Friedl Kubelka / vom Gröller. Nicht daheim und doch zu Hause

Fr 13. Februar 2026 - So 7. Juni 2026 18:30
Belvedere 21, Ausstellungseröffnung / exhibition opening: 12. Februar 2026, 18.30 Uhr

Mit ihren konzeptuellen Fotografien und ihren experimentellen Kurzfilmen hat sich Friedl Kubelka – als Filmemacherin nennt sie sich ab 2009 Friedl vom Gröller – international einen Namen gemacht. Kaum bekannt ist allerdings, dass die Künstlerin seit Beginn ihres künstlerischen Schaffens um 1970 auch zeichnet und malt.

Seither sind über 150 Zeichnungen und Gouachen entstanden, die bislang kaum öffentlich zu sehen waren. Diese kleinformatigen und phantastisch-realistischen Arbeiten auf Papier zählen zu ihren persönlichsten: Intim, detailreich und überraschend bunt erzählen sie in all ihren Legierungen von Leben, Tod, Liebe, Lust, Eifersucht, Isolation, Freude und auch Ausgelassenheit.

Eine Auswahl der Gouachen wird in dieser Ausstellung mit einer Handvoll Filmen gezeigt. Ein erweitertes Filmprogramm findet im Blickle Kino statt.

Kuratiert von Stefanie Reisinger und Dietmar Schwärzler 
Assistenzkuratorin: Vasilena Stoyanova
Architektur: Robert Vörös-Bauer

 

Zur Ausstellung
Dreh- und Angelpunkt des gesamtkünstlerischen Schaffens von Friedl Kubelka-vom Gröller ist seit 1969 das Atelier in der Gartengasse im fünften Wiener Gemeindebezirk, das auch phasenweise als Schul- und Therapieraum diente. Dieser zentrale Ort ihrer breit gestreuten Tätigkeitsfelder ist in der Konzeption der Ausstellung ein wesentlicher Bezugspunkt: Denn hier arbeitet die Künstlerin bis heute stets im Kleinformat zwischen Fotografie, Film, Zeichnung und Malerei rigoros über das Menschsein.

Schonungslos zeigt Kubelka-vom Gröller das Individuum und seine Gefühlswelt zwar in all den von ihr genutzten Medien, doch die Unmittelbarkeit des Zeichnens und Malens ermöglicht ihr einen ungewöhnlich intimen, direkten und auch vulnerablen Ausdruck, den sie mit der Öffentlichkeit bislang nur äußerst selten geteilt hat.

In den überraschend farbenfrohen und detailreichen Gouachen erzählt die Künstlerin kontemplativ von ihren privaten Erlebnissen, Wünschen, Krisen und Träumen. Angelehnt sind diese Arbeiten an den Stil des Phantastischen Realismus, anfangs inspiriert vom Austausch mit Hans Neuffer, Friedensreich Hundertwasser und Franz West.

Das Erzählerische erprobt sie ebenfalls in einer Gruppe von Filmen, wenngleich es in den Laufbildern schon aufgrund des Mediums anders ausgestaltet ist: Während sich die Gouachen durch einen opak-buntem Farbauftrag auszeichnen und facettenreiche Details beinhalten, schreiben sich ihre Filme puristisch und meist ohne Ton in Schwarz-Weiß auf dem transparenten 16mm-Zelluloid ein. Trotz der formalen Unterschiede besteht ein interessantes thematisches Verwandtschaftsverhältnis zwischen den Laufbildern und den Arbeiten auf Papier. Sie zeigen verdichtet Lebenssituationen und die mit ihnen verbundenen Gefühlszustände, drehen sich um das Ausleben und die Inszenierung von Fantasien und Ideen. Die Inbeziehungsetzung dieser beiden Medien werden in dieser Ausstellung erkundet.

Sonderprogramm:
05.03., 18 Uhr: Filme von Friedl vom Gröller im Blickle Kino
06.03., 18 Uhr: Carte blanche Friedl vom Gröller
02.04., 18:30 Uhr: Schule Friedl Kubelka für unabhängigen Film
12.04.: Gesprächsreihe im Rahmen des Open House mit TBD
Führungen: TBD 

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog (Deutsch/Englisch) bei Walther König, gestaltet von Studio Hübner/Braun.

 

Screening / Blickle Kino
Donnerstag, 5. März 2026, 18–19:30 Uhr 

Erzählen ohne zu sprechen

Die Filmarbeit von Friedl vom Gröller wird gemeinhin nicht mit Erzählkino assoziiert. Ihr erster, unvollendet gebliebener Kurzfilm Der Gangster und die zwei homosexuellen Brüder (1972), der nicht öffentlich gezeigt werden darf, stellte jedoch den Versuch dar, eine autofiktionale Geschichte in Bilder zu übersetzen, ohne dass ein Wort gesprochen wird.

In ihrem umfangreichen filmischen Werk, das bislang rund 150 veröffentlichte Filme (fast alle ohne Ton) umfasst, treten punktuell immer wieder erzählerische Spielarten in unterschiedlichen Formen auf. Diese sind für Außenstehende allerdings nicht ohne Weiteres lesbar. Es handelt sich um radikal offene Narrationsformen, die tief im Subjektiven verankert sind und gerade deshalb vor wenig zurückschrecken. Die Protagonist*innen ihrer Filme rekrutiert Friedl vom Gröller meist aus ihrem unmittelbaren Umfeld; nicht selten dient das Filmemachen als Vorwand für ein Wiedersehen und dafür, ihrem Interesse an anderen nachzugehen und zugleich ihre Ideen umzusetzen. Lasst das Spiel beginnen.

Ruhe auf der Leinwand, 2014, 1:30 min.
La mia Camera, 2019, 1:40 min.
Neuffers Gegenstände, 1972, 6 min.
Uscita di Sicurezza, 2024, 4 min.
Sacrificio per la sirena, 2020, 4 min.
Ohne Titel, 1981–2000, 5 min.
Kirschenzeit, 2013, 3 min.
Palmer, 2023, 3 min.
Empört Euch!, 2014, 3 min.
Hochzeit im Paradeis, 2018, 3 min.
Durch Nacht zum Licht, 2016, 3 min.
Das Rad, 2021, 3 min.
€1, €3, 2025, 5 min.
Conditio Humana, 2025, 2:30 min.
Ertrunken, 2022, 3 min.

 

Screening / Blickle Kino
Freitag, 6. März 2026, 18–19:30 Uhr

Leinwandfladerei mit Friedl vom Gröller

Mit „Leinwandfladerei“ beschreibt Friedl vom Gröller eine Methode, aus der Betrachtung heraus Neues zu entwickeln. Es geht nicht um die Wiederholung, sondern darum, formale Beobachtungen zu notieren, zu abstrahieren oder gar umzukehren und so produktiv für die eigene Arbeit zu nutzen.

Mitte der 1990er-Jahre sieht Friedl vom Gröller Andy Warhols Film Eat (1964). Er zeigt den Künstler Robert Indiana beim langsamen Verzehr eines Pilzes. In statischer Einstellung wird Zeit gedehnt, Alltag zu Performance und das Sehen selbst zum zentralen Moment.

Nachhaltig bewegt, übersetzt Friedl vom Gröller am Morgen nach der Filmvorführung radikale Reduktion und Beobachtung in eine kokettierende Selbstdarstellung, die sie dem schaulustigen Blick entgegenhält. Das Ergebnis ist gleichermaßen humorvoll wie störrisch – von Warhol bleiben nur Spuren formaler Kürzel. Friedl vom Gröllers gleichnamiger Film Eat (1996) fordert auf: Let’s misbehave! – was Chantal Akerman in ihrem Debütkurzfilm Saute ma ville (1968) auf die Spitze treibt, wenn die Küche zum anarchistischen Schlachtfeld mutiert.

Friedl vom Gröller, Eat, 1996, 3 min.
Andy Warhol, Eat, 1964, 35 min.
Friedl vom Gröller, Eat, 1996, 3 min.
Chantal Akerman, Saute ma ville, 1968, 13 min.

Mit Dank an das Österreichische Filmmuseum

 

Screening / Blickle Kino
Donnerstag, 2. April 2026, 18:30–20:30 Uhr

Josephine Ahnelt: People and Circumstances

Das Programm von und mit Josephine Ahnelt zeigt die außergewöhnliche Sensibilität der Filmemacherin für Körper, Nähe und Wahrnehmung am Übergang von dokumentarischer Beobachtung zu poetischer Abstraktion.

Im Jahr 2007 besuchte Ahnelt Friedl Kubelkas Schule für unabhängigen Film. Seither ist ihre experimentelle Filmpraxis analogen Medien gewidmet: Mit Super-8- und 16-mm-Film geht sie den gelebten Realitäten von Menschen nach und schafft dabei poetische Porträts –nicht selten hält sie dabei emotionale Ausnahmezustände oder alternative Lebensmodelle fest. Besonders das Fragmentarische nutzt Ahnelt feinfühlig. Alltägliche Erfahrungen werden so anhand künstlerischer Reflexion übersetzt. Die Verschiebung ermöglicht Distanz und steigert gleichzeitig ein empathisches Sehen – ein Sehen, das auch das Medium und das Filmemachen selbst in den Blick nimmt.

Alle Filme von Josephine Ahnelt
sein und sitzen, 2014, 12 min.
LLL, 2024, 17 min.
16 × 4 Hände, 2015, 7 min.
Tic Tac, 2011, 2:38 min.
Winter Bienen, 2018, 13 min.
Cults & Cucumbers, 2020, 25 min.

Das Screening ist die Auftaktveranstaltung eines mehrtägigen Workshops an der Schule Friedl Kubelka für unabhängigen Film.

In Kooperation mit der Schule Friedl Kubelka für unabhängigen Film

 

Eine Kooperation von / a collaboration between Belvedere 21 und sixpackfilm