La sombra de un dios

Selten gelingt es einem Film, dass wir nach seinem Konsum erfüllt und doch ratlos zurück bleiben. La sombra de un dios von Bernhard Hetzenauer gehört zu dieser Gattung von Werken. In ruhigen schwarz-weiß Einstellungen entwirft er eine ungeheuerlich scheinende Geschichte. Chon, ein Angehöriger des Volkes der Huichol in Mexiko, erzählt mit ruhiger Stimme von seinem Cousin Faustino, der nach dem gemeinsamen Konsum von Peyote plötzlich das Bewusstsein hatte ein Gott zu sein. Über eine fein komponierte Bilderfolge von grau schattierten, hügeligen Landschaften und dem stummen Gesicht des Erzählers legt der Regisseur einen Klangraum aus den Atmosphären des Ortes und der hypnotisierenden Stimme des Erzählers. Was dieser berichtet steht jedoch in einem äußersten Gegensatz zu der ruhigen Bildsprache. Faustino, der Gott, wie ihn auch Chon konsequent bezeichnet, bringt nach seiner Erweckung eine Gruppe von 40 Menschen in seine Kontrolle und richtet unter diesen ein Blutbad an. Dem Erzähler, dessen engste Verwandte zu den Opfern dieses Terrors gehören, gelingt die Flucht in die nächste Stadt. Von dort brechen Polizisten auf und töten schließlich den Gott.

"Durch den Peyotl überspringt man die Zeit", schreibt Antonin Artaud 1936, nachdem er zu den Tarahumaras in Mexiko aufgebrochen war. Diesen Einbruch von etwas Anderem, das nicht den Gesetzen des Raum – Zeitkontinuums folgt, stellt der Regisseur in diesem Film durch die Differenz zwischen der Erzählung, die keine Erklärung für dieses Ereignis liefert, und der schlüssigen Komposition von Bild und Ton dar. Der Riss zwischen der Schönheit der Bilder und dem Grauen des erzählten Geschehens lässt den Film an das Erhabene rühren. Von diesem sagt Longinus, dass "wo es am rechten Ort hervorbricht, (es) den ganzen Stoff wie ein plötzlich zuckender Blitz zerteilt." (Boris Manner)


Ein Mann verliert Familie und Freunde durch die Hand eines Gottes. Besser gesagt, durch die Hand eines anderen Mannes, der sich zum Gott erklärt hat und jeden metzelt, der das nicht kapieren will. Dass man so etwas auch ohne Reenactment höchst wirkungsvoll inszenieren kann, beweist Hetzenauer mit einem klug und klar komponierten, ruhigen und sehr berührenden Film. Er weiß eine aberwitzige und todtraurige Geschichte zu erzählen, vertraut dabei ganz auf die Präsenz seiner Protagonisten und gibt als Fußnote Erschütterndes über Fernsehnachrichten zu Protokoll. (Viennale 2017)

Orig. Titel
La sombra de un dios
Jahr
2017
Länder
Mexico, Austria, Germany
Länge
20 min
Kategorie
Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Spanisch
Downloads
Credits
Regie
Bernhard Hetzenauer
Drehbuch
Bernhard Hetzenauer
Kamera
Bernhard Hetzenauer
Ton
Marco Antonio Lujan
Schnitt
Bernhard Hetzenauer
Ton
Aarón Oliveros Soria, Alan Rodríguez Cervantes
Sound Design
Atom studio, Mexico, Roberto Félix Sánchez
Projektberatung
Manuel Benítez Espinoza
Schnittberatung
Clementina Mantellini
Farbkorrektur
Antonio R. De Nicolás
DarstellerIn
Anita Ramos Ahumada, Ascención Carrillo Gonzalez, Maria Anita Conchas Medina
Produktion
Filmatelier 5, Hetzenauer & Mijatovic (AT), Hetzenauer & Mijatovic (DE)
ProduzentIn
Bernhard Hetzenauer, Marko Mijatovic, Antoniu Valentin Moldovan
Mit Unterstützung von
Land Tirol, Centro Nacional de las Artes Mexico City, BmeiA, Secretaría de Relaciones Exteriores Mexico, PACMYC/CONACULTA, Werkleitz, Goethe Institute Mexico, Land Oberösterreich, FONCA
Verfügbare Formate
DCP 2K (Distributionskopie)
Bildformat
16:9
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
s/w
Festivals (Auswahl)
2017
Viennale - Vienna Int. Film Festival
2018
Mexico City - Shorts Mexico (Mejor Cortometraje Mexicano Documental)
Saarbrücken - Filmfestival Max Ophüls Preis
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films
Mexico - FICUNAM Film Festival
Linz - Crossing Europe Film Festival (Local Artists Innovative Film Award)
Hamburg - Dokumentarfilmwoche
Trento - Film Festival
Wien - VIS Vienna Shorts
Sheffield - Int. Documentary Film Festival
Guanajuato - Festival internacional de Cine
Quito - EDOC Festival Internacional de Cine Documental Encuentros del Otro Cine
Lima - TransCinema Festival Internacional de Cine
St.Petersburg - Message of Man Festival
Buenos Aires – FIDBA International Documentary Film Festival
Wien - zeitimpuls (Kurzfilm Hauptpreis)
Szczecin - European Film Festival
St. Luís Potosí (MX) - Festival Int de Cine (Best Short Documentary)
Pančevo (SRB) - Film Festival
Mexico - DocMX Festival Internacional de Cine Documental (Fragmentos: Jury Award)
2019
Belgrade - BelDocs Int Documentary Film Festival
Ann Arbor - Film Festival
Montevideo - Festival Cinematográfico Internacional del Uruquay
Pachuca/Hidalgo (MX) - FINI Festival Internacional de la Imagen (Primer Logar Profesional Video Documemtal)
2020
Bad Aibling - Nonfiktionale