Sugar Daddies

Mit Sugar Daddies verläßt Scheugl das Kino und projiziert an einer dem Aufnahmeort vergleichbaren Umgebung: die Aufnahmen von Zeichnungen im Klo der Wiener Universität wurden auf dem München-Treffen im Klo des Künstlerhauses projiziert. (Birgit Hein, 1971)


Als Übergang Scheugls vom Expanded Cinema zu seiner konzeptuellen bzw. strukturellen Filmarbeit ist Sugar Daddies (1968) anzusehen. Sexuell explizite Zeichnungen, Klosprüche und zahlreiche (vorwiegend schwule) Kontaktanzeigen, die er auf einer Toilette des Neuen Institutsgebäudes der Universität Wien filmte, projizierte er wiederum in öffentlichen Toilettenanlagen. Diese Szenerie nahm er wiederum auf und integrierte anschließend das gefilmte Material in die ursprüngliche Fassung – schlicht, lapidar und doch spektakulär. Gewidmet ist der Film Stan Laurel und Oliver Hardy, ein Paar, das schon früh burleske, auch geschlechtsspezifische Rollenwechsel zelebrierte und deren Filme stets homoerotische Komponenten aufgewiesen haben. Wohl kein anderes Männerduo der Filmgeschichte war öfter gemeinsam im Bett anzutreffen. Ursprünglich sollte ein Beitrag über den Film in dem TV-Kinomagazin „Apropos Film“ enthalten sein, doch der Dreh in der Herrentoilette am Wiener Westbahnhof endete mit einer Anzeige und somit vor Gericht. Der verdeckte Umgang mit dem Thema Homosexualität ist in Österreich paradigmatisch. Selbst die Material- und Körperaktionen der Wiener Aktionisten, die mit ihren Darstellungen von Sexualität damalige gesellschaftliche Grenzen sprengten, blieben nicht nur patriarchal, sondern auch heteronormativ definiert. Scheugl ist de facto einer jener raren Filmschaffenden in Österreich, der queere Sexualitätsformen als Thema filmisch aufgriff und auch historisch untersuchte. (Dietmar Schwärzler)


 

Orig. Titel
Sugar Daddies
Jahr
1968
Land
Österreich
Länge
13 min
Regie
Hans Scheugl
Kategorie
Avantgarde/Kunst
Orig. Sprache
Kein Dialog
Downloads
Sugar Daddies (Bild)
Credits
Regie
Hans Scheugl
DarstellerIn
Mädchenchor der 2.Klasse des BGV VII unter Leitung von Reinhard Mauerhofer
Verfügbare Formate
Digital File (prores, h264) (Distributionskopie)
DCP (Distributionskopie)
Tonformat
Stumm
16 mm (Distributionskopie)
Bildformat
1:1,37 (Normal)
Tonformat
Stumm
Bildfrequenz
24 fps
Farbformat
s/w