Gli appunti di Anna Azzori / Uno specchio che viaggia nel tempo

Gli appunti di Anna Azzori / Uno specchio che viaggia nel tempo
Gli appunti di Anna Azzori / Uno specchio che viaggia nel tempo

Mit dieser italienischen Zeitreise setzt Constanze Ruhm ihre Variationen über weibliche Figuren des modernen Kinos fort. In einer essayistischen Doppelbewegung forscht die Künstlerin nach der Geschichte der Dreharbeiten eines Films und nutzt das gefundene Material für die imaginäre Umschrift einer Rolle. Nach Godards Nana S. fällt die Wahl nun auf Anna, römisches Cinéma Vérité aus der Hand von Alberto Grifi und Massimo Sarchielli, das im kritischen Gestus der siebziger Jahre den Blick zur politischen Frage machte. Ausgehend von Archivbildern und -tönen wechselt Gli appunti di Anna Azzori nun die Perspektive, aus der sich der Wahrheitsgehalt der dokumentarischen Inszenierung vermessen lässt. Ovids Metamorphosen dienen dabei als Rahmen, das poetische Verwandlungspotential von Figuren, Objekten und Orten des Films auszuloten. Anna entstand auf Video, aus der Begegnung mit einer minderjährigen, drogenabhängigen Schwangeren, die auf der Piazza Navona gestrandet war. Die teilnehmenden Beobachter bemühen sich, das vorgefundene Milieu reflexiv miteinzubeziehen, doch nicht alle Widersprüche lassen sich aufheben. Stilisiert Grifis Montage einen Beleuchter, der ungeplant vor die Kamera tritt, zum handelnden Subjekt, so unterstreichen Ruhms Entnahmen aus Schnittresten Annas Widerstand. Die elektronische Störung figuriert dabei als Verweis auf den medialen Transfer und als Markierung von Fehlstellen. Gli appunti di Anna Azzori ist eine Entführung schwarzweißer, schattenhafter Gestalten ins Heute. Im Zeitalter des Computerspiels stellt ein Reigen von Annas Wiedergängerinnen die damaligen Blickanordnungen erneut auf die Probe. Die zum farbenfrohen Casting angetretenen jungen Schauspielerinnen bilden einen postfeministischen Echoraum, in dem die Parolen der zweiten Frauenbewegung nachklingen: "... non abbiamo paura".
(Christa Blümlinger)

Orig. Titel
Gli appunti di Anna Azzori / Uno specchio che viaggia nel tempo
Jahr
2020
Länder
Austria, Germany, France
Länge
72 min
Kategorie
Essay, Fiktion
Orig. Sprache
Italienisch, Deutsch
Credits
Regie
Constanze Ruhm
Kamera
Hannes Böck
Musik
Gael Segalen
Schnitt
Hannes Böck, Constanze Ruhm
Ton
Sebastian Meyer, Theda Schifferdecker, Anna Spanlang, Hannes Böck
Tonmischung
Sebastian Meyer
DarstellerIn
Gemma Vannuzzi
Stimme
Constanze Ruhm, Gemma Vannuzzi, Judith van der Werff
Produktion
Constanze Ruhm
Regieassistenz
Jessyca R Hauser
Mit Unterstützung von
Bundeskanzleramt, Land Niederösterreich
Chorleitung
Florian Paul Ebner
Verfügbare Formate
DCP 2K (Distributionskopie)
Bildformat
1:1,85 flat
Tonformat
Dolby 5.1.
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
Farbe
Festivals (Auswahl)
2020
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