Underdog Treadmill
„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ heißt es so schön. Underdog Treadmill beginnt dort, wo dieser Zauber ausbleibt: bei all der Mühsal, die sich vor der Realisierung einer Idee anstaut.
Die Medienkünstlerin Anna Vasof richtet die Kamera auf ihre neueste mechanische Konstruktion: Ein Hundelaufband, das sie nach dem Prinzip des Praxinoskops in einen kinematografischen Apparat verwandelt hat. Auf den 62 Holzleisten sind einzelne Bilder befestigt, die ein gegenläufig rotierender Spiegel zu einer bewegten Sequenz fügt. Setzt sich die Vorrichtung in Gang, wird ein klassischer Filmcountdown sichtbar, der sich unaufhörlich wiederholt. Nur läuft er, entgegen der Konvention, aufwärts. Während die Regisseurin auf dem Band läuft und die ratternden Zahlen filmt, wird die Ankündigung des Beginns selbst zur endlosen Schleife. Die geweckte Erwartung bleibt im Warmlaufen hängen.
Analog zum repetitiven Rhythmus des Countdowns setzt sich ein tretmühlenartiger Gedankenstrom in Gang. Aus dem Off reflektiert die Regisseurin im nüchternen Sprachduktus bei hölzernem Klackern, weshalb ihre Filme nicht beginnen. Vermeidungsstrategien wie das Warten auf den Spülgang, ermüdende administrative Vorgänge und sich einschleichende existenzielle Ängste verdichten sich zu einer Blockade, die sich im Hamsterrad des Produktivitätszwangs zuspitzt. Mit Selbstironie und Humor umkreist der Film diese Entfremdungsdynamiken, die der filmischen Arbeit vorausgehen.
Im Laufe der performativen Aktivierung schält sich in der Gedankenspirale die Erkenntnis „the process replaces the film“ heraus, wodurch der Film zu seinem eigenen Ursprung vordringt. Plötzlich beginnen sich die Beschränkungen in etwas Befreiendes umzukehren: Im Underdog-Dasein scheint die Entsagung von den auferlegten Anforderungen auf. Und so läuft der Countdown herunter, bis womöglich alles von Neuem beginnt. (Charlie Bendisch)
Underdog Treadmill
2026
Österreich
4 min