horizon/1

Horizont einer Stadt. In heftigen Bewegungen, einmal nach links, einmal nach rechts, wird der Horizont abgefahren, abgetastet, abgesucht, dann die Bewegung abrupt gestoppt, wieder akzeleriert, in den Stadtkörper hineingezoomt. Jedoch: die Stadt wird nicht sichtbar, sie verharrt unerkennbar hinter dem Bild. Es ist die Wahrnehmung eines Apparates, der in zahllosen Versuchen etwas erfassen, erkennen und vielleicht verstehen will, die scheitert. Der apparative Blick wird systematisch durch sich selbst behindert, sein elektronisches Bildfeld unterliegt Störungen des Materials, Frequenzstörungen, Rauschen, ein Ausreißen der Information. Zudem ist er gänzlich unscharf, lässt sein Motiv bloß erahnen. Diese Fehler, dieses Auslassen und Verhindern, sie gestalten, sie formen das Zu-Sehende, das vage Abbild. Sie machen aufmerksam auf den Apparat selbst, lassen seine Präsenz spüren, sein optisches Ungenügen, seine Bilddifferenz ist zugleich sein ästhetisches Projekt.

Vielleicht läßt sich das Shannon´sche Informationsentropiegesetz anwenden: Ein Maximum an Information bedingt/gestaltet ein Maximum an Störung. Der peilende Ton kennt gleichfalls nur zwei Zustände, schnell und punktierend. Er scheint das Bild und seine Suche voran zu treiben, ohne Erfolg. Wenn gegen Ende die Bewegung verlangsamt und die verschleierte Stadt sich beinahe zur Gänze in ein diffuses Grau auflöst, mag die eigene Wahrnehmung eine gewisse Beklemmung befallen ob der Unsicherheit darüber, wer dann nun tatsächlich versucht hat, etwas zu erkennen.

(Marc Ries)


Die Stadt ist beliebig. Mit Blick über die Dächer versucht man automatisch bekannte Stadtmerkmale aufzuspüren und zu verorten. Man zoomt mit optischen Hilfsmitteln in vertraute Masstäbe, und setzt signifikante Bezugspunkte der Stadt - sogenannte Landmarks - in Relationen. Die Schwenkbewegung der Kamera lässt die Stadtoberfläche abstrakt erscheinen. Nach dem Auffinden eines städtischen Raumpunktes beginnt zugleich die erneute Suche nach anderen. Der Betrachter bewegt den Sucher rasant von einem Stadtzeichen zum nächsten ohne lange innezuhalten. Parallel dazu arrangiert er im Kopf alle räumlichen Informationen neu. Mit der abtastenden Bewegung eines Scanners erlebt man die Stadtansicht als 2-dimensionale Silhouette, die mit dem Horizonz verschmilzt.

[n:ja]

Weitere Texte

horizon/1 (texte français)

L'horizon d'une ville. De violents mouvements, tantôt à gauche, tantôt à droite, parcourent l'horizon, le balaient, le ratissent ; soudain le mouvement s'arrête brutalement, avant de s'accélèrer à nouveau, puis de faire un zoom sur la masse urbaine. Mais la ville n'en devient pas visible pour autant, elle demeure méconnaissable derrière l'image. Telle est la perception d'un appareil qui, malgré d'innombrables tentatives pour saisir, reconnaître et peut-être comprendre quelque chose, échoue. Le regard de l'appareil se fait sans cesse obstacle à lui-même, son champ visuel électronique est soumis aux dysfonctionnements du matériel – variations de fréquence, souffle, interruption de l'information. En outre, il est totalement flou, laisse à peine deviner le motif. Ce sont ces erreurs, ces ratées et ces blocages, qui composent et forment ce qui est donné à voir, le reflet vague. Ils attirent l'attention sur l'appareil, font percevoir sa présence, son insuffisance visuelle, la différenciation de l'image étant aussi son projet esthétique. Peut-être la théorie de Shannon sur l'entropie de l'information est-elle applicable ici : un maximum d'information implique / forme un maximum d'erreurs. Le son, perçant, ne connaît également que deux états : rapide ou ponctuel. Il semble vouloir stimuler l'image et sa recherche, sans y parvenir. Quand, vers la fin, le mouvement se ralentit et que la ville masquée s'évanouit presque en totalité dans un gris diffus, il se peut que la perception du spectateur soit sujette à un certain trouble, se demandant qui, en réalité, essayait de distinguer quelque chose. (Marc Ries)


Traduction: Françoise Guiguet

Orig. Titel
horizon/1
Jahr
2005
Land
Österreich
Länge
4 min
Kategorie
Animation/Computeranimation
Orig. Sprache
kein Dialog
Downloads
horizon/1 (Bild)
horizon/1 (Bild)
horizon/1 (Bild)
Credits
Regie
Annja Krautgasser, aka: [n:ja]
Idee/Konzept
Annja Krautgasser, aka: [n:ja]
Kameraassistenz
Dariusz Kowalski
Sound
TU M'
Mit Unterstützung von
BKA. Kunst
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
Festivals (Auswahl)
2006
Vila do Conde - Festival Internacional de Curtas-Metragens
Edinburgh - Kill your timid notion
Basel - VIPER Festival für Medienkunst