Das Pool Paradoxon

KI-Werkzeugen wird gemeinhin nachgesagt, dass sie nur „nachplappern“ würden, was sie im Zuge ihres aufwändigen Trainings erlernt haben. Dass dem nicht so ist, beweist Dominik Hruzas Das Pool Paradoxon, worin der Einsatz solcher Werkzeuge auf versatile Weise miteinander verzahnt wird. Hruza setzt unterschiedlichste generative Tools dazu ein, um dem Konstrukt Film durch medienübergreifende Zeichenverkettungen einen ebenso komplexen wie bestechend einfachen Bauplan zu geben. Da ist zunächst ein absurder, von allerlei assoziativen Volten und Wandlungen durchzogener literarischer Text, lose angelehnt an die Prosatexte (KI-bearbeitet!), die der Dadaist Kurt Schwitters in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert verfasst hat. Schwitters’ Stimme ist es auch, die diese groteske Endlosmetamorphose, möglich gemacht durch ein Text-to-Speech-Programm, aus dem Off verliest. Für die Bildebene hat Hruza ein KI-Programm mit eigenen Zeichnungen gespeist, woraus – unter Bezugnahme auf Schwitters’ Collagetechnik – Animationen entstanden, die in Summe einen unablässig sich wandelnden Comicroman ergeben. Fließende Tableaus aus kleinteiligen Grafikelementen gehen über in figurative Verdichtungen, im Zuge dessen sich die (Rest-)Wirklichkeit zunehmend in einem Pool aus Absurditäten auflöst. Menschen werden zu Objekten, während Gegenstände ein Eigenleben entwickeln und alles – eine Fabrik, in der Sätze repariert werden, eine Bibliothek aus essbaren Büchern, ein Restaurant, in dem es „rückwärts“ gekochte Speisen gibt – immer paradoxer anmutet. Solcherart versinnlicht sich ein multimedialer narrativer Kosmos, ohne dass dieser auf eine klar fassbare Sinn-Ebene rückführbar wäre. Der Pool, aus dem diese Art von Generativität schöpft, mag finit sein. Das orchestrierte Chaos, das daraus herausvorgeht, schillert hingegen in unendlich vielen Facetten. (Christian Höller)

Orig. Titel
Das Pool Paradoxon
Jahr
2026
Land
Österreich
Länge
11 min
Kategorie
Animation
Orig. Sprache
Deutsch
Credits
Regie
Dominik Hruza
Konzept & Realisation
Dominik Hruza
Verfügbare Formate
DCP 2K flat (Distributionskopie)
Bildformat
3:2
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
s/w