animistica

Am Anfang von Nikki Schusters animistica erwacht man in einem unruhigen Traum und findet sich zu einem sonderbaren Ungeziefer verwandelt. Insektengleich wühlt der Filmblick in einem dunklen, mürben Untergrund – als würde er den Käfern angehören, die in der berühmten Eröffnungssequenz von David Lynchs Blue Velvet hinter idyllischer Rasenfassade rumoren. Doch es ist kein bloßes Erdreich, das hier durchmessen wird: Organische Texturen aller Art fließen am Zuschauer vorbei und ineinander, unzählige Großaufnahmen mexikanischer Flora und Fauna verschmelzen per Morphing-Effekt zu einem pulsierenden Bildgewebe, es entsteht der Eindruck einer instinktiven Krabbelei durch ein wundersames Fantasie-Biotop. Dessen Grundprinzip ist, wie in der Natur selbst, unablässige Veränderung, das Wechselspiel von Wachstum und Verfall: Erde wird zu Rinde wird zu Knochen wird zu Federn wird zu Sand und Stein und Pelz und Fell.
Selbstverständlich hat diese mutierende Welt auch ihren eigenen Klang, der nicht minder vielgestaltig daherkommt. Es knistert und knackst, raschelt und scharrt, rattert und zirpt – eine regelrechte Musique concrète et organique. Genau wie auf der Bildebene, wo ab und zu kuriose synthetische Einsprengsel keimen, ist man sich bei dieser Geräuschsymphonie nie sicher, was an ihr "künstlich" ist und was "natürlich". Das einzige, was man ihr zweifelsfrei attestieren kann, ist Unheimlichkeit – zu der im Übrigen der ganze Film neigt. Streifzüge über verwesende Tierkadaver, wuchernde Spinnweben, dumpfes Dröhnen wie von hungrigen Fliegenschwärmen: animistica wurlt dezidiert im Grenzgebiet des Horrorkinos. Und wie dessen spannendste Vertreter taucht Schuster mutig in die Finsternis, ergötzt sich am Ekel, preist die Pracht der Fäulnis: Ein Kaleidoskop der Ökologie in all ihrer schrecklichen Schönheit. (Andrey Arnold)

Orig. Titel
Animistica
Jahr
2018
Länder
Austria, Mexico, Germany
Länge
7 min
Kategorie
Animation
Orig. Sprache
Kein Dialog
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animistica (Bild)
Credits
Regie
Nikki Schuster
Sound Design
Nikki Schuster
Tonmischung
Sebastian Müller
Animation
Nikki Schuster
Produktion
Fiesfilm
Mit Unterstützung von
Künstlerinnenprogramm 2018
Verfügbare Formate
DCP 2K
Bildformat
16:9
Tonformat
5.1 surround
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe
Festivals (Auswahl)
2018
Viennale - Vienna Int. Film Festival
Wien - Two Days Animation Festival (Bester Ton/Musik + Publikumspreis)
Winterthur - Kurzfilmtage
2019
Tacoma Film Festival
Denver - Int. Film Festival
Aix-en-Provence - Festival Tous Courts
Sundance Film Festival
Praha Short Film Festival
Graz - Diagonale, Festival des österreichischen Films
Washington - Environmental Film Festival
Dortmund / Köln - Internationales Frauenfilmfestival
Hong Kong - Int. Film Festival
Marseille - RISC Rencontres Int. Sciences et Film
Linz - Crossing Europe Film Festival (Local Artists Preis Innovativer Film)
Seattle - Int. Film Festival
Torino - CinemAmbiente
Guanajuato - Festival internacional de Cine
Fantoche - Animationsfilmfestival Baden
Paris - L'Etrange Festival
Genève - Animatou Festival Int. du film d´animation
Aix-en-Provence - Festival Tous Courts
Braunschweig - Internationales Filmfestival
Paris - L'Etrange Festival
Tallinn - Black Nights Film Festival
Wiesbaden - exground on screen
Mexico City – Stuff MX Film Festival
2020
Regensburg - Kurzfilmwoche
Stuttgart - Filmwinter, Expanded Media Festival