AS FAR AS WE COULD TELL
Was ist, archäologisch bzw. astronomisch betrachtet, ein „Horizont“? Und wie weit bzw. zeitlich zurück lässt sich mit menschgemachten Mitteln sehen? Diesen Fragen geht AS FAR AS WE COULD TELL anhand einer Feldvermessung der ganz eigenen Art nach. Der Film kartografiert einige der frühesten Orte der Himmelsbeobachtung im armenischen Hochland – Stätten, die zum einen prähistorischer, zum anderen technizistischer Natur (aus der Sowjetzeit stammend) sind. Teils statische, teils sprunghafte Bilder von Carahunge, dem vermeintlich ältesten Observatorium der Welt, mischen sich mit Nahaufnahmen moderner Teleskopanlagen, deren metallische Prägung von subtil gestricktem elektronischem Sound akzentuiert wird. Dazwischen immer wieder sich öffnende Horizontlinien, unter anderem rund um den künstlich aufgeschütteten Steinkegel Nemrut Dağı in der heutigen Türkei. Dem Flirren der zum Teil extremen Weitwinkeleinstellungen sind Close-Ups rätselhafter Einkerbungen und Muster auf alten Steinformationen gegenübergestellt. Dem korrespondiert der changierende Blick des Films in geologische Zeittiefen einerseits und astronomische Weltallweiten andererseits. Sublim eingebautes Footage-Material von Sternenbeobachtungen lässt die Evokation des unendlich Fernen ins Synthetisch-Abstrakte kippen, während das lang Zurückliegende, so konkret es hier auch vor Augen treten mag, ebenso wenig sein unentschlüsselbares Enigma preisgibt. Einmal, gegen Ende, meint man, zwei unscharfe menschliche Silhouetten auf einem Fahrzeug inmitten von Rauchschwaden wahrzunehmen. Doch sie sind schnell wieder „verblasen“, verlieren sich in den in AS FAR AS WE COULD TELL sich unablässig auftuenden Horizonten. Nähe, Ferne, Weite, Tiefe – all diese Hilfsbegriffe physikalischer wie historischer Raumzeit verwebt der Film zu einem konsequent mehr-als-menschlichen Geflecht. (Christian Höller)
AS FAR AS WE COULD TELL
2027
Österreich, Deutschland, Schweiz
26 min