20/68 Schatzi

Die Historizität des Standbildes beinhaltet eine politische Dimension. In Schatzi filmt Kren ein Photo ab, das einen SS-Offizier auf einem Platz stehend zeigt, der mit Leichen übersäht ist. Auch hier werden Positiv und Negativ überlagert, sodaß am Anfang nur abstrakte, schwammige Flächen sichtbar sind, aus denen sich erst nach und nach das Bild kristallisiert. Kren vollzieht hier einen Erkenntnisprozeß über die schrittweise Enthüllung einer unerträglichen Tatsache nach, die das Bild als "Inschrift des Realen" zeigt. Dann zerfällt das Bild wieder in seine Positiva und Negativa, macht unmißverständlich klar, daß es "nur" ein Photo ist, das dem gezeigten Ereignis nicht mehr gerecht werden kann. Über die Animation des Photos kommt Kren vom Sehen zum Denken.

(Michael Palm: Which Way?, Drei Pfade durchs Bild-Gebüsch von Kurt Kren, in: Hans Scheugl (Hrsg.), Ex Underground Kurt Kren. Seine Filme, Wien 1996)

Weitere Texte

20/68 Schatzi von Matthias Wittmann

»Wie lässt sich den Klischees ein wirkliches Bild entreißen?« (Gilles Deleuze) Welche Bilder können dem Verdämmern von Geschichte entgegengehalten werden? Wie ist das Vergangene (er)fassbar, vor allem wenn es um jenes Ereignis geht, das seine Repräsentation gleichermaßen einfordert wie verweigert: die industrielle Abschlachtung von Millionen? Kurt Kren (1929–1998), dessen innovative Filmexperimente und Welterkundungen einzigartigen Status genießen, beansprucht nicht mehr als zwei Minuten und keine Worte, um derartige Fragen aufzuwerfen. Aus einer Graufläche kristallisieren sich allmählich Schemen und Konturen, die im Moment der Erkennbarkeit sofort wieder in der Unschärfe verschwinden. Auf dem Foto, das kaum eine Sekunde lang enthüllt wird, ist ein SS-Offizier inmitten von Leichenbergen zu sehen. Krens Bilder der Unruhe arbeiten konsequent dem Bedürfnis des Blickes nach Fixierung des Wahrgenommenen entgegen. Erinnerung kann eben keine endgültige Einstellung finden, sie kann nicht aufhören, in immer neuen Anläufen um Fassung zu ringen. (Filmarchiv Austria, Bilder ausser sich)
Orig. Titel
20/68 Schatzi
Jahr
1968
Land
Österreich
Länge
2 min 29 sek
Regie
Kurt Kren
Kategorie
Avantgarde/Kunst
Orig. Sprache
kein Dialog
Downloads
Credits
Regie
Kurt Kren
Verfügbare Formate
16 mm (Originalformat)
Bildformat
1:1,37
Tonformat
Stumm
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
s/w
DCP 2K flat (Distributionskopie)
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
Festivals (Auswahl)
2000
Austin - Cinetexas - Int. short film&video&new media festival
2001
Brest - Festival du Film Court
2002
Cork - Int. Film Festival
2004
Helsinki - Avanto Media Art Festival