lilli Breuer kämpft seit seinem Tod für den Erhalt dieses kleinen Schatzes. (Produktionshinweis)

Noch bevor das Bild uns einlässt, erhalten wir, über Schwarzfilm, in einem Dialog zweier Frauen schon ein paar entscheidende Hinweise zur Immobilie. Die Wohnung des Wiener Künstlers und Architekten Heinz Frank (1939-2020), die anschließend in körnigen, farbintensiven 16mm-Aufnahmen sukzessive durchmessen wird, ist ein Unikat: Im Eingangsbereich eine freistehende Emailbadewanne, hinter Vorhängen eröffnen sich alle Räume. Schnell wird der Blick auf Details gelenkt: Ecken, Kanten, Passformen, Durchreichen – und rötlich-braune Lackierung mit Holzmaserung.  

Die Musterwalze als Lösung dieses Rätsels wird uns gleich darauf gezeigt. Die Höhe des Auftrags sei auf die Körpergröße des Bewohners abgestimmt gewesen, erzählt seine Tochter, Lilli Breuer-Guttmann, der Filmemacherin weiter im Voiceover, die Wohnung seine „dritte Haut“. Als dementsprechend anpassungsfähig entpuppt sie sich: Wände lassen sich lateral verschieben oder schräg stellen, entlang der Fensterseite werden großzügige Arbeitsflächen ausgeklappt, über eine Treppe aus gestapelten Kuben gelangt man nach oben, in ein Lager. In Einbauschränken und Laden warten Gebrauchsgegenstände, künstlerische Arbeiten und Zierat.

Das Interesse am und der Sinn fürs Hintergründige, Doppelbödige, Vielfältige, für überraschende Ausblicke, verborgene Funktionen ziehen sich durch die filmischen Architekturstudien, die Sasha Pirker seit rund fünfzehn Jahren herstellt. Und das zieht mit: Dinge werden nicht nur gezeigt, sondern buchstäblich begriffen. Auch den jüngsten Film zeichnet dabei seine dramaturgische Klarheit aus, gewesen sein wird funktioniert als fröhliche Führung durch diese Wohnung, als Einblick in eine künstlerische Praxis und in eine Tochter-Vater-Beziehung. Knapp siebzehn Minuten lang hören und sehen wir, und dann verstehen wir etwas davon, wie hier alles zusammenhängt. Ein Film, im besten Sinne selbsterklärend. (Isabella Reicher)

Orig. Titel
gewesen sein wird
Jahr
2022
Land
Österreich
Länge
17 min 30 sek
Regie
Sasha Pirker
Kategorie
Experimental, Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Deutsch
Untertitel
Englisch
Credits
Regie
Sasha Pirker
Kamera
Ortrun Bauer
Kameraassistenz
Judith Augustinovic
Schnitt
Sasha Pirker
Sound Design
Stefan Németh
Dramaturgische Beratung
Dariusz Kowalski
Sound Mastering
Andreas Pils
Farbkorrektur
Kurt Hennrich
Übersetzung
Janet Grau
Mit Unterstützung von
Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport / Federal Ministry for Arts, Culture, the Civil Service and Sport
mit
Lilli Breuer-Guttmann
Verfügbare Formate