Mis amigos son los pájaros...

Die Wichtigkeit, Gemeinschaft zu finden – auch an unerwarteten Orten – zieht sich als roter Faden durch Vitória Monteiros Film. Im Dialog zwischen Großmutter und Enkelin (die Filmemacherin selbst) entsteht, einem Blumengesteck ähnlich, ein bedächtig arrangiertes Netz an Bezügen. Zusammen gedacht werden feminisierte Arbeit, Technologie, Ideen von Natur und Weiblichkeit, die Weitergabe von Wissen über Generationen, Neokolonialismus und Blumen – das Hauptmotiv des Films. Die Großmutter öffnet sich ihrer Enkelin vor der Kamera in wiederholten Treffen. Sie erzählt von ihrer Einsamkeit und davon, ihre Autonomie durch die Arbeit mit Blumen gefunden zu haben und Freundschaft mit den Vögeln und Schmetterlingen. Mis amigos son los pájaros..., so der Titel des Films. Die Enkelin, Generation online feminism, berichtet im Voiceover von ihrer eigenen Erfahrung durch das Internet Zugang zu einer community erlangt zu haben, und dadurch feministische Perspekiven, Austausch und Bestärkung. Die Filmbilder spiegeln diese Begegnung und sind teils als Doppelprojektion zu sehen. Demo-Footage der Proteste Ni una menos von 2015 wird sichtbar, dazwischen beginnen animierte Blumen ins Bild zu sprießen und sich ihren Platz zu nehmen – insistierend, als Störung, als Glitch. Der Glitch könnte für den Mut stehen, neue Welten zu erschaffen und die bestehende zu erweitern.

Verwiesen wird auch auf den Film Love, Women and Flowers (1988) von Marta Rodríguez und Jorge Silva, der das neokoloniale Geschäft mit dem Blumenhandel dokumentiert. Diese Arbeit mit Blumen, die auch die Großmutter an die Enkelin weitergibt, zeigt sich gegen Ende des Films in einer weiteren möglichen Glitchversion: Eine Person, die mit regionalen Pflanzen und „Abfall“ arbeitet. Arrangements entstehen aus Blättern und dem Grün, das üblicherweise nicht im fertigen Gesteck landet. Die Blumenreste, wie die beharrlich wuchernden digitalen Glitchblumen ranken und rahmen den Film und verbinden sich zu queerfeministischen Ideen neuer Gemeinschaftsformen, die sich nicht davor fürchten, utopisch zu sein. (Daniela Zahlner)


Filmskript basierend auf Ethel Indartes Memoiren „La puente de la saudade (Die Brücke der Sehnsucht)“

Orig. Titel
Mis amigos son los pájaros...
Jahr
2023
Land
Österreich
Länge
15 min
Kategorie
Experimental, Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Portugiesisch, Deutsch, Portuñol, Spanisch
Untertitel
Englisch
Credits
Regie
Vitória Monteiro
Konzept & Realisation
Vitória Monteiro
Sound Design
Luiz Lepchak
Mit Unterstützung von
Wien Kultur MA 7, Land Niederösterreich, Akademie der Bildenden Künste Wien
mit
Vanessa A. Opoku, Christian Schmidt, Julia Ziener, Christine Greimel
Animation 3D Modelle
Vanessa A. Opoku
Verfügbare Formate
DCP 2K flat (Distributionskopie)
Bildformat
16:9
Tonformat
Stereo
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe