Frankenstein Fragment
Im deutschen Stummfilmkino gingen Der Golem (1914; Paul Wegener & Henrik Galeen) und Der Homunculus (1916-17; Otto Rippert) um, doch niemals jene Kreaturen, die sich Mary Shelley für ihren Roman Frankenstein; or, The Modern Prometheus (1818) erdachte. Merkwürdig eigentlich, da es ja einen kaum verbrämten Dracula gab mit Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922), und die beiden Schauerstoffe in der Folge fast immer im Tandem adaptiert werden sollten.
Norbert Pfaffenbichlers Frankenstein Fragment offeriert eine angewandt erträumte Antwort auf diese Frage in Gestalt des Torsos eines Werks, wie es hätte sein können doch nie gab – ein Fest ausdrucksstarker Darstellungen, teils expressionistisch teils surrealistisch, voller handgemachter Spezialeffekte, chemische Verwüstungen des 35mm-Materials incl.. Sehr eigene Dimensionen fügte Pfaffenbichler dem ganzen hinzu, indem er behauptet, daß zu dem (fiktiven) Fragmentenfund, auf dem der Film basiert, auch Probenmaterialien und nicht verwendete Aufnahmen gehören, weswegen es hier zwei Victors und drei Elisabeths gibt – was dem Werk ein Motiv hinzufügt, das entscheidend war für den späten Wilhelminischen Film wie auch das Kino der Weimarer Republik: den Doppelgänger.
Frankenstein Fragment ist nicht nur eine brutal pointierte Literaturvariation, sondern auch die kluge Verdichtung einer Epoche wie durch das Kino bezeugt, im Geiste unserer Tage. (Olaf Möller)
Frankenstein Fragment
2026
Österreich
28 min