Nullo

Der Kurzfilm Nullo von Jan Soldat ist schwer anzuschauen, besonders wenn man einen Penis hat. Tatsächlich musste ich den Film großteils mit überschlagenen Beinen betrachten. Wenn man mit Freuds Theorie der Kastrationsangst vertraut ist, versteht man, was ich meine. Der Protagonist des Dokumentarfilms, ein freundlicher schwuler Kerl namens Norbert, sitzt oder steht nackt in unterschiedlichen Posen in seiner kleinen Wohnung und spricht vermutlich zum Filmemacher hinter der Kamera. Es ist klar, dass Norbert keinen Penis hat und stattdessen ein geflügeltes Penistattoo über der Stelle trägt, wo dieser einmal war. In der längsten Einstellung des Films (er besteht nur aus etwa einem Dutzend) liegt Norbert frontal zur Kamera, mit gespreizten Beinen auf dem Bett und erzählt davon, wie er seine Genitalien selbst abgeschnitten hat: zuerst das meiste vom Penis, dann ein paar Jahre später auch die Hoden. Nach einer Infektion musste er ins Krankenhaus, wo der Rest vom Penis, der im Inneren des Körpers verborgen ist, entfernt wurde. Norbert erzählt seine Geschichte sehr nüchtern, berichtet wie er von Kindheit an von seinem Penis befremdet war, und was sein Ex-Freund, seine Familie und seine Freunde von seiner Entscheidung halten, die Entfernung selbst in die Hand zu nehmen. Der Film ist wunderbar direkt, bis hin zu dem Punkt, an dem Norbert am Rücken liegend bis zum Orgasmus masturbiert. Nullo ist ein faszinierendes Porträt eines Menschen mit Penis-Dysmorphophobie, der viel glücklicher und zufriedener zu sein scheint ohne genau jenes Körperteil, das vielen Männern, vor allem schwulen, ihre gesamte raison d'être liefert. (Bruce LaBruce)

Übersetzung: Daniela Zahlner

Orig. Titel
Nullo
Jahr
2021
Länder
Österreich, Deutschland
Länge
15 min 30 sek
Regie
Jan Soldat
Kategorie
Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Deutsch
Untertitel
Englisch
Downloads
Nullo_01 (Bild)
Credits
Regie
Jan Soldat
Verfügbare Formate
DCP 2K flat (Distributionskopie)
Bildformat
16:9
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe