Entfernungen

Ein junger Mann kommt vom Land nach Wien, er will eine Arbeit annehmen. Martin ist sein Name, er ist schüchtern, unbeholfen, sein Gesicht ausdruckslos. Martin fängt in einem großen Elektromarkt als Verkäufer an, sein Uniformhemd ist gelb, sein Lächeln vor dem Garderobenspiegel („Check your smile“) ein erzwungenes. Die Inszenierung ist knapp, kein Bild zuviel, und die Kürze der Dialoge lässt Raum für die (Tragi-)Komik des Moments.
Noch ist Martin alles fremd an der Großstadt, die Bewegung des öffentlichen Verkehrs lässt die Gebäude nur in der Distanz vorbeirauschen.
In der Arbeit freundet er sich langsam mit dem etwas älteren Kollegen Woschitz an – ein sprichwörtlicher Hallodri, ein bisschen renitent, eher arbeitsscheu, in seiner Pause trinkt er gerne ein Bier. Im Gegensatz dazu der Streber-Kollege, Stocker – wie der Name suggeriert: (stock)steif, korrekt, ein Denunziant, wie sich später herausstellen wird.
Die Konkurrenzsituation am Arbeitsplatz ist ebenso offensichtlich wie die Tätigkeit selbst langweilig ist: mehr oder weniger gelungene Verkaufsgespräche, dazwischen immer wieder Warten, Stillstand.
Genau beobachtet sind die Settings eines einsamen Lebens in der Garconniere des Onkels – ohne Bad, die Haare müssen über der Küchenspüle gewaschen werden, manchmal ruft die Mutter an. Gleichermaßen als Fluchtpunkt wie als rhythmische Interpunktion wird die sozialrealistische Skizze immer wieder unterbrochen durch traumähnliche Sequenzen vom weiten, weißen, verschneiten Feld und der flüchtigen Begegnung mit einer joggenden jungen Frau, dem Objekt seiner jugendlichen Begierde.
Im Elektromarkt wird währenddessen gemobbt, nach einem kleinen Eklat gerät Martins Verhör durch den Chef zur Fraternisierungsszene unter Männern, und Martin muss sich entscheiden – für die alkoholgetränkten, männerwitzelnden Machtstrukturen oder für ein Zeichen der Solidarität.
(Dieter Pichler)

Orig. Titel
Entfernungen
Jahr
2006
Land
Austria
Länge
27 min
Kategorie
Kurzspielfilm
Orig. Sprache
Deutsch
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Entfernungen (Bild)
Credits
Regie
Alexander Stecher
Drehbuch
Alexander Stecher
Kamera
Anna Manhardt
Musik
Gernot Kogler, Gudrun Liemberger, Eric Spitzer-Marlin
Ton
Hjalti Bager-Jonathansson
Schnitt
Tanja Schwaiger
Ton
Daniel Fritz
Sound Design
Stefan Rosensprung
DarstellerIn
Gerhard Roisz, Georg Allacher, Christoph Dostal, Peter Simonischek, , Franz Denninger, Lilian Klebow, Katharina Schwarz
Ausstattung
Daniel Steinbach
Kostüme
Alexandra Burgstaller
Maske
Johanna Jagoditsch, Isabella Koppensteiner, Tanja Wallisch
ProduzentIn
Gregor Centner
Steadicam-Operator
Oliver Brosenbauer
Mit Unterstützung von
Burgenland Kultur, Wien Kultur
Verfügbare Formate
Betacam SP PAL (Distributionskopie)
Bildformat
16:9
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Festivals (Auswahl)
2006
Tel Aviv - Int. Studentenfilmfestival
2007
Wien - VIS Vienna Independent Shorts
Münster - Int. Filmfestival